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April 2010

Persönlich-Kolumne: Aufgewärmtes

Publikation Tagblatt der Stadt Zürich

Martin Waser, Vorsteher Sozialdepartement

Martin Waser, Vorsteher Sozialdepartement

Manchmal spreche ich im Gespräch mit Freunden ein Thema an, das ich für allgemein bekannt halte, und stosse auf erstaunte Gesichter. Ist Ihnen das auch schon passiert? Eigentlich ist es ja klar, dass in der heutigen Informationsflut niemand den Überblick behalten kann. Nicht einmal die Journalisten, die sie für Sie aufarbeiten sollten – sie vermelden manchmal etwas als sensationelle Neuigkeit, was kalter Kaffee ist. Ich will jetzt aber nicht über die Medien lästern, sondern Ihnen die aktuellen Entwicklungen in der Sozialhilfe vorstellen – oder noch einmal aufwärmen, wir haben sie schon letzte Woche der Öffentlichkeit präsentiert.

Trotz Finanzkrise waren letztes Jahr weniger Leute auf Sozialhilfe angewiesen als im Jahr zuvor. 2008 hatten 5,4 Prozent der Stadtzürcher Bevölkerung mindestens vorübergehend Sozialhilfe erhalten, 2009 waren es noch 5,1 Prozent. Zwar kamen etwas mehr Leute neu in die Sozialhilfe als im Jahr zuvor, doch gleichzeitig konnten deutlich mehr Fälle abgelöst werden. Erfreulich häufig gelang dies bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren und bei Ausländerinnen und Ausländern.

Auch in der Missbrauchsbekämpfung gibt es gute Neuigkeiten. Wir müssen weiterhin genau hinschauen, doch zeigt sich eine gewisse Entspannung: Die durchschnittliche Deliktsumme ist kleiner geworden, und der Verdacht erhärtet sich etwas weniger häufig. Das zeigt: Wer in unserer Stadt unrechtmässig Sozialhilfe zu beziehen versucht, wird mit wirkungsvollen Instrumenten konfrontiert. Insgesamt haben wir letztes Jahr 5,9 Mio. Franken zurückgefordert, das entspricht 2,4 Prozent der Sozialhilfe insgesamt. Umgekehrt heisst das: 97,6 Prozent fliessen ans richtige Ort.

So bleiben schliesslich zwei Erkenntnisse. Erstens: Nicht immer haben die Schwarzmaler recht. Zweitens: Die Blauäugigen aber auch nicht – wir müssen uns auf die Zukunft vorbereiten.

Martin Waser,
Vorsteher Sozialdepartement


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