Navigation - Triemlispital – herzlich willkommen




Zur Geschichte des Allergiebegriffs

Seite vorlesen

Wie kam es anfangs des letzten Jahrhunderts zum Begriff Allergie? Der Fachbeitrag erläutert anhand einer Moulage die Geburtsstunde der Allergologie.


Moulage

Bild vergrössern

Moulage des Arms von Prof. Pirquet (links: Stunden nach Vakzinierung, rechts: Tage nach Vakzinierung). Die Moulage (farbiger Wachsabguss) befindet sich im Besitz des Dermatologischen Ambulatoriums.

Der Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet (1874-1929) prägte den Begriff Allergie vor über 100 Jahren. Das Konzept der Allergie war das Resultat von Forschungen im Bereich von Impfung und Serumkrankheit. Pirquet waren bei wiederholter Impfung schneller auftretende und stärkere Reaktionen an der Injektionsstelle aufgefallen. Für diese „hypererge Frühreaktion“ prägte Pirquet den Begriff Allergie aus dem griechischen „allos“ = anders und „ergein“ = reagieren.

Zur Dokumentation der gesteigerten Reaktion impfte sich Pirquet im Selbstversuch während 5 Tagen wiederholt mit Kuhpocken und liess das Resultat am 27. Juli 1905 durch Dr. Carl Henning (1860-1917) in einer Moulage festhalten. Diese Moulage von Pirquets volarem Vorderarm zeigt 12 Stunden nach der Impfung eine Quaddel mit Erythem, eine Nekrose nach 48 Stunden, sowie eine langsame Abheilung bis zum 5. Tag.

Die Moulage wurde auch als Fotografie in Pirquets Buch "Klinische Studien über Vakzination und vakzinale Allergie" von 1907 und weiteren zeitgenössischen Lehrbüchern abgebildet, womit die Bedeutung des Versuchs zur damaligen Zeit weiter betont wird.

Eine Kopie der Moulage wurde zu Unterrichtszwecken von Professor Max Tièche (1878-1938) in Zürich verwendet (siehe auch Geschichte der städtischen Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten).

Tièche, der einige Pockenepidemien als Arzt miterlebt hatte, suchte nach einem schnelleren Verfahren um mitigierte Pocken und Varizellen voneinander abzugrenzen. Eine Möglichkeit hierzu schien in der von Pirquet beschriebenen kutanen Frühreaktion zu liegen. Durch Inokulation von Pockenmaterial konnte Tièche, der geimpft war, bei sich selbst eine kutane Reaktion auslösen, während eine solche bei Varizellen nicht nachweisbar war.

Die Kopie der Moulage, die sich noch heute im Besitz des Dermatologischen Ambulatoriums befindet  ist von Carl Hennings Sohn Theodor signiert und stammt aus dem Moulage-Atelier, das er 1920 in Wien gründete.

Heute stellt die Moulage ein eindrucksvolles Zeitzeugnis der Forschung während der Geburtsstunde der Allergologie dar.


Fachbeitrag und Posterpräsentation am World Allergy Congress München, 2005. S. Borelli (Dermatologisches Ambulatorium Stadtspital Triemli), M. Geiges (Dermatologische Klinik Unispital Zürich), B. Wüthrich (Spital Zollikerberg), St. Lautenschlager, Dermatologisches Ambulatorium Stadtspital Triemli.



Weitere Informationen

Kontakt

Dermatologisches Ambulatorium

Herman-Greulich-Strasse 70
8004 Zürich

Telefon +41 44 298 89 00

Ein externes Ambulatorium des Stadtspitals Triemli.