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Sonnenschutz ja, aber wie?

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Schützende Kleidung und Hüte sowie Vermeiden der Sonneneinstrahlung sind noch immer der beste Weg, sich vor Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung zu schützen. Dies geht aus einer Literaturanalyse von über fünfhundert wissenschaftlichen Artikeln hervor. Ein internationales Team und Prof. Dr. Stephan Lautenschlager hat die Studie unternommen. Die Wissenschaftszeitschrift 'The Lancet' hat den Bericht 2007 publiziert. Wir haben uns mit Chefarzt Prof. Stephan Lautenschlager zum Thema Sonnenschutz unterhalten.


Die Sommerferien sind vorbei. Wieviel sonnenverbrannte Haut ist Ihnen als Hautarzt aufgefallen?

Tatsächlich gibt es am Strand immer noch Sonnenhungrige mit krebsroter, sich schuppender Haut. Leider auch Kinder. Mein Eindruck ist jedoch generell, dass ein Umdenken stattfindet. Die Massnahmen zum  Sonnenschutz werden konsequenter ergriffen. Zunehmend wird "the dark side of the sun", die Schattenseite der Sonne, erkannt. Am Strand sind Urlauber mit textilem Sonnenschutz und T-Shirt, keine absolute Rarität mehr. Fehlverhalten gibt es noch häufig in Bezug auf die korrekte Durchführung der Sonnenschutzmassnahmen zu beobachten, insbesondere bei der Verwendung von Sonnenschutz‑Präparaten.


Was genau haben Sie rund um Lichtschutz, Sonnenschutz und Photoprotection untersucht?

Stark sonnenverbrannter Rücken

Ausgeprägte Sonnenbrände in der Jugend begünstigen die Entwicklung von Hautkrebs, Pigmentstörungen und vorzeitige Hautalterung.

Gemeinsam mit einem amerikanischen und einem dänischen Experten sind wir in der Studie der Bedeutung, Wirksamkeit und Machbarkeit unterschiedlicher Sonnenschutzmassnahmen nachgegangen, beispielsweise den Fragen: Wie gut schützt der Schatten von Sonnenschirmen? Wie gut ist der Schutz von Textilien und Sonnencrèmes auf der Haut? Kann Hautkrebs mit konsequenter Verwendung von Sonnencrème verhindert werden? Sind Sonnencrèmes bedenkenlos?

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 90 Prozent der sogenannt weissen Hautkrebs‑Formen, also der Basalzell- und Plattenepithelkarzinome, und 65 Prozent der schwarzen Hautkrebserkrankungen, der besonders gefährlichen malignen Melanome, durch die Sonne induziert werden. Daneben ist die Sonne verantwortlich für diverse Lichtdermatosen, im Volksmund Sonnenallergien genannt, für unregelmässige Pigmentierungen und – weitgehend – für die frühzeitige Hautalterung.


Gesichtspartie mit Lichtschaden.

Die Haut vergisst nicht: Beispiel einer sonneninduzierten vorzeitigen Hautalterung mit Lichtschaden.

Aufgrund der Literaturanalyse und der aktuellen Datenlage ergab sich ein Gesamtbild, das die Prioritäten beim Sonnenschutz anders setzt: Das Vermeiden einer Sonnenexposition und textiler Sonnenschutz zeigen bezüglich der Krebsprävention die beste Wirksamkeit. In unserer Freizeit‑ und Outdoor‑Gesellschaft, die dem Trend einer gesunden, vitalen Bräune nachlebt – haben diese eher untrendigen Präventionsmassnahmen einen schweren Stand. Die Sonnencrèmes dagegen haben eine hohe Akzeptanz erhalten. Sie dürfen jedoch nicht als Freipass für unbegrenztes Sonnenbaden verstanden werden.


Sonnencrèmes werden der Studie zufolge häufig falsch eingesetzt.

stark geröteter Rücken

Sonnenbrand bei unvollständiger Applikation der Sonnencrème.

