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Mühlegasse 2009
Das Haus Mühlegasse 5, in dem bis vor kurzem Zürichs ältestes Kino in Betrieb war, wird tiefgreifend umgebaut. Anlass für die Stadtarchäologie, die historische Bausubstanz und die im Boden erhaltenen Siedlungsreste eingehend zu untersuchen.
Aussergewöhnliche Funde, die allerdings gut zur Mühlegasse passen, sind die Bruchstücke eines grossen mittelalterlichen Mühlsteins mit einem Durchmesser von rund 1,5 m. Die Teile dienten in zweiter Verwendung als Bodenbelag in einem Haus, vielleicht vor einer Tür. Der Stein könnte ursprünglich in einer Mühle am Oberen Mühlesteg zum Einsatz gekommen sein. (Bild Stadtarchäologie)
Lange Geschichte, reiche Wohnkultur
Die Liegenschaft geht im Kern auf drei eigenständige mittelalterliche Gebäude zurück. In der Regel waren die Häuser in der Hand von Müllersleuten oder wurden von solchen bewohnt. Der Wohlstand der Bewohnerschaft kommt durch einige gehobene Ausstattungselemente der Innenräume zum Ausdruck. Mühlen befanden sich ganz in der Nähe. In der Verlängerung der Mühlegasse ragte – ungefähr an der Stelle der heutigen Rudolph-Brun-Brücke – der Obere Mühlesteg mit einer Reihe von Mühlen mit Wasserrädern in die Limmat.
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Der Obere Mühlesteg um 1770 auf einer Radierung von Johann Balthasar Bullinger. (Bild BAZ)
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Die Kassettendecke aus dem 17. Jahrhundert war bisher unter einer Täferung verborgen.
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Das schmiedeiserne Geländer (18. Jh.) wird nach der Restaurierung wieder eingesetzt.
101 Jahre Kino Radium
1907 entstand an der Mühlegasse 5 das Kino Radium. Um einen angemessenen Kinosaal zu gewinnen, entfernte man das Deckengebälk des bis anhin als Laden genutzten Raumes im Erdgeschoss und mauerte die Fensteröffnungen zu. Das «Radium» blieb bis 2008 in Betrieb. Ein in diesem Jahr unter dem Dachvorsprung gefundener Stapel alter Filmplakate führt zu den Anfängen eines der ersten «Kinematographen-Theaters» der Stadt zurück.
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Ein nicht alltäglicher Fund unter dem Dach: Drama und Gefühl auf Filmplakaten von 1912.
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Mit Schablonen aufgemalte Girlanden schmückten die Wand des ersten Kinosaals.
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Die von Emil Morf 1928 bemalte Hausfassade, Zeugnis der Bewegung «farbiges Zürich».
Archäologie des «niederen Dorfes»
Die Bauarbeiten lösten sowohl im Boden als auch im aufgehenden Mauerwerk archäologische Untersuchungen aus. Ein Team der Stadtarchäologie legte im Erdgeschoss die Reste von älteren Bauten aus dem Mittelalter frei. Einfache Steinmauern, Lehm- und Holzböden, Fachwerkwände auf Schwellbalken und Feuerstellen konnten auf relativ grosser Fläche dokumentiert werden. Der Stadtteil Niederdorf taucht im 12. Jahrhundert als «inferior villa» (niederes Dorf) in den Schriftquellen auf. Durch die Grabung konnten noch ältere Siedlungsreste erfasst werden.
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Mittelalterliche Bausubstanz blieb bis unter das Dach erhalten. Das Alter der Flechtwerkwand im Dachgeschoss soll durch die Jahrringchronologie der Bauhölzer genauer bestimmt werden.
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Blick auf die Grabungsfläche. Gut erkennbar der dunkle Lehmboden des hochmittelalterlichen Wohnbaus, die Unterlagssteine der Zwischenwände und die rötliche Feuerstelle mit Steinkranz.
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Gute Erhaltungsbedingungen: Das feuchte Bodenklima bewirkte, dass Planken und Unterlagsbalken eines rund 900jährigen Holzbodens in Form von feinen Fasern erhalten blieben.
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Fabio Donadini (ETH Zürich) bei der Probeentnahme für die archäomagnetische Analyse einer mittelalterlichen Feuerstelle.
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Fotografische Dokumentation eines Eckraumes mit Holzwänden und Kiesbelag.
(alle Bilder Stadtarchäologie Zürich)


