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Publikationen & Broschüren
Persönlich-Kolumne: Begegnung
Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich
Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement
Nach über 30 Jahren habe ich in der SeeBrache zufällig einen
Studienkollegen getroffen. Warum kam Titus auf das künftige
Baugelände in Seebach? Zumal er nun auf dem Land wohnte, wie er mir
sagte?
Titus ist mit einem Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich
befreundet. Der Freund hat immer wieder von seiner Arbeit in der
Brache erzählt. Nun wollte Titus sich die Sache einmal ansehen, vor
allem, weil auf dem Stück Experimentierfläche gerade noch ein Fest
war.
So bin ich Titus nach langen Jahren begegnet und habe seine
Frau kennengelernt und eines seiner Kinder. Erstaunlich, er sah
noch fast gleich aus, nur die dunklen Haare sind mit etwas Silber
versetzt. Genauso gefreut wie dieses Wiedersehen hat mich Titus'
Interesse an diesem unkonventionellen Projekt der Stadt Zürich. Das
Gelände in Seebach stand seit Ende 2008 leer, ab Herbst 2010 wird
darauf gebaut. Anstatt das Land ungenutzt brachliegen zu lassen,
wurde es in der Zwischenzeit in einen Garten verwandelt. 20
Familien haben Gemüse und Blumen angepflanzt. Sogar ein Weidehaus
habe ich entdeckt.
Schulklassen haben Kartoffeln gesetzt, gepflegt und geerntet.
Künstlerinnen haben aus den gefundenen Tonscherben Bilder an eine
Hauswand gefügt. Spielhäuser wurden von Jugendlichen gebaut. Auf
der Seebrache wurde vieles möglich. Wer mochte, durfte anpacken und
gestalten.
Das Schönste war, dass auf diesem Gelände so manche Begegnung
stattfand. Menschen, die im selben Quartier wohnen, sich aber kaum
kannten, kamen ins Gespräch, wurden zusammen aktiv. In der
SeeBrache haben sie sich bei der Gartenarbeit gefunden.
Als Stadträtin möchte ich solche Begegnungszonen ermöglichen.
Keine wird wieder so sein wie das Gelände in Seebach. Aber immer
werden wieder Chancen für solche Zwischennutzungen da sein.
Vielleicht auch in Ihrem Quartier.
Ruth Genner,
Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

