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Erkrankungen der Speiseröhre (Oesophagus)

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Speiseröhre - grosse Darstellung in neuem Fenster

Verlauf der Speiseröhre vom Kehlkopf bis zum Magen.

Die Speiseröhre nimmt ihren Anfang unterhalb des Kehlkopfes und läuft nahezu gerade auf das Zwerchfell zu (leicht links vor der Wirbelsäule). Sie ist hinter dem Herzen und der Luftröhre gelagert. Nach dem Durchtritt durch das Zwerchfell geht die Speiseröhre in den Magen über.

Die muskuläre Wand der Speiseröhre ist sehr kräftig und mehrschichtig, so dass die Speiseröhre im Normalfall den Inhalt auch gegen die Schwerkraft bewegen kann.

Im unteren Anteil ist die Speiseröhre durch eine Zone mit leicht erhöhtem Druck vor der zurücklaufenden Magensäure geschützt.


Divertikel der Speiseröhre

An Stellen mit schwächer angelegter Muskulatur kann sich bei entsprechender Veranlagung und durch lokale Überbelastung mit der Zeit die Wand der Speiseröhre derartig ausweiten, dass eine Aussackung entsteht. Diese Ausbuchtung wird als Divertikel bezeichnet.

Divertikel entstehen in der Speiseröhre hauptsächlich unterhalb des Rachens nach Abgang der Luftröhre. Häufig verursacht ein Divertikel der Patientin, dem Patienten lange Zeit keine Beschwerden oder der Grund für die Beschwerden wird anderweitig gesucht. Die Patienten, Patientinnen beklagen ein Klossgefühl und bekunden Mühe beim Schlucken. Hat das Divertikel eine gewisse Grösse überschritten, können sich auch Speiseanteile darin verfangen und später zum Erbrechen führen.

Die chirurgische Therapie des Speiseröhrendivertikels besteht darin, dieses über einen kurzen Schnitt an der linken Halsseite aufzusuchen und abzutragen. Es handelt sich hierbei um einen wenig belastenden Eingriff, für den die Patientin, der Patient während 2-3 Tagen im Spital bleibt. Die Haut im Bereich des Halses zeigt in aller Regel eine sehr gute Narbenbildung, so dass die Narbe nach abgeschlossener Wundheilung kaum mehr sichtbar sein wird.

In ausgewählten Fällen kann ein Divertikel der Speiseröhre auch einmal direkt durch den Mundraum mit einem Klammergerät abgetragen werden.


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Rückfluss von Magensaft (Reflux)

Ein sehr häufiges Krankheitsbild ergibt sich aus dem Rückfluss von Magensaft und insbesondere Magensäure in die Speiseröhre, was zu Sodbrennen, aber auch einem Druck- und Schmerzgefühl hinter dem Brustbein führt und je nach Situation mit einem Herzinfarkt verwechselt werden kann.

Der Rückfluss von Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, so beispielsweise durch einen Zwerchfellbruch, Übergewicht, das zur Erhöhung des Druckes im Bauchraum führt und andere. Da die Magensäure eine sehr aggressive Zusammensetzung hat und die Schleimhaut in der Speiseröhre angreift, muss diese Erkrankung unbedingt behandelt werden, nicht zuletzt, weil sich über die Zeit durch den chronischen Reiz und die Schädigung der Schleimhaut durch die Magensäure auch bösartige Tumoren ausbilden können. Zum einen wird dieser Reflux hauptsächlich medikamentös durch die Blockierung der Magensäureproduktion behandelt, es kann hier aber auch chirurgisch eingegriffen werden:

Der bauchige Anteil des Magens unter dem Zwerchfell wird wie eine Manschette um den untersten Teil der Speiseröhre geschlagen und festgenäht, was zu einer mechanischen Erhöhung des Druckes in diesem Bereich führt und damit den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verhindert. Liegt zugleich noch eine Erweiterung der Zwerchfelllücke für die Speiseröhre vor, so dass ein mehr oder weniger grosser Anteil des Magens gegen die Brusthöhle hoch rutschen kann, kann die Wirkung der Magenmanschette durch die Einengung der Zwerchfelllücke und eventuell die Einlage eines Netzes zur Verstärkung der Zwerchfelllücke eingelegt werden.


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Bösartige Tumorerkrankungen (Speiseröhrenkrebs)

Bösartige Tumoren der Speiseröhre nehmen in der westlichen Welt an Häufigkeit rasch zu. Die Risikofaktoren liegen in unserem Lebensstil, so neigen starke Raucher, aber auch Patientinnen, Patienten mit regelmässigem Alkoholkonsum oder einer Vorliebe für stark gewürzte Speisen zur Erkrankung an einem bösartigen Tumor der Speiseröhre. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung eines bösartigen Tumors ist der Säurerückfluss aus dem Magen, der über eine chronische Schädigung der Schleimhaut schliesslich zur bösartigen Entartung Anlass geben kann.

An Beschwerden beklagt der Patient, die Patientin Schluckbeschwerden und immer wiederkehrendes Verschlucken. Nicht selten hat der Tumor bis zu diesem Zeitpunkt schon eine beträchtliche Grösse erreicht, da die Speiseröhre aufgrund ihrer Dehnbarkeit eine Einengung recht lange kompensieren kann.


Abklärung und Untersuchungen

Für die Abklärung ist eine ganze Reihe von Untersuchungen notwendig: Neben einer Computertomographie von Brustkorb und Bauchraum benötigen wir Zellproben aus dem Tumor, um seinen genauen Typ feststellen zu können. Im Weiteren kann durch eine Ultraschalluntersuchung direkt in der Speiseröhre die Eindringtiefe des Tumors festgestellt und nach allfälligen tumorverdