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Der FREIE KREDIT als städtische Kunstförderung
Perla-Mode, Foto: E. Eppstein
Es gibt in Zürich nicht nur Museen und Kunsthallen, Galerien und Auktionshäuser, Kunstsammler und Museumsgängerinnen. Es gibt auch eine freie Kunstszene, die sich weitgehend selbst organisiert und die ihr – vorwiegend junges – Publikum mehr als nur findet: Es strömt ihr zu. Seit gut zwanzig Jahren sind in Zürich Ausstellungs- und Projekträume entstanden, die oft auf Künstlerinitiativen zurückgehen. Von ihnen gingen und gehen wesentliche Impulse an die museale und an die kommerzielle Kunstszene aus: Ungebunden, selbstverwaltet, dem Experiment verpflichtet, sind diese Initiativen der Nährboden für vieles, was später in Galerien, Kunsthallen und Museen gefeiert wird. Hier ist es noch frisch, lebendig und beweglich.
Die Abteilung Kultur der Stadt hat das Aufblühen einer freien Szene schon vor einiger Zeit erkannt und im Jahr 1999 im Bereich der Bildenden Kunst den sogenannten Freien Kredit eingeführt. Anfänglich mit 80'000 Franken pro Jahr dotiert, sind seit 2005 jährlich 100'000 Franken budgetiert.
Der Freie Kredit fördert unabhängige Ausstellungs- und Projekträume, die sich für engagierte Kunstpräsentationen einsetzen. Auch Projekte von Kunstschaffenden und Kunstvermittlern, die in Kunsträumen oder im öffentlichen Raum zur Realisierung gelangen, werden unterstützt, wenn sie einen nachhaltigen Beitrag an die Lebendigkeit und Präsenz der Zürcher Kunstszene leisten. Es wird Wert darauf gelegt, dass die Förderung direkt der künstlerischen Produktion und nicht kostenintensiven Produktionsweisen und aufwändigen betrieblichen Overheads zugute kommt. Viele Initiativen in Ausstellungs- und Projekträumen, die auch als alternative Kunsträume oder Offspaces bezeichnet werden, bringen Kunstschaffende selber ein und entwickeln die Vorhaben in enger Zusammenarbeit mit engagierten KunstvermittlerInnen.
Die geförderte Programmierung der künstlerischen Aktivitäten und Ausstellungsinitiativen soll sich an ein breites, kunstinteressiertes Publikum richten. Neue, dynamische und innovative Vermittlungsstrategien, welche die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst anregen und ankurbeln, stellen einen besonderen Schwerpunkt dar. Der Freie Kredit setzt Impulse, indem er sich als Partner für Aktivitäten und Initiativen bei der Präsentation und Reflexion von aktuellem Kunstschaffen versteht. Dieses Förderinstrument ist Ausdruck der Notwendigkeit und Dringlichkeit, innovatives Potential zu erkennen und entsprechend zu unterstützen.
message salon downtown - Fotos: Esther Eppstein
Mit ihrem message salon hat Esther Eppstein in Zürich 1996 als eine der ersten einen Offspace ins Leben gerufen, den sie bis heute betreibt. Mit ihrer unorthodoxen Weise der Kunstvermittlung hat sie viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die Einrichtung des Freien Kredits angeregt. Nach ihrer Einschätzung hat der Freie Kredit die Entwicklung eines künstlerischen Netzwerks in der Stadt begünstigt. Esther Eppstein sagt:
„Ein geschickt angelegtes Netzwerk spinnt sich von selbst weiter, zieht neue Fäden, webt sich stetig voran und bleibt dabei offen für neue Akteure und junge Ideen. Voraussetzung ist, dass das Netz gepflegt werden kann, und das bedingt Kontinuität. Mit der finanziellen Unterstützung des Freien Kredits der Stadt Zürich wurde es mir ab 2001 möglich, eine Kontinuität mit dem Ausstellungsraum message salon aufrechtzuerhalten. Zwar waren die Geldbeträge klein, gemessen am immateriellen Ertrag, der sich durch das Aufblühen eines kulturellen Nährbodens an der Schnittstelle von Underground und Kunstbetrieb einstellt. Doch konnten dadurch die rudimentärsten Kosten wie Raummiete oder Druck von Einladungskarten gedeckt werden. Unbezahlt blieb die geleistete Arbeit. Die sogenannten Offspaces haben in der Stadt Zürich als Pioniere eine wichtige Funktion übernommen. Es sind Räume der freien Entfaltung und dadurch wichtige Gradmesser, Ideenlieferanten und Frischlufterzeuger des etablierten Kunstbetriebs. Nur wo ein starker, selbstbewusster Underground besteht, gibt es später auch genug Neues zu pflücken.“
Die Veranstaltungswoche Poolloop '11
Erstmals vom Freien Kredit gefördert wird das Festival Poolloop, das vom 4. bis 9. Juli 2011 im Kunstraum Starkart an der Brauerstrasse 126 durchgeführt wird.
Das Festival widmet sich den Prozessen der Information und ist als interdisziplinäre Woche mit Loops in Medien, Kunst und Musik entworfen. Im Vorfeld wird ein Pool von medialen Kleinstkunstwerken angelegt, die in diesem Zusammenhang als Loops bezeichnet werden. Dieser Pool dient während des Festivals als Fundus für elementare Interaktionen von AkteurInnen, Inhalten und Publikum: Dabei entstehen zum Beispiel Jam's, Mashups, Kompositionen, Interpretationen und 'found footage' Montagen. Das Augenmerk liegt weniger auf den verschiedenen Medien selbst, sondern auf der Transformation, dem Wandel der Information. Deren Entstehung soll nachvollziehbar, die Schlaufe an möglichen Ausgängen auf unmittelbare Weise anschaulich werden.
Die Veranstalter, die zum ersten Mal um einen Beitrag bei der Stadt Zürich ersucht haben, charakterisieren den Wert der Unterstützung: „Der Freie Kredit der Stadt Zürich ermöglicht den gewählten Fokus auf den Entstehungsprozess und lässt den Gedanken „Festival als Lab“ zu. Dank der finanziellen Unterstützung ist es uns möglich, Anreisen, Kost und Logis, sowie Materialspesen und kleine Gagen zu begleichen.“



