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Alterungsprozessen auf der Spur
Kardiologe Dr. David J. Kurz,Träger des Vontobel-Preises für Altersforschung.
Mit seiner Forschungsarbeit stützt David Kurz die Hypothese, dass Mechanismen der biologischen Zellalterung (Telomermechanismus) am Entstehen der degenerativen Aortenklappenverengung (Aortenstenose) beteiligt sein könnten. Verengungen der Aortaklappen gehören zu den typischen altersbedingten Kreislauferkrankungen. In der Schweiz sind sie der häufigste Grund für eine Herzklappenoperation. Die Vontobel-Stiftung ehrt David Kurz für die gelungene Verbindung von gerontologischer Grundlagenforschung und klinischer Fragestellung. Wir haben den Preisträger kurz befragt.
Herzliche Gratulation zu Ihrer Auszeichnung.Wie ist es zum Forschungsprojekt gekommen? Gab es Leitmotive, Orientierungspunkte?
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Von der Zelle zum Telomer: Vergrösserungen Schritt für Schritt
Am Anfang stand die Frage, wieso bestimmte Erkrankungen desKreislaufsystems mit zunehmendem Alter stark gehäuft auftreten. Ein Phänomen, das allgemein bekannt ist. Wir neigen dazu, es einfach hinzunehmen, ohne zu hinterfragen, wieso es so geschieht. Andere Organe sind durchaus in der Lage, ihre Funktion das ganze Leben hindurch unbeschadet aufrecht zu halten. Zu Beginn des Projekts betrieben wir rein zellbiologische Forschung. Erst als sich die Hinweise auch aus anderen Forschungslaboratorien häuften, dass solche zellbiologischen Prozesse beim Entstehen von bestimmten Herz- und Gefässkrankheiten eine Rolle spielen könnten, wagten wir uns daran, unsere Vermutungen an Patienten zu untersuchen.
Wie lassen sich solche Forschungsprojekte finanzieren?
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Chromosomensatz eines Zellkerns: Die rot markierten Telomerspitzen sind auf den blauen Chromosomen sichtbar (Fluoreszenz-Mikroskopie).
Wesentlich war, dass unser Projekt vom Nationalfonds und von der Schweizerischen Herzstiftung unterstützt wurde. Nur dank dieser finanziellen Unterstützung konnten wir das Projekt durchführen. Wir sind diesen Institutionen zu grossem Dank verpflichtet. Ohne sie wäre wissenschaftliche Forschung, die auch im internationalen Forschungswettbewerb Stand hält, kaum möglich.
Vor dem Vontobel-Preis sind Sie bereits 2004 mit dem "Cardio-Vascular-Biology-Prize" der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichnet worden. Es sind somit die zweiten Lorbeeren, die Sie erhalten. Wie geht es weiter?
Forschungsprojekte wie das unsrige sind meist längere Fortsetzungsgeschichten: Man gewinnt neue Erkenntnisse. Und schon tauchen wieder neue Fragen auf. Es ist auch eine gute Portion Glück dabei. Nicht alle Forschungsansätze führen zu den Antworten, die man sich wünscht. Dass sich mit den Ergebnissen auch Preise gewinnen lassen, überrascht einen selbst am meisten.
Unsere Arbeit zeigt fürs Erste nur, dass es eine Assoziation zwischen kürzeren Telomeren und der Aortenklappenstenose gibt. Es fehlt noch der Beweis, dass ein ursächlicher Zusammenhang vorliegt. Die Frage ist, ob wir die Telomerverkürzung, die im Verlauf des Lebens kontinuierlich fortschreitet und zum Verlust der Regenerationsfähigkeit führt, aufhalten können. Oder wollen. Im Labor ist dies möglich. Das Problem ist, dass der Prozess der Telomerverkürzung auch seine guten Seiten hat. Er schützt uns vor der Entstehung von Krebs. Im Moment ist die Pharmaindustrie eher daran interessiert, Wirkstoffe zu entwickeln, die die Telomerverlängerung blockieren, um Krebspatienten zu behandeln. Krebszellen haben nämlich die Eigenschaften erworben, die Zellalterungsbarriere der Telomerverkürzung zu umgehen. Damit können sie sich ungehemmt im Körper vermehren.
Die Hypothese unserer Studie war, dass Patienten, die im höheren Alter diese Störung entwickeln, kürzere Telomere haben müssten als vergleichbare Patienten ohne Aortenstenose. Die Analyse der Telomerlängen ist technisch sehr aufwendig. Wir mussten zuerst eine Methode entwickeln, die es uns erlaubt, diese Bestimmung bei einer grossen Anzahl von Proben zuverlässig durchzuführen. Insgesamt war die Durchführung der Studie ein langer Weg. Die Idee dazu kam mir erstmals 2001. Bis die Ergebnisse veröffentlicht wurden, dauerte es fünf Jahre.
Sie sind zu achtzig Prozent am Triemlispital als Arzt und Facharzt tätig. Zu zwanzig Prozent arbeiten Sie als Leiter einer Forschungsgruppe am Institut für Physiologie der Universität Zürich. Sie pendeln sozusagen zwischen patientennaher Tätigkeit und Grundlagenforschung im Labor. Wie bewältigen Sie diesen Spagat?
Wichtig war die Unterstützung meiner Kollegen innerhalb der Kardiologie im Triemlispital, die einen solchen Spagat immer akzeptierten. Forschen ist heute ausgesprochene Teamarbeit. Im Alleingang ist kaum noch etwas möglich. Ich arbeite mit dem Kardiologie- und Forschungsteam von Professor Lüscher am Unispital Zürich zusammen. Auch die Forschungskollegen des Instituts für medizinische Genetik haben einen grossen Beitrag zu den Studienergebnissen geleistet. Ich selber habe Medizin in Zürich studiert. 1997 habe ich den Facharzt für Innere Medizin gemacht. 2001 folgte der Facharzt für Kardiologie. Vertiefte Kenntnisse der Zell- und Molekularbiologie konnte ich mir während meines zweijährigen Fellowships am University College in London aneignen. Von 1999 bis 2000 erhielt ich dafür ein Stipendium vom Schweizerischen Nationalfonds. Ohne diese Erfahrung wäre meine aktuelle Forschungstätigkeit nicht möglich gewesen.
Besten Dank fürs Interview. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team weiterhin gute und entdeckungsreiche Forschungsarbeit.
Weiterführende Links
- Mit dem Vontobelpreis ausgezeichnete Originalarbeit:
- Arteriosclerosis, Thrombosis and Vascular Biology 2006; 26:e114
Übersichtsarbeit zum Thema:

