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April 2011

Persönlich-Kolumne: Nicht mehr in den Sandkasten…

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

Wer mit Kleinkindern unterwegs ist und an einem Spielplatz vorbeikommt, freut sich über Spielmöglichkeiten. Herumtoben, Rutschbahn fahren, im Sandkasten spielen: Das macht Spass. So war das auch vor 25 Jahren, als meine Kinder noch klein waren. Ich erinnere mich gut, die Frühlingstage waren sonnig und die Menschen zog es nach draussen. Genau wie jetzt.

Im Frühling 1986 änderte sich dies auf einen Schlag. Von einem Tag auf den anderen sollten die Kinder nicht mehr in den Sandkasten. Mit den Frühlingsregen fiel radioaktiv belasteter Staub auf die Erde: überall ins Gras, auf die Felder und auch auf die Spielplätze. Das hatte Konsequenzen. Salat aufzutischen war bedenklich, weil er zum Teil zu verstrahlt war. Meine Kinder konnten nicht verstehen, dass Mama ihnen keine Frischmilch mehr gab. Warum vermischen wir Milchpulver mit Wasser? Für die Kinder gab es für diese Veränderung keine verständliche Erklärung. Die Kühe essen radioaktives Gras - was soll ein Kind mit dieser Erklärung anfangen? Und warum sollten sie nicht mehr in den Sandkasten? Wenn sie dennoch drin waren, musste ich sie gründlich abduschen. Ich erinnere mich sehr gut an diese Einschnitte in den Familienalltag.

In Japan wird das nicht anders sein. Je näher beim Atomkraftwerk, desto grössere Konsequenzen ergeben sich für die Bevölkerung, ganz besonders für Kinder, die am empfindlichsten sind. Unheimlich an der atomaren Strahlung ist, dass sie nicht sichtbar oder spürbar ist. Am meisten Mühe macht mir persönlich die Vorstellung, dass verstrahlte Gelände, Dörfer oder grosse Mengen von atomarem Abfall über Jahrzehnte und Jahrhunderte lebensschädigend sein können. Generationen nach uns werden sich vor dem Müll aus unserer Zeit schützen und mit diesen unerwünschten Spuren des Atomzeitalters klarkommen müssen. Das ist ein wichtiger Grund, so schnell wie möglich erneuerbare Energien auszubauen und Ausstiegspläne für Atomstrom umzusetzen: Ein nicht leichter, aber gangbarer Weg.

Ruth Genner,
Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement


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