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Ausstellung vom 3. September – 24. Februar 2005

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LEBENSZEICHEN

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Vom Geburtsschein bis zur Grabplatte:
Das Leben der Anna Holzhalb

Eine Ausstellung des Stadtarchivs Zürich

3. September – 24. Februar 2005


Wer ist Anna Holzhalb? Anna Holzhalb hat nie gelebt. Ihre Lebensgeschichte ist frei erfunden. Doch ihr Leben ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Es könnte sich so oder ähnlich zugetragen haben.

Die Ausstellung LEBENSZEICHEN hat das Ziel, Ihnen Funktion und Tätigkeit des Stadtarchivs Zürich näherzubringen. Auf unkonventionelle Art will sie an Beispielen zeigen, wie Akten entstehen, wie sie im Archiv erhalten werden und wie sie sich benützen lassen. Anna Holzhalbs Leben soll dies veranschaulichen. Jedes menschliche Leben hinterlässt in der modernen Gesellschaft eine breite Aktenspur – Akten bilden Stationen des Lebens in der Gemeinschaft ab.

Die Ausstellung führt Sie durch sieben Lebensstationen der Anna Holzhalb: von der Geburt bis zum Tod, vom Geburtsschein des Zivilstandsamts bis zur Grabplatte, deren Gestaltung bestimmten Vorschriften zu genügen hat – eine Aktenspur, die Anna Holzhalbs Leben gezeichnet haben könnte. Akten sind LEBENSZEICHEN. Sie werden von Staat und Gesellschaft produziert. Anhand der Akten erinnert man sich an die Menschen, an ihre Geschichten, an die Zeit, in der sie lebten. Durch diese Verknüpfung von Akten und Leben wird das Archiv zu einer Gelenkstelle des menschlichen Erinnerns.

Mit seiner Arbeit leistet das Stadtarchiv Zürich einen wichtigen Beitrag zum service public. Es ermöglicht einer breiten Öffentlichkeit den Zugriff auf die Quellen zur Stadtgeschichte, zur Sozial- und Kulturgeschichte wie zur Biografie einzelner Personen. Informationen über Bürgerinnen und Einwohner der Stadt Zürich stehen dabei oft im Mittelpunkt des Interesses.

Die Ausstellung bietet einerseits Gelegenheit, den Spuren eines möglichen Zürcher Lebens zu folgen, andererseits gibt sie einen Einblick hinter die Kulissen des Stadtarchivs Zürich, in die Archivbestände und in die Tätigkeit von Archivarinnen und Archivaren.


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Zur Ausstellung des Stadtarchivs Zürich

Chi ricorda vive due volte
(Ignazio Silone)

Archive sind Werkstätten der Erinnerung. Sie bewahren Dokumente verschiedenster Art auf, die unzählige Informationen enthalten. Die Kernarbeit der Archive besteht darin, diese Informationen zu vermitteln. Dazu gehört, dass die Akten von den Archiven sichergestellt, richtig aufbewahrt, aufgearbeitet (erschlossen) und für die Öffentlichkeit benutzbar und verständlich gemacht werden. Erst die Informationsvermittlung durch die Archive macht die Erhaltung von Erinnerung möglich – Archivarinnen und Archivare sind „Erinnerungsarbeiter“. Diese Erinnerungsarbeit ist nicht bloss Katalogisierung von Archivalien administrativer, politischer und privater Natur, sondern ein dynamischer Prozess. Archivieren ist eine aktive Tätigkeit, bei der das Archivmaterial bewertet, gewichtet und der Kontext zwischen den Schriftstücken verdeutlicht wird. Ohne Kontext verlieren Akten ihren Wert; Anonymisierung und Verlust der Zusammenhänge bilden den ersten Schritt zur Auslöschung von Erinnerung. Akten sind nicht bloss Papier, sie spiegeln Realitäten und Identitäten; sie sind Ausdruck für das Leben in der Gemeinschaft. Erinnerung und Identität stehen in einem engen Zusammenhang. Die Arbeit der Archivarinnen und Archivare ist ein Beitrag zur Identität unserer Gesellschaft, und öffentliche Archive gehören zum demokratischen Selbstverständnis unseres Staates.

Auch das Stadtarchiv Zürich arbeitet an der Kultur der Erinnerung. Die Archivalien des Stadtarchivs sind sowohl ein kollektives wie auch ein individuelles Gedächtnis der Stadt Zürich und der Menschen, die mit ihr verbunden sind. Die zahlreichen kulturellen, sozialen, politischen, administrativen und privaten Dokumente enthalten eine Unmenge von Informationen über das Leben in der Stadt Zürich.

Um dies zu visualisieren, hat das Stadtarchiv Zürich eine Ausstellung konzipiert: Sie basiert auf der fiktiven Biografie einer Zürcher Stadtbewohnerin, die wir Anna Holzhalb genannt haben. Welche Spuren könnte das Leben dieser Zürcherin im Stadtarchiv Zürich hinterlassen haben? Wie können diese Spuren gezeigt und vermittelt werden?

Wir haben Anna Holzhalbs farbige Lebensgeschichte in das 20. Jahrhundert gelegt; sie kommt 1920 auf die Welt, verbringt ihre Kindheit und Schulzeit im Kreis 4. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet sie bei der Zentralstelle für Kriegswirtschaft, und sie lernt ihren zukünftigen Ehemann, einen deutschen Emigranten, kennen. Nach dem Krieg nimmt sie rege am kulturellen und politischen Leben teil; sei dies am sogenannten „Zürcher Literaturstreit“ oder beim Kampf ums Frauenstimmrecht. Über ihre Tochter kommt sie auch in Kontakt mit der Achtundsechziger Bewegung in Zürich.

Kernstück der Ausstellung sind die einzelnen Lebensstationen: Geburt, Schulzeit, berufliche Laufbahn, Ehe und Mutterschaft, Kulturleben, politische Aktivitäten, Tod. Für jede dieser Stationen haben wir Akten ausgewählt, welche diesen bestimmten Lebensabschnitt illustrieren: für die Geburt beispielsweise einen Geburtsschein, für die Schulzeit Klassenlisten und Schülerausweise, für den Tod die amtlichen Vorschriften für Grabsteine.

Die vorliegende Publikation soll über die Ausstellung hinaus zeigen, wie diese Akten aussehen können und welche Vielfalt an Dokumenten das Stadtarchiv Zürich aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Mit der Aufarbeitung und Benützung solcher Akten entsteht Erinnerung. Während Anna Holzhalbs Leben frei erfunden ist, sind die gezeigten Dokumente authentisch. Mit der Ausstellung und dieser Schrift laden wir Sie ein, sich mit Ihren eigenen Erinnerungen auseinanderzusetzen. Das Stadtarchiv hilft Ihnen dabei. Denn „Erinnerung macht das Leben aus. Ein Leben ohne Erinnerung ist gar kein Leben.” (Luis Buñuel)

Anna Pia Maissen, Stadtarchivarin


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