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Anorexie (Magersucht), Bulimie und komplexe, gemischte Essstörungen
Wir bieten Abklärung und Behandlung (stationär, teilstationär) von jugendlichen PatientInnen mit Essstörungen an, die aufgrund ihres klinischen Zustands eine intensive Behandlung benötigen oder denen ein bisheriges ambulantes Setting nicht genügt und welche eine Intensivierung der Behandlung wünschen.
Unsere Klinik ist seit 1990 in der Behandlung essgestörter Jugendlicher engagiert. Wir bieten eine ganzheitliche, multimodale und mindestens dreimonatige Behandlung an, welche zwei Behandlungsphasen – bestehend aus stationärem Aufenthalt und Tagesklinik - beinhaltet und sowohl auf eine Gewichtsnormalisierung als auch einen kontinuierlichen Zuwachs an Kompetenz und Eigenverantwortung im Umgang mit der Essstörung zielt.
Unser Programm richtet sich an männliche und weibliche Jugendliche bis zum Alter von 19 Jahren.
Behandlungsangebot
In einer ersten Phase, welche auf vier Wochen ausgerichtet ist, werden die Jugendlichen stationär behandelt und verbringen je nach körperlicher und psychischer Verfassung die Wochenenden zuhause.
Im Anschluss treten die Jugendlichen in einer zweiten Phase, die mindestens zwei Monate dauert und nach Bedarf verlängert werden kann, in die Tagesklinik über. In diese Zeit fällt auch die teilweise Wiederaufnahme der schulischen/beruflichen Tätigkeit. Je nach körperlicher und psychischer Verfassung der Jugendlichen sind bis maximal vier Halbtage resp. zwei ganze Tage externe Tätigkeit möglich.
Nach Beendigung unseres teilstationären Programms treten die Jugendlichen aus und werden ambulant weiterbehandelt. Die ambulante Weiterbehandlung, welche einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung leistet, kann durch externe Therapeuten oder nach Absprache durch unsere Fachleute erfolgen.
Behandlungskonzept
Unser Behandlungskonzept stützt sich auf nach heutigem Kenntnisstand anerkannte Vorgehensweisen und das verfügbare Fachwissen. Es wird entsprechend dem wissenschaftlichen Fortschritt und den vorhandenen fachlichen Ressourcen regelmässig weiterentwickelt.
Die Behandlung erfolgt nach einem bio-psycho-sozialen Ansatz und zielt auf:
- physische Stabilisierung, Gewichtsnormalisierung
- psychische Stabilisierung und Entwicklung
- Reintegration in ein soziales Umfeld und Ausbildungssystem
Die Therapie der Essstörungen erfolgt multimodal und beinhaltet:
- Milieutherapie in der therapeutischen Wohngruppe (sechs Behandlungsplätze) unter Einbezug verhaltenstherapeutischer Konzepte
- Einzelpsychotherapie (psychoanalytisch und systemisch)
- Familientherapie
- Elternberatung
- Psychoedukation
- Diverse Gruppentherapien
- Physiotherapie (Einzel und Gruppe)
- Ergotherapie
- Arztgespräche
- Ernährungsberatung für Jugendliche und ihre Familien
- Beratung und Unterstützung durch die Spitalpädagogin
Behandlungsteam
Die Behandlung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team mit Vertretern aus den Bereichen Medizin, Psychotherapie, Pflege, Ernährungsberatung, Ergotherapie, Physiotherapie und Spitalpädagogik, welche in einem intensiven Austausch stehen und den Behandlungsprozess systematisch reflektieren. Zum Behandlungsteam gehören auch Chefarzt und Kaderärzte.
Alle Beteiligten verfügen über langjährige therapeutische Erfahrung in der Behandlung von Essstörungen und bilden sich in diesem Spezialgebiet laufend weiter. Die Qualität unserer Arbeit wird durch regelmässige Supervisionen und fachspezifische Intervisionen zusätzlich gewährleistet.
