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September 2010

Persönlich-Kolumne: Wie Identität schaffen?

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

Als Studentin jobbte ich im Labor einer Molkerei. Es handelte sich um die Toni-Molkerei im damaligen Industriequartier. Das Toni-Areal ist jetzt ein Bauplatz für die künftige Hochschule der Künste. Aus dem Industriequartier wird Zürich-West, wo Tausende von Menschen leben, wo man in den Ausgang geht und wo sich eine Kulturmeile entwickelt.

Zürich befindet sich in einer dynamischen Veränderung. Die Identität von ganzen Quartieren erfährt einen Wandel - sowohl in baulicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Wie in Zürich-West. Auf Modellen sind künftige Strukturen bereits auszumachen: Gebäude, Grünflächen, Verkehrsinfrastruktur. In Simulationen fährt bereits das Tram Zürich-West. Das ist die bauliche, technische Seite.

Für die Stadt stellt sich auch die Frage: Wie können wir Quartierbewohnerinnen, Arbeitnehmer oder Studentinnen auf die veränderte Situation vorbereiten? Wie können wir für eine Vielzahl von Menschen gleichsam eine neue Heimat schaffen?

Wichtig ist dabei einmal die Auseinandersetzung mit den künftigen Bedürfnissen des Quartiers. Was braucht die neue «Stadt in der Stadt», damit ein Zusammenleben und Arbeiten mit einer hohen Lebensqualität möglich wird? Für den neuen Park Pfingstweid haben wir ein Mitwirkungsverfahren gewählt. Wir wollten die Vorstellungen der Menschen im Quartier kennenlernen.

Mit dem Projekt «Nagelhaus» hat die Stadt eine Belebung des schwierigen Escher-Wyss-Platzes vorgeschlagen. Ein Kunstwerk mit Restaurant sollte mit seinem eigenwilligen Auftritt Identität schaffen. Die betroffenen Stadtquartiere 4 und 5 stimmten deutlich zu und zeigten, dass sie das ungewöhnliche Haus auf dem gewandelten Escher-Wyss-Platz haben wollten. Nach dem städtischen Nein können wir kein anderes Projekt aus der Schublade zücken. Als Stadträtin werde ich mich dafür einsetzen, dass der Platz auf andere Weise belebt und lebbar wird. Wie das geschehen wird und vor allem wann - das ist noch völlig offen…

Ruth Genner,
Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement


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