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Publikationen & Broschüren
Persönlich-Kolumne: Was kostet die Freiheit?
Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich
Claudia Nielsen, Vorsteherin Gesundheits- und Umweltdepartement
Der arabische Mittelmeerraum bedeutet mir viel: farbenfrohe Souks, grossartige Historie und Sprache (von der ich erst Grundkenntnisse habe), herzliche Menschen und karge Landschaften (von denen ich erst wenig erwandert habe).
Anfang Jahr hörte ich die Nachrichten über die friedlichen Proteste mit Faszination und Hoffnung. Auf meiner letzten Reise in diese Region, als Proteste nicht mehr nur aus Tunesien und Ägypten vermeldet wurden, lernte ich den arabischen Begriff für «Arbeitsniederlegung»: idrāb can al- camal. Die Streiks waren ein wichtiges Element dieses friedlichen Protests.
Wenn ich heute die Nachrichten höre, so tritt die Sorge in den Vordergrund. Dass Menschen in Staaten wie Syrien den Mut aufbringen, hörbar Freiheit zu fordern, berührt mich. Dass diese Menschen das Risiko eingehen, erschossen zu werden, betrübt mich. Da treten meine Erinnerungen an das Lachen im Hamam, an Einladungen zum Tee, an blühende Mandelbäume im Anti-Atlas, an arabische Schriftzüge in den Hintergrund. Meine Gedanken wandern oft in die verschiedenen Länder. Gibt es dort Freiheit nur zum Preis von Gewalt, Opfer und Krieg?
Dann frage ich mich, ob wir hier in der Schweiz das Privileg unserer Freiheit und unserer demokratischen Rechte genügend schätzen? Wir können unsere Meinung öffentlich kundtun, haben die Versammlungsfreiheit, können wählen und abstimmen – und müssen dafür kein Risiko auf uns nehmen. Es kostet uns nur die winzige Anstrengung, zum nächsten Briefkasten zu gehen. Für die Menschen im nördlichen Afrika und im Nahen Osten hoffe ich, dass auch sie bald politische Rechte ausüben können – und für die Menschen in der Schweiz, dass sie sie nicht aus Bequemlichkeit vergessen…
Claudia Nielsen
Vorsteherin Gesundheits- und Umweltdepartement