Die Menge des aufgetragenen Präparates hat sich als wichtigster Faktor für die Wirksamkeit erwiesen. Generell wird zu wenig Sonnencrème aufgetragen. Um den theoretischen Schutz des angegebenen LSF, des Lichtschutzfaktors, zu erreichen, sollten 2 Milligramm pro Quadratzentimeter angewendet werden. dies entspricht bei einem durchschnittlich grossen Erwachsen etwa 20 bis 30 Gramm für den ganzen Körper – also mehr als eine gute Handvoll. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass alle exponierten Hautstellen gleichmässig eingerieben werden. Bei organischen Filtern muss die Sonnenschutzcrème 15 bis 30 Minuten vor Sonnenexposition aufgetragen werden. Wichtig ist auch: Der Wirkungsverlust infolge Wasserexposition, Abfrottieren oder Schwitzen erfordert ein erneutes Anwenden des Präparats.


Sie unterscheiden in der Studie zwischen organischen und nicht‑organischen Sonnenschutzfiltern und zwischen UVA‑ und UVB‑Filter. Wann ist welche Sonnenschutzcrème am besten?

Heutzutage sollten nur noch Sonnenschutzmittel verwendet werden, die sowohl einen Schutz im kürzerwelligen UVB‑Bereich als auch im längerwelligen UVA‑Bereich bieten. Wichtig zu wissen ist, dass sich der Lichtschutzfaktor ausschliesslich auf den Schutz im UVB‑Bereich bezieht. Schwieriger und weniger standardisiert ist die Beurteilung des UVA‑Schutzes. Hier sollte als Minimalanforderung der so genannte Australische Standard erfüllt sein. Organische Filter – früher als chemische bezeichnet– müssen in die oberste Hautschicht eindringen, um die UV‑absorbierende Wirkung zu entfalten. Inorganische Filter – früher als physikalische bezeichnet – wirken reflektierend auf der Haut und sind speziell für Kinder oder bei allergischen Reaktionen auf organische Filter geeignet. Kosmetisch sind sie, wegen dem weisslichen Film auf der Haut, etwas weniger befriedigend.


Können Melanome, als die gefährlichste aller Hautkrebsarten, mit Sonnenschutz vermieden werden?

Aus der Literatur und unserer Arbeit im Ambulatorium ist ersichtlich, dass hellhäutige Menschen und Menschen mit schweren und zahlreichen Sonnenbränden in der Jugend viel häufiger an einem Melanom erkranken. Folglich spielt die Sonne bei der Entstehung der meisten Melanome eine entscheidende Rolle. In unseren Recherchen weltweit haben wir auch Hinweise gefunden, dass Sonnenschutz durch Kleidung eine präventive Wirkung haben kann. Dagegen fanden wir keine absoluten Hinweise, dass Sonnenschutz‑Crèmes beim Melanom präventiv wirksam sein können – im Unterschied zu Präkanzerosen und Plattenepithelkarzinomen, wo dies wiederum belegt ist. Dies könnte jedoch durch eine bisher fehlerhafte oder inkonsequente Anwendung oder durch Verwenden falscher Präparate – alleiniger UVB-Schutz zum Beispiel – mitbedingt sein. Die Frage muss in grösseren Studien geklärt werden. Dies wird jedoch Jahre bis Jahrzehnte dauern. Die beste Prävention ist nach wie vor, Sonnenbrände und Aufenthalte an praller Sonne möglichst zu vermeiden. Das weit verbreitete Vertrauen auf den Sonnenschutzfaktor allein gilt es zu relativieren.
 


Es fällt auf, dass immer mehr Menschen über Sonnenempfindlichkeit klagen. Was hat sich in den Sonnenstrahlen verändert, dass sie immer aggressiver werden?

Ozon, das sich vor allem in der Stratosphäre zwischen 10 und 50 Kilometern oberhalb der Erdoberfläche befindet, absorbiert vollständig UVC, grosse Mengen von UVB und wenig UVA. Eine Verringerung der Ozonschicht, wie sie jährlich seit den Siebziger-Jahren vor allem in der südlichen Hemisphäre zu beobachten war, führt folglich zu einer verminderten Absorption von insbesondere UVB. In Studien wurde berechnet, dass eine einprozentige Verminderung der Ozon‑Schicht eine ein‑ bis zweiprozentige Steigerung der Melanom‑Mortalität zur Folge hat. Die Ozon‑Schicht scheint sich glücklicherweise in den letzten Jahren stabilisiert zu haben.


* Lancet-Publikation 2007

Photoprotection: Stephan Lautenschlager, Hans Christian Wulf, Mark R Pittelkow
Online: May 3; DOI:10.1016/50140‑6736(07)60638‑2
Printausgabe: August 11 (The Lancet 2007; 370:528-37)
(
http://www.thelancet.com/)



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