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Medienmitteilungen
Der Stadtrat von Zürich
29. November 2011
Vier Stossrichtungen in der städtischen Wohnpolitik
Der Stadtrat von Zürich verfolgt in seiner künftigen Wohnpolitik vier Stossrichtungen: Er setzt sich für mehr nicht-gewinnorientierten, genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsbau ein, richtet seine wohnpolitischen Massnahmen prioritär auf spezifische Zielgruppen aus, misst dem nachhaltigen und sozialverträglichen Umgang mit der Bausubstanz hohe Bedeutung zu und intensiviert die Zusammenarbeit und den Dialog mit privaten Bauträgern. Ziel des Stadtrates ist es, dass die sozialpolitische Stabilität und die hohe Lebensqualität gewahrt werden und Zürich eine attraktive Wohnstadt für alle Bevölkerungsschichten bleibt.Die Zürcherinnen und Zürcher haben den wohnpolitischen Grundsatzartikel mit 75,9 Prozent Ja-Stimmen überaus deutlich angenommen. Das klare Resultat ist ein Bekenntnis zur Tradition des gemeinnützigen Wohnungsbaus in Zürich, zur guten sozialen Durchmischung und zur aktiven Rolle der Stadt in diesem Handlungsfeld. Der Stadtrat nimmt diesen Auftrag ernst und verfolgt in seiner künftigen Wohnpolitik vier Stossrichtungen: die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus, die klare Ausrichtung auf spezifische Zielgruppen, den sozialverträglichen und nachhaltigen Umgang mit der Bausubstanz sowie die Zusammenarbeit und den Dialog mit den privaten Akteuren.
Mehr genossenschaftlicher und kommunaler Wohnungsbau
Die Stadt setzt auf den gemeinnützigen Wohnungsbau
mit dem Prinzip der Kostenmiete für breite Bevölkerungskreise. Sie
treibt zu diesem Zweck ihre eigenen, grossen kommunalen
Wohnbauvorhaben aktiv voran, so z. B. die Projekte Rautistrasse,
Kronenwiese, Hornbach und Heinekenareal. Die Stadt hält zudem an
der Strategie fest, Land und Gebäude zu kaufen, um Grundstücke für
den genossenschaftlichen Wohnungsbau abzugeben und um kommunalen
Wohnraum bereitzustellen (Beispiel: Hardturmareal). Zwar fehlen im
Kanton Zürich die Grundlagen für eine teilweise direkte Abschöpfung
von Planungsgewinnen. Im Rahmen der Festlegung von
Sonderbauvorschriften und von Gestaltungsplänen kann aber die Stadt
im Dialog mit den Grundeigentümern darauf hinwirken, dass sie einen
gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, indem sie zur guten
Durchmischung beitragen.
Klare Ausrichtung auf spezifische Zielgruppen
Gemeinnützige Wohnungen sollen in erster Linie
denjenigen Bevölkerungsteilen zur Verfügung stehen, die auf dem
freien Markt kaum Zugang zu Wohnungen haben, die ihren
Möglichkeiten angemessen sind. Dies sind vor allem die unteren
Einkommensschichten und Familien. Der Stadtrat knüpft die Vergabe
von Baurechten deshalb an Belegungsbedingungen (Anzahl Zimmer - 1 =
Mindestbelegung) und formuliert Richtlinien bezüglich Einkommens-
und Vermögenssituation der Mietenden (Beispiel: Tièchestrasse). Mit
den Wohnbaugenossenschaften setzt sich die Stadt für mehr
subventionierte Wohnungen ein. Die Stadt befürwortet die
Wiedereinführung der Möglichkeit für einen Mietzinszuschlag im
subventionierten Wohnungsbau, damit der Mietzins bei wirtschaftlich
verbesserten Verhältnissen angepasst werden kann. Zudem will die
Stadt Kapital für eine operative Stiftung für kostengünstige
Wohnungen bereitstellen, um günstigen und ökologisch hochwertigen
Wohnraum für Personen in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen zu schaffen. Daneben wird die Stadt über ihre gut
etablierten Stiftungen für kinderreiche Familien und
Alterswohnungen sowie über die Stiftung PWG zur Erhaltung von
preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen aktiv bleiben.
Sozialverträglicher und nachhaltiger Umgang mit der
Bausubstanz
Kostentreiber wie etwa zunehmende Flächen- und
Ausstattungswünsche im Wohnungsbau müssen kritisch hinterfragt
werden. An den zentralen Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft
ist festzuhalten. Die Stadt prämiert ab 2012 gelungene Beispiele
für sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Sanierungen mit
einer Auszeichnung. Die Stadt hält wie bis anhin am Grundsatz fest,
in städtischen Liegenschaften keine Zweitwohnungen zu
vermieten.
Zusammenarbeit und Dialog mit Privaten
Private Bauträger leisten einen wichtigen Beitrag
zur Entwicklung Zürichs. Die Stadt strebt die Zusammenarbeit und
den Dialog mit ihnen an und will sie in ihre Wohnpolitik einbinden.
Eine Anlauf- und Beratungsstelle bei der Stiftung PWG soll ab 2012
Mietende bei Kaufverhandlungen mit ihren verkaufswilligen
Vermietenden unterstützen. Vermietende ihrerseits erhalten durch
die kürzlich eingerichtete Anlaufstelle des Sozialdepartements
Unterstützung bei schwierigen Mietverhältnissen. Um den Dialog mit
den Vertreterinnen und Vertretern des privaten und gemeinnützigen
Wohn- und Immobilienbereichs zu institutionalisieren, richtet der
Stadtrat im kommenden Jahr den «Echoraum Wohnen» ein.
Übergeordnete Ziele des Stadtrates
Mit den vier Stossrichtungen in der Wohnungspolitik
verfolgt der Stadtrat das Ziel, dass Zürich eine attraktive
Wohnstadt für alle Bevölkerungsschichten bleibt. Der Stadtrat setzt
sich im Interesse der sozialpolitischen Stabilität und der
Lebensqualität für eine gute soziale Durchmischung in allen
Quartieren ein. Die Zusammenarbeit und der Dialog mit Stiftungen,
Wohnbaugenossenschaften und privaten Bauträgern sind dabei von
zentraler Bedeutung. Nur in Zusammenarbeit mit Partnern ist es dem
Stadtrat möglich, die Vorgaben des wohnpolitischen
Grundsatzartikels zu erfüllen.
Wohnpolitik ist ein mittel- und langfristiges Politikfeld, und
der wohnpolitische Grundsatzartikel nennt als Zeithorizont für
seine Vorgaben das Jahr 2050. Der Stadtrat wird deshalb laufend
weitere wohnpolitische Massnahmen prüfen, unter anderem im Rahmen
der Überarbeitung der wohnpolitischen Handlungsleitlinien von 2009.
Die Stadt wird die Wirkung der getroffenen Massnahmen regelmässig
überprüfen und aufgrund von Kennzahlen steuern, um dem Auftrag der
Stadtzürcher Bevölkerung nachzukommen. Zu konkreten wohnpolitischen
Massnahmen und deren Finanzierung werden sich auch in Zukunft
Gemeinderat und Stimmbevölkerung äussern können. Die
Finanzierungsfragen müssen vertieft geprüft werden.
Thema: Bauen, Wohnen, Politik
Organisationseinheit: Stadtrat

