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Die 19 Teilstrategien
Die Mobilitätsstrategie wurde in 18 Teilstrategien konkretisiert. Dieses Paket wurde 2010 mit einer 19. Teilstrategie zur Elektromobilität ergänzt. Die Teilstrategien veranschaulichen die Haltung der Stadt zu wichtigen Mobilitätsthemen, geben das Argumentarium zum Reagieren auf aktuelle verkehrspolitische Fragestellungen und zeigen auf, in welchen Bereichen die Stadt aktiv Schwerpunkte setzt. Die Publikation «Das Wichtigste aus 18 Teilstrategien» enthält acht Prinzipien zur verkehrspolitischen Haltung der Stadt Zürich.
Fussverkehr
Die Stadt lebt vom Fussverkehr. Fussgängerinnen und Fussgänger haben grundsätzlich Vorrang. Für ihr Wohlbefinden sind attraktive Strassenräume, direkte Verbindungen, Sauberkeit und gut unterhaltene Wege entscheidend. Die Stadt schliesst deshalb Lücken im Wegnetz und wertet Quartierzentren auf.
Veloverkehr
Den Anteil des Veloverkehrs will die Stadt bis zum Jahr 2010 von 7 auf 12 Prozent steigern. Dafür sorgt ein gut signalisiertes Routennetz. Es entstehen mehr öffentliche Veloparkplätze, rund tausend allein im Raum Hauptbahnhof. Der Velounterricht in der 4. und 5. Klasse wird durch eine praktische Schulung im Quartier ergänzt.
Behinderte, Betagte & Kinder
Viele Menschen haben Mühe im hektischen Verkehrsalltag, namentlich Behinderte, Betagte und Kinder. Der Verkehrsraum muss so gestaltet werden, dass er von allen benutzt werden kann. Deshalb werden Hindernisse im öffentlichen Raum beseitigt, indem die Möblierung beschränkt und Strassenübergänge abgesenkt werden. Begegnungszonen und sichere Schulwege fördern die Bewegungsfreiheit der Kinder. Wo sonst sollen sie die ersten (selbständigen) Gehversuche im öffentlichen (Verkehrs-)raum wagen können? Die Stadt hat eine Internetplattform eingerichtet, auf der Behinderte, Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrende ihre Anliegen und Vorschläge einbringen können.
Kombinierte Mobilität
Mehr kombinierte Mobilität ist ein weiteres Anliegen: Die Verkehrsteilnehmenden sind flexibel und wissen vom ganzen Fächer der Verkehrsmittel Gebrauch zu machen. Je nach Situation nutzen sie das beste. Dafür müssen Zu- und Umsteigeorte gekennzeichnet, sowie Abstellplätze geschaffen werden: für Velos, Carsharing- und Mietfahrzeuge, Reisecars und Taxis. Die Verkehrsteilnehmenden sollen sich unterwegs optimal über die verschiedenen Mobilitätsmöglichkeiten informieren können.
Einkaufs- & Freizeitverkehr
Besonders stark wächst der Einkaufs- und Freizeitverkehr. Deshalb unterstützt die Stadt neue Nachtangebote im öffentlichen Verkehr. Bei Einrichtungen, die ein grosses Verkehrsaufkommen verursachen, prüft sie Dosierungen der Zu- und Wegfahrten mittels Schranken und Zählern (so genannte Fahrtenmodelle) und setzt konsequent eine Parkplatzbewirtschaftung um. Sport und Spass sollen ohne weite Anfahrtswege im Wohnumfeld ausgelebt werden können, zum Beispiel mit der Erstellung von Mountainbikestrecken und Skateranlagen.
Wirtschafts- & Güterverkehr
Der zunehmende Wirtschafts- und Güterverkehr soll effizienter und möglichst umweltschonend abgewickelt werden. Die Stadt macht deshalb stärker auf die Regeln aufmerksam, die für Lieferfahrten namentlich in der Altstadt gelten, und fördert gemeinsam bewirtschaftete Zufahrten und Ladebereiche. Bei ihren Nutzfahrzeugen bevorzugt die Stadt emissionsarme Typen und wirkt durch gezielte Schulung der Chauffeure auf einen schonenden Fahrstil hin. Lastwagen, die regelmässig Baustellen beliefern, sind mit Partikelfiltern auszurüsten. Der Zugang zum Schienennetz wird ergänzt, und das Cargo-Tram kommt häufiger zum Einsatz.
