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Publikationen & Broschüren
Persönlich-Kolumne: Nicht mit Gold aufzuwiegen
Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich
Claudia Nielsen, Vorsteherin Gesundheits- und Umweltdepartement
Das europäische Freiwilligenjahr neigt sich dem Ende zu. Für einmal standen Menschen im Mittelpunkt, die manchmal vergessen gehen. Denn sie stehen nicht auf der Lohnliste: die freiwilligen Mitarbeitenden. Freiwilligenarbeit hat keinen Preis. Aber einen hohen Wert. Freiwillige verschenken ihre Zeit, ihr Fachwissen, ihr Mitgefühl. Sie begleiten Kinder oder Alte, Behinderte oder Benachteiligte.
Alleine in den Altersheimen der Stadt Zürich wurden 2011 rund 35 000 Stunden Arbeit von Freiwilligen geleistet. Sie haben Besorgungen erledigt, zur Ärztin begleitet, Gespräche geführt, Vorgelesen, Hände gehalten… Was für ein Schatz. Was für ein Reichtum für unsere Stadt. Denn das Engagement der Freiwilligen lässt sich nicht mit Gold aufwiegen. Zuwendung macht unsere Gesellschaft zusammengehörig und lebenswert. Ich danke allen Freiwilligen von Herzen.
Zuwendung ist nicht messbar und nicht ökonomisierbar. Sie widersetzt sich dem Druck nach Effizienz. Zum Glück. In unseren Institutionen – den Spitälern, Altersheimen und Pflegezentren – geben meine Mitarbeitenden in der professionellen Arbeit tagtäglich Zuwendung und Unterstützung. Auf die wertvolle Mitarbeit unserer Freiwilligen könnten wir dennoch nie verzichten: Sie schenken unseren Patienten und Bewohnerinnen viele beglückende Momente.
Doch weshalb nimmt jemand den Aufwand eines regelmässigen
freiwilligen Engagements auf sich? Wer Zuwendung gibt, bekommt auch
etwas zurück. Ich persönlich merke das manchmal erst mit
Verzögerung, wenn im ersten Moment das Schwere überwiegt. Helfe ich
einem stark dementen Freund beim Essen und nehme ihn in den Arm, so
ist das mit schwierigen Gefühlen verbunden. Wieder auf der Strasse
spüre ich, dass ich nicht nur gegeben habe, sondern auch beschenkt
wurde.
Claudia Nielsen
Vorsteherin Gesundheits- und Umweltdepartement