Therapieziele
Wir erarbeiten mit jeder Patientin, jedem Patienten im Rahmen von persönlichen Vereinbarungen individuelle, ressourcenorientierte Therapieziele, die sich an unserem bio-psycho-sozialen Behandlungskonzept orientieren und die wir regelmässig überprüfen.
Die Behandlungsziele werden stets situationsangemessen definiert und berücksichtigen das Potenzial sowie Interessen der Patienten und ihrer Angehörigen.
Gemeinsam mit den Eltern und Jugendlichen streben wir die Wiederaufnahme einer gesunden jungendlichen Entwicklung mit den wichtigen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz und die konstruktive Auseinandersetzung mit der Körper-Seele-Thematik an.
Medizinisch
- Somatische Stabilisierung (Kreislauf, Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Elektrolyte u.a.)
- Erreichen eines Gewichts im gesunden Bereich
- Gewichtsstabilisierung
Psychotherapeutisch
- Entwicklung einer Motivation, sich zunehmend gegen die Einflussnahme der Krankheit zu wehren, im Interesse der Wiederaufnahme einer altersentsprechenden bio-psycho-sozialen Entwicklung
- Entwicklung/Förderung des Introspektionsvermögenens und damit
- Wissen um individuelle psychosoziale Risikofaktoren und Ressourcen
- Einsicht, dass die Erkrankung ein selbstdestruktiver Regulierungsversuch von Unsicherheiten, Ängsten und Selbstwertproblemen ist
- Erhöhung der Konfliktfähigkeit
- Bereitschaft zu einer mutigen konstruktiven Auseinandersetzug mit dem Körper-Seele-Erleben
Verhaltensebene
- Zunehmend selbständiger Umgang mit Mahlzeiten, auch ausserhalb des stationären und teilstationären Settings
- Erreichen eines gesunden Bewegungsverhaltens im Alltag
- Unterbrechen destruktiv-zwanghafter Verhaltensmuster rund um Essen und Gewicht
Soziale Entwicklungsebene
- soziale Kompetenz: Positionierung/Integration in die Peergroup
- Stabilisierung des familiären und sozialen Umfeldes
- schrittweise Wiederaufnahme eines gesunden Lernverhaltens (Schule/Lehre)
Gewicht
Es wird ein individuell angepasstes Gesundheitsgewicht formuliert. Dieses Gewicht soll während der Tagesklinik oder, bei entsprechenden Voraussetzungen, im Rahmen der ambulanten Weiterbehandlung erreicht werden.
Gefordert wird während der stationären und teilstationären Behandlung eine Gewichtszunahme von mindestens 500g pro Woche. Der Gewichtsverlauf wird regelmässig erhoben und dokumentiert. Bei ungünstigem Verlauf werden Massnahmen besprochen. Je nach Situation kann vorübergehend Sondenernährung notwendig werden. Solche Massnahmen werden vorbesprochen und in Verträgen schriftlich festgehalten.
Therapiephasen
Therapiedauer
Unser Konzept ist auf vier Wochen stationäre Behandlung und im Anschluss daran mindestens zwei Monate Tagesklinik ausgerichtet.
Nach der Grundbehandlung von insgesamt drei Monaten kann die Behandlung, den individuellen Anforderungen entsprechend, verlängert werden, bis die Zielvereinbarungen erreicht sind. Diese sind den individuellen Entwicklungsbedürfnissen angepasst, werden schriftlich festgehalten und sind verbindlich.
Stationärer Aufenthalt
Die stationäre Behandlung dauert vier Wochen. Ab der zweiten Woche sind je nach physischer und psychischer Verfassung Wochenenden zuhause möglich. Jugendliche und ihre Familien üben dabei schrittweise wieder mehr Verantwortung und Kompetenz im Umgang mit der Essstörung.