Parkierung
Rund 270’000 Autoabstellplätze gibt es in der Stadt Zürich, drei Viertel davon auf Privatgrund. Die öffentlich zugänglichen Parkplätze will die Stadt eher reduzieren und unterirdisch ersetzen, in der Innenstadt durch Cityrand-Parkhäuser. Auf Privatgrund sollen überdimensionierte Parkierungsanlagen verkleinert und die Vorschriften für die Erstellung von Pflichtparkplätzen gelockert werden. Mehr Gemeinschaftsgaragen und Carsharing-Parkplätze sind willkommen.
Stadtautobahnen & neue Hauptstrassen
Stadtautobahnen und neue Hauptstrassen können den Verkehr kanalisieren und ihn von den Siedlungsgebieten fernhalten. Die Stadt unterstützt solche Projekte und stellt mit flankierenden und betrieblichen Massnahmen sicher, dass die Quartiere auch wirklich entlastet werden. Im Vordergrund stehen die verlängerte Aubruggstrasse (neu: Glattparkstrasse) zur Erschliessung des Entwicklungsgebietes Leutschenbach, der Waidhaldetunnel zur Entlastung von Wipkingen, die Uetlibergtangente zur Erschliessung der Binz und der Umbau der Pfingstweidstrasse wegen der Bautätigkeit in Zürich West. An der Schwamendinger Stadtautobahn und an der A1 zwischen Stadtgrenze und Autobahn ist der Immissionsschutz dringend.
Hauptstrassen
Die Hauptstrassen werden vermehrt auch den Ansprüchen des Fuss- und des Veloverkehrs gerecht. Koexistenz ist das Ziel. Lärm und Schadstoffe müssen abnehmen, Energie- und Platzverbrauch vermindert und Nutzungen, die nicht dem Verkehr dienen, erleichtert werden. Dafür arbeitet die Stadt ein Konzept aus und prüft Versuchsanordnungen. Gestalterische Massnahmen senken ferner die Geschwindigkeiten.
Quartierstrassen
Mit verschiedenen Massnahmen und neuen Planungsinstrumenten steigert die Stadt die Aufenthalts- und Wohnqualität entlang der Quartierstrassen. Dank zusätzlicher Zonen kommt Tempo 30 in der ganzen Stadt zur Geltung. Es werden Begegnungszonen eingerichtet und Aussenräume aufgewertet, mit Bäumen etwa, Bänken und Brunnen. Den Velofahrenden werden weitere Einbahnstrassen sowie Sackgassen geöffnet.
Gestaltung öffentlicher Verkehrsräume
Mit einer klaren und eleganten Gestaltung öffentlicher Verkehrsräume trägt die Stadt zum Wohlbefinden aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer bei. Wenige sich wiederholende Identitätsmerkmale geben den verschiedenen Strassen- und Siedlungstypen ein unverwechselbares Gepräge. Für dieses Gestaltungskonzept werden Grundlagen, Umsetzungsregeln und Arbeitshilfsmittel entwickelt.
Die Teilstrategie «Gestaltung öffentlicher Verkehrsräume» wurde von der Strategie für die Gestaltung von Zürichs öffentlichem Raum «Stadträume 2010» abgelöst (StRB 503/2006).
Zentrumsgebiete
Die Zentrumsgebiete, allen voran die Fussgängerbereiche City, Oerlikon und Altstetten, werden attraktiver, sicherer, sauberer und besser erreichbar. Die Anlieferung und Entsorgung für das Gewerbe muss gut funktionieren und sollte gleichzeitig möglichst wenig stören. Es wird ein Massnahmenplan für die Aufwertung von Hauptstrassenräumen in Quartierzentren erarbeitet. Der öffentliche Raum wird zurückhaltend möbliert, angemessen beleuchtet, begrünt und so gestaltet, dass er eine Identität erhält.
