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Dezember 2010

Persönlich-Kolumne: Hellsehereien

Publikation Tagblatt der Stadt Zürich

Martin Waser, Vorsteher Sozialdepartement

Martin Waser, Vorsteher Sozialdepartement

Was das alte Jahr uns gebracht hat, wissen wir nun. Doch was steht uns 2011 bevor? Die Zeit zwischen Weihnacht und Neujahr regt zum Spekulieren an und lässt überall Horoskope ins Kraut schiessen. Aus dem Stand von Pluto und Uranus werden die unterschiedlichsten Prophezeiungen über das Schicksal der Welt und des interessierten Publikums abgeleitet.

Die Trefferquote der Wahrsagerinnen und Wahrsager ist dabei etwa gleich gut, wie wenn man Lose ziehen oder würfeln würde, um herauszufinden, was passiert – oder wie in der Antike den Vogelflug schauen oder die Eingeweide von Opfertieren interpretieren. Trotzdem ist die Nachfrage nach Prophezeiungen gross: Der Anschein von Berechenbarkeit und Sicherheit gefällt den Leuten.

Natürlich wäre das Leben einfacher, wenn man schon im Voraus wüsste, was passieren wird. Zudem sind wir auch einfach neugierig. Wir würden ja gern sofort erfahren, wer nächstes Jahr welche Wahlen gewinnt, ob Prinz Charles zugunsten Williams auf den Thron verzichtet oder ob Apple Facebook kauft.

Manchmal erfüllen die Freunde der Kristallkugeln auch ein anderes Bedürfnis. Statt Sicherheit zu geben, übertreffen sie sich gegenseitig in der Vorhersagung von Katastrophen: Überschwemmungen und Erdbeben, der Euro bei 50 Rappen, Sarah Palin im Weissen Haus.

Ich für meinen Teil bleibe in meiner Prognose fürs neue Jahr auf der sicheren Seite: Ich prophezeie, dass die Tage im Laufe des ersten Halbjahrs wieder länger und wärmer werden. Das ist zugegebenermassen keine kühne Vorhersage, aber für viel mehr könnte ich leider nicht die Hand ins Feuer halten.

So bleiben schliesslich zwei Erkenntnisse: Erstens: Es wäre praktisch, zu wissen, was nächstes Jahr passiert. Zweitens: Wir sollten uns aber nicht jeden Bären aufbinden lassen.

Martin Waser,
Vorsteher Sozialdepartement


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