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Energiealltag in Paris.

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Jahrzehntelang lebten die Franzosen im Stromparadies. Doch das ändert nun, wie der Schweizer Paris-Korrespondent Stefan Brändle festgestellt hat. Umweltschutz muss, so die französische Mentalität, immer auch das Portemonnaie entlasten.

Wenn Thierry (52) auf etwas allergisch ist, dann sind es kleine grüne Lämpchen. Er meint jene Leuchtdioden am Fernsehgerät, an der Elektrozahnbürste oder am Telefon, die nach dem Lichterlöschen weiter brennen und einen Schimmer verbreiten. «Pure Vergeudung», findet der Informatiker aus Paris. Er hat all diese Geräte an eine Steckdosen-Leiste gehängt, die er mit einem Klick abstellen kann, wenn er in seiner Pariser Kleinwohnung zu Bett geht - mit dem neuen Gefühl, nachts nicht auch noch die Stromrechnung begleichen zu müssen.


Durch einen einfachen Klick auf den roten Schalter der Steckdosenleiste spart Thierry, Einwohner von Paris, einigen Nachtstrom

Durch einen einfachen Klick auf den roten Schalter der Steckdosenleiste spart Thierry, Einwohner von Paris, einigen Nachtstrom


Wie Thierry denken und handeln heute viele der zehn Millionen Einwohner der französischen Hauptstadt: Die steigenden Energiepreise haben sie über Nacht zu Umweltschützern gemacht, auf Französisch «écolos». Im Supermarkt verdrängen sparsamere LED- und Energiespar-Leuchten, die man vor zwei, drei Jahren noch nicht einmal in einem Spezialgeschäft fand, die herkömmlichen Glühbirnen aus dem Sortiment. Und zwar auch bei Thierry. Seine Freunde gingen noch weiter, erzählt er: Einer habe sogar einen Ziegelstein in den WC-Spülkasten ihrer Toilette gelegt, um Wasser zu sparen.


Neuerdings wacht und strahlt der Eiffelturm auch nachts über der Lichterstadt.

Neuerdings wacht und strahlt der Eiffelturm auch nachts über der Lichterstadt.


Dass Energiesparen in Paris der «dernier cri» ist, zeigt sich auch einmal im Jahr, wenn alle öffentlichen Gebäude fünf Minuten lang in einem symbolischen Akt verdunkelt werden. Sogar der Eiffelturm, der sonst die ganze Nacht angeleuchtet ist und zusätzlich im Stundentakt durch 20 000 Lämpchen funkelt, lässt sich dann nur noch als schwarzer Koloss im Pariser Nachthimmel erahnen. In einem Land, wo man vor wenigen Jahren noch nicht einmal die Abfälle trennte, gleicht das neu erwachte Umweltbewusstsein schon fast einer Revolution. Bisher war der Strom für die Franzosen billig und unerschöpflich aus der Steckdose gekommen - produziert von fast 60 Kernkraftwerken im ganzen Land. Mit seinem gewaltigen KKW-Park, der vier Fünftel des nationalen Elektrizitätsbedarfs deckt, lebten die Franzosen geradezu im Stromparadies. Nun steigen mit den Benzin-, auch die Gas- und Strompreise.

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30.09.2008


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