Ziele des stationären Aufenthalts
- somatische Stabilisierung
- bei Untergewicht: kontinuierliche Gewichtszunahme, soweit nötig durch Sondenernährung
- Entwicklung von Toleranz der Jugendlichen bezüglich ausreichender Ernährung und Gewichtszunahme
- Entwickeln eines tragfähigen Umfeldes und Bereitschaft, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen
Tagesklinik
Voraussetzung für die tagesklinische Behandlung ist ein somatisch stabiler Zustand. Zudem müssen einzelne Mahlzeiten zuhause oder ausserhalb des Spitals eingenommen werden können. Auch sollen die Jugendlichen ihr Bewegungsverhalten ausreichend kontrollieren können.
Therapiesetting
Die Wohngruppe
Der Aufbau und die Erhaltung von hilfreichen und tragfähigen Beziehungen besitzen im Rahmen von Behandlungen von Essstörungen einen zentralen Stellenwert. Dieser milieutherapeutische Ansatz in der therapeutischen Wohngruppe (mit sechs Behandlungsplätzen) ermöglicht eine enge Begleitung der Jugendlichen durch zwei erfahrene Pflegefachfrauen als kontinuierlich zur Verfügung stehende Bezugspersonen. Sie begleiten die Jugendlichen bei den Mahlzeiten und unterstützen die Jugendlichen vielseitig in ihrem Alltag.
Die Milieutherapie fördert zudem den Austausch und die für den Gesundungsprozess sehr wichtige gegenseitige Unterstützung durch die Jugendlichen.
Die therapeutische Wohngruppe ist in der Abteilung U der Klinik für Kinder und Jugendliche im Stadtspital Triemli integriert. Es gibt täglich Zeiten für Besuche durch Familie und Freunde.
Gruppentherapie
Die Jugendlichen setzen sich in verschiedenen Gruppengesprächen mit elementaren Entwicklungsfragen auseinander und können dort unter fachkundiger Anleitung konstruktive Auseinandersetzungen mit anderen Jugendlichen erlernen.
Zusammenarbeit
Zusammenarbeit mit den Eltern und dem sozialen Umfeld
Wir streben eine vertrauensvolle, an realistischen Zielen und Lösungen orientierte Zusammenarbeit mit den Sorgeberechtigen, Einweisern und dem übrigen Umfeld der Patienten an. Wenn erforderlich, erfolgt die Behandlung in Abstimmung und
Kooperation mit anderen Fachstellen.
Es finden regelmässig Familiengespräche und Standortgespräche mit den Eltern statt.
Zusammenarbeit mit Schule und Ausbildungssstätte
Grossen Stellenwert in unserer Behandlung erhält die Zusammenarbeit mit Schule und/oder Ausbildungsstätte der Jugendlichen, um die schrittweise Wiederaufnahme der schulischen/beruflichen Tätigkeit während der Tagesklinik und der Zeit nach der (teil-) stationären Behandlung gut vorzubereiten. Unterstützt werden Jugendliche und ihre Familien auf Wunsch durch unsere Spitalpädagogin.
Anmeldung, Zuweisung
Die Überweisung zu uns erfolgt in der Regel durch niedergelassene Ärzte, andere ambulante oder stationäre medizinische Einrichtungen (mitunter angeregt durch andere Stellen des psychosozialen Netzes). Jugendliche und ihre Eltern können sich auch direkt bei uns melden.
Aufnahmeverfahren
Im Rahmen von Vorgesprächen mit Jugendlichem und Eltern sowie weiteren medizinischen und therapeutischen Untersuchungen und Vorabklärungen wird die Indikation für eine stationäre Behandlung geklärt.
Notfall
In selteneren Fällen erfolgt die Hospitalisation notfallmässig, wenn der Allgemeinzustand sich rasch verschlechtert oder lebenswichtige Organfunktionen deutlich vermindert sind. Im Notfall stehen medizinisch-körperliche Massnahmen fürs Erste im Zentrum der Behandlung, bevor das weitere Procedere mit Jugendlichen und ihren Familien sorgfältig geprüft wird.

