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Februar 2012

Persönlich-Kolumne: Diskrepanzen

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Martin Vollenwyder, Vorsteher des Finanzdepartements

Martin Vollenwyder, Vorsteher des Finanzdepartements

Das Schöne an meinem Beruf als Vorsteher des Finanzdepartements der Stadt Zürich ist, dass ich mit den unterschiedlichsten Menschen aus allen gesellschaftlichen Kreisen zusammentreffe. Dabei wird für mich in jüngster Zeit immer deutlicher, dass die verschiedenen Schichten nicht mehr miteinander, sondern übereinander kommunizieren. Damit finden auch die leider salonfähig gewordenen Begriffe «Schmarotzer», «Scheininvalider», «Spekulant» usw. immer mehr Verwendung.

Findet man dann aber ins Gespräch, wird sehr schnell klar, dass häufig frei von jeder Faktenlage etwas in die Welt gesetzt wird. Spannend dabei ist, dass wirkliche Führungspersönlichkeiten – neudeutsch Leader – vorgenannte Worte nie in den Mund nehmen. Dort habe ich dann meistens ein anderes Überraschungsmoment: Die Stadt und ihre Verwaltung werden in den höchsten Tönen gelobt. Als ich kürzlich den CEO einer neu in Zürich domizilierten Gesellschaft zum Lunch traf, beschlich mich der Eindruck, er spreche womöglich nicht über dieselbe Stadt – im Gemeinderat waren nämlich während der Budgetdebatte ganz andere Töne angeschlagen worden. Selbstverständlich soll das nicht überbewertet werden. Was jedoch als Quintessenz bestehen bleibt, sind zwei Aussagen:

  1. Ein Organismus der Grösse einer Stadt Zürich hat immer Verbesserungspotenzial, aber
  2. die Stadt Zürich ist besser unterwegs, als dies gewisse Kreise gerne hätten.

Wir setzen uns sicher nicht aufs hohe Ross, aber ein bisschen stolz darf die Stadt auf das bisher Erreichte sein.

Martin Vollenwyder
Vorsteher des Finanzdepartements


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