Entwicklungsgebiete
Die städtischen Entwicklungsgebiete bieten Raum für 25’000 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner bis zum Jahr 2025 sowie für 60’000 neue Arbeitsplätze. Das wird mehr Verkehr geben. Dieser ist zu kanalisieren und möglichst weit gehend per Tram, Bus, Velo und zu Fuss zu bewältigen. In Zürich West werden die neue Tramlinie vom Escher Wyss-Platz zum Bahnhof Altstetten vorangetrieben und die Zugänge zum Bahnhof Hardbrücke verbessert, und im Gebiet Letzi wird die Tramlinie 1 in der Hohlstrasse geplant. In Zürich Nord setzt man auf die Stadtbahn Glatttal und eine neue Tramlinie nach Affoltern.
Öffentlicher Verkehr
Der öffentliche Verkehr ist die beliebteste städtische Dienstleistung und das Rückgrat der Mobilität auf Stadtgebiet. Er wird noch benutzerfreundlicher: durch schrittweise Ergänzungen des Netzes, störungsfreien und pünktlichen Fahrbetrieb, durch einladende, sichere, auch für Behinderte leichtzugängliche Haltestellen und eine moderne Fahrgastinformation. Mit gezielten Marktauftritten und innovativen Angeboten erweitern die Verkehrsbetriebe den Kundenkreis fortlaufend (Nachtbusse, Bonus-Karte usw.).
Mobilitätsberatung
Wie kann ich im Verkehr zügiger vorankommen, die Mobilitätsangebote besser nutzen? Das Wissen um diese Möglichkeiten erhöht sich durch eine institutionelle Mobilitätsberatung. Die Stadt initiiert sie und bringt dieselbe gemeinsam mit Kanton, Mobilitätsunternehmen, Verbänden und Interessengemeinschaften zum Erfolg. Die Mobilitätsberatung umfasst folgende Dienstleistungen: Internetplattform, Mobilcorner an wichtigen Orten der Stadt, «Mobiltelefon», Beratung von Betrieben, Kampagnen sowie Angebote für Schulen, Vereine und Jugendorganisationen.
Verkehrsmanagement & -telematik
Weil das Verkehrssystem an der Kapazitätsgrenze angelangt ist, sorgen Verkehrsmanagement und Verkehrstelematik für mehr Effizienz und Flexibilität: mit Dosierungen des Individualverkehrs, elektronischen Anzeigen, Parkleitsystemen, Parkplatzbuchungen via Internet, der Förderung von Fahr- und Fahrzeuggemeinschaften sowie mit Betriebskonzepten für Grossanlässe. Die Stadt fördert aktiv die Erarbeitung von Rechtsgrundlagen für Fahrtenmodelle, Zutrittsysteme und weitere Lenkungsmassnahmen (zum Beispiel Road Pricing).
Kantonale & regionale Zusammenarbeit
Gleichzeitig fördert die Stadt die kantonale und regionale Zusammenarbeit in der Verkehrspolitik. Vereinbarungen über Projekte und Strategien werden abgeschlossen, Kooperationsprozesse optimiert und systematisiert. Die Stadt strebt eine Agglomerationsplattform an, damit sich Stadt, Kanton und Umlandgemeinden besser gegenseitig informieren können.
Finanzierungsinstrumente
Das alles kostet Geld. Auf schätzungsweise 450 Millionen Franken belaufen sich in den nächsten 20 Jahren die Hauptprojekte der neuen Mobilitätsstrategie (der Anteil der Stadt beträgt 160 Millionen Franken). Dafür und weil die Mittel knapp sind, müssen die Finanzierungsinstrumente verbessert, die Geldquellen bei Bund und Kanton ausgeschöpft und Tarifanpassungen geprüft werden. Dabei wird auch an neue Strassenbenützungsgebühren und an eine vermehrte Zusammenarbeit mit Privaten gedacht.
Elektromobilität (2010 neu)
In jüngster Vergangenheit häufen sich Ankündigungen von viel versprechenden Fahrzeugkonzepten. Allein, deren Markteinführung wird nicht einfach sein, wie Erfahrungen in der Vergangenheit gezeigt haben. Die Politik ist gefragt, zusammen mit den Partnern aus der Industrie, namentlich den Fahrzeugherstellern und Elektrizitätsversorgern, günstige Rahmenbedingungen zu bieten.
Hybridautos und E-Bikes haben sich in den letzten Jahren auf dem Schweizer Markt etabliert. Als nächste Fahrzeugsegmente können E-Scooters und Plug-in-Fahrzeuge erwartet werden. Der breite Marktdurchbruch von Elektroautos dürfte hingegen erst später erfolgen.

