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Kommission für Bildende Kunst der Stadt Zürich

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Die Kommission für Bildende Kunst der Stadt Zürich hat beratende Funktion und wird vom Stadtrat jeweils für vier Jahre gewählt. Sie stellt Anträge zur städtischen Kunstförderung durch die Tätigkeit in den drei Arbeitsgruppen Ankäufe, Stipendien und Freier Kredit. Zudem nehmen Mitglieder der Kunstkommission nach Bedarf Einsitz in Gremien, die das Zürcher Kunstschaffen ermöglichen und vermitteln.

Mitglieder der Kommission für Bildende Kunst der Amtsperiode 2010-2014 sind:

Luigi Archetti, Künstler, Präsident der Kommission für Bildende Kunst

Giovanni Carmine, Kunsthistoriker, Direktor Kunsthalle St. Gallen
Dominique Lämmli, Künstlerin, Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste
Pietro Mattioli, Künstler, Kurator
Simon Maurer, Leiter Ressort Bildende Kunst der Stadt Zürich, Leiter Helmhaus Zürich
Georg Rutishauser, Künstler, Leiter Verlag edition fink
Ludmila Vachtova, Kunstkritikerin und Publizistin
Andreas Vogel, Kunsthistoriker, Rektor der F+F Schule für Kunst und Mediendesign


Der Künstler als Förderer: Luigi Archetti, Präsident der Kommission für Bildende Kunst der Stadt Zürich


Porträt Luigi Archetti - grosse Darstellung in neuem Fenster

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Zum ersten Mal präsidiert mit Luigi Archetti ein Künstler die Kommission für Bildende Kunst der Stadt Zürich. Der seit langem in Zürich lebende Künstler beschäftigt sich im Bereich visuelle Kunst mit Malerei, Zeichnung, Video und Installation und hat sich überdies als Musiker und Komponist einen Namen gemacht. Luigi Archetti gibt Auskunft, wie er die Aufgaben der Kunstkommission versteht.


Sie machen Musik, stellen aus und sind gleichzeitig Präsident der Kunstkommission. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in dieser Kombination?

Kommissionen mit Theoretikern, Kritikerinnen, Kunstschaffenden und Kunstliebhaberinnen zeichnet ein grosser Vorteil aus. Kunstschaffende haben immer den Blick der Produzierenden, sie können den Stellenwert einer Arbeit  vielleicht nicht besser, aber anders, aus der Produktionsperspektive beurteilen. Ein Nachteil könnte die Befangenheit sein. Kunstschaffende in Zürich kennen einander, was aber nicht nur negative Aspekte mit sich bringt. Ich persönlich kann damit bestens umgehen.

Was sind die wichtigsten Aufgaben der Kommission?

Zuerst möchte ich allen Künstlerinnen und Künstlern ein grosses Dankeschön aussprechen.
Das vielfältige künstlerische Angebot der Kunstschaffenden verpflichtet die Kommission, mit grosser Verantwortung die Szene aufmerksam zu verfolgen, zu begleiten und seismografisch zu deuten.

Hat sich die Kommission Themenschwerpunkte gegeben für die nächsten  vier Jahre?

Innerhalb der drei Arbeitsgruppen Stipendien, Ankäufe und Freier Kredit werden die Schwerpunkte und Strategien immer wieder neu definiert.
Insgesamt ist eine Öffnung erstrebenswert, im Sinne einer zusammenwirkenden Partnerschaft mit anderen Bereichen in der Stadt, die sich mit Kunst beschäftigen. Da gibt es sicher Nachholbedarf.

Die Kunstkommission schlägt Werke zum Ankauf vor. Was sind die Kriterien?

Wichtig sind der künstlerische Gehalt und die Qualität eines Werkes. Wir haben keine medialen Präferenzen oder ästhetisch-stilistischen Schwerpunkte. Im Zentrum steht die Förderung:  Wir diskutieren die Wichtigkeit, bestimmte Positionen  in die Kunstsammlung der Stadt Zürich aufzunehmen. Kriterien werden  durch Argumente,  Empathie und  Anregungen vor dem Originalwerk gemeinsam in der Kommission besprochen. Erst dann wird ein Entscheid gefällt.

Was ist dabei entscheidend?

Das innovative Potenzial. Dass es eine entwicklungsfähige Position ist, mutig und risikobereit. Kurz: Überzeugende und herausragende künstlerische Qualität.

Gilt das auch für die Vergabe von Stipendien?

Mit Stipendien werden aktuelle Werke und künstlerische Positionen unterstützt. Bei Ankäufen geht es hingegen auch um den dokumentarischen Wert. Da legen wir einen Querschnitt durch die jetzige Zeit.

Man kauft aber nur Werke von lebenden Künstlern?

Ja, das ist ganz wichtig. Wir tragen dazu bei, dass die städtische Kunstsammlung immer wieder mit neuen Werken von aktuell tätigen Künstlerinnen und Künstlern weiterwachsen kann. Mit unserer Kommissionstätigkeit möchten wir hautnah am Puls des Lebendigen, am Hier und Jetzt sein. Dabei gilt es, Positionen von jüngeren wie auch älteren Kunstschaffenden wahrzunehmen.

Wie haben Sie als Künstler die Kommissionen von aussen wahrgenommen?

Ist Respekt der Kommission gegenüber den Kunstschaffenden zu spüren,  dann ist es eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Positive oder negative Entscheide können dann auch Anstoss sein, die eigene künstlerische Arbeit neu zu sehen. 

Setzt die Kommission Ankäufe als Ermutigung ein?

Mit Sicherheit! Durch einen Werkankauf wird dem Kunstschaffenden ein Zeichen der Wertschätzung gegeben; und der Stadt Zürich liefern wir ein Signal für eine sinnvolle, sinnstiftende und nachhaltige Investition. In diesem Zusammenhang werden auch Überlegungen für eine Erneuerung denkbar:  Wäre es möglich, dass die Sammlung vermehrt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird? Überlegungen zu solchen Modellen für den Umgang und das Weiterleben der städtischen Sammlung möchte ich aktivieren.

Was kann die Arbeit der Kommission für das Zürcher Kunstleben bewirken?

Die Kommission verfolgt wachsam und kritisch die komplexen Aktivitäten der Kunstszene. Die aktive Arbeit einer Kommission generiert Dynamik, stellt Fragen, fördert den Diskurs und ermöglicht die Anerkennung der künstlerischen Arbeit in unserer Stadt.

Wie nehmen Sie als Bürger Zürich als Kunststadt wahr?

Vielfältig, vital und sich immer wieder erneuernd. Die Zürcher Szene geht neugierig und kritisch mit Trends um und tritt selbstbewusst im nationalen und internationalen Kontext auf.

Was möchten Sie nach vier Jahren Amtszeit sagen können?

Mutige und zukunftsweisende Zeichen mit dem Instrument der Städtischen Kulturförderung wurden gesetzt, und eine gute dialogbereite Partnerschaft zwischen den verschiedenen Interessengruppen ist entstanden.

Interview / Text: Eva Wagner und Peter Schneider


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