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„Kongresse finden auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten statt“.

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Interview mit Elmar Ledergerber, Präsident Zürich Tourismus


Portrait Elmer Ledergerber

1. Warum braucht Zürich ein Kongresszentrum?

Durch den Tourismus und ganz besonders durch den Kongress-Tourismus wird Geld nach Zürich gebracht, denn die Teilnehmer bleiben überdurchschnittlich lang und geben viel im Detailhandel, der Gastronomie und ganz Zürich aus. Über diese Wertschöpfung hinaus werden durch den Kongress-Tourismus Arbeitsplätze gesichert, neue geschaffen und zusätzliche Steuereinnahmen generiert. Das alles fördert die Wohlstandsentwicklung.

Heute liegt grosses Potenzial brach, da die Nachfrage nicht befriedigt werden kann. Regelmässig möchten grosse Veranstaltungen nach Zürich kommen, aufgrund der fehlenden Kongress- und Hotelinfrastruktur geht das aber nicht. Finanzielle Zuflüsse und die damit verbundene positive Stadtentwicklung liegt nicht nur brach, sondern Kongresse wandern auch an die Konkurrenz ab. Möchte Zürich profitieren, braucht es so rasch wie möglich ein neues Kongresszentrum mit internationaler Ausstrahlungskraft.


2. Welche internationalen Kongresse könnten in Zürich durchgeführt werden, wenn die entsprechenden Räumlichkeiten vorhanden wären?

Mit einem neuen Kongresszentrum stehen auf einen Schlag neue Kapazitäten zur Verfügung. Das bringt neue Möglichkeiten mit sich. Besonders grosse, internationale Verbandskongresse können in Zürich beherbergt werden. Das sind lukrative Veranstaltungen, die regelmässig stattfinden – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. In der IT-Branche und für die medizinische Gesellschaft gibt es eine Vielzahl solcher Kongresse, ebenso im wissenschaftlichen Bereich. Für Zürich sind solche Veranstaltungen aus einem weiteren Grund spannend: Ein Image-Transfer wird stattfinden und Zürich als Zentrum für Forschung und Wissenschaft wahrgenommen.


3. Welches sind die wichtigsten Anforderungen, die ein Kongresszentrum aus touristischer Sicht erfüllen müsste?

An erster Stelle stehen die zentrale und attraktive Lage und die gute Erreichbarkeit. Die Kongressgäste müssen nicht nur einfach und schnell an- und abreisen können, sondern auch in unmittelbarer Nähe zum Freizeitangebot sein. Denn bereits kurze Kongresspausen werden zum Shoppen, Essen, für Sightseeing oder für Kulturbesuche genutzt.

Selbstverständlich muss das Kongresszentrum (bis 2‘000 Gäste) auch internationalen Qualitätsansprüchen genügen. Das heisst, eine hohe architektonische Ausstrahlungskraft haben, die Flächen müssen flexibel genutzt werden können, kleinere Räume für Workshops zur Verfügung stehen und ein Inhouse-Hotel im 3- bis 4-Sterne-Bereich vorhanden sein.

Ein Inhouse-Hotel mit rund 200 Zimmern ist daher so wichtig, weil bereits heute die Nachfrage mit bestehenden Kapazitäten nicht mehr aufgefangen werden kann. Und was nutzt ein modernes Kongresszentrum, wenn die Gäste wegen fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten fern bleiben? Vielmehr können mit dem neuen Hotel 200 bis 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.


4. Welcher Kongress soll in zehn Jahren unbedingt in Zürich stattfinden?

Das neue Kongresszentrum wird frühestens 2018 den Betrieb aufnehmen. Die Vorlaufzeit um einen Kongress an Land zu ziehen beträgt durchschnittlich zwei bis fünf Jahre. Es ist daher noch zu früh, etwas zu sagen. Diese Frage bearbeiten wir zurzeit intensiv, denn die künftige Entwicklung des Kongresstourismus steht bei uns aktuell auf der Agenda.


5. Welches Kongresszentrum schätzen Sie persönlich und wünschten sich, es würde in Zürich stehen?

Natürlich denken in diesem Zusammenhang sofort alle an das KKL – zu dem wir Luzern ja auch beglückwünschen. Aber diese architektonische Ausstrahlung, die zentrale Lage und die spezielle Atmosphäre wünschen wir uns auch für Zürich. Dabei müssen wir uns im Klaren sein, es geht nicht nur darum, lukrative Geschäfte zu machen, es geht auch darum, den Standort zu stärken und von der einseitigen Abhängigkeit vom Finanzplatz ein bisschen wegzukommen.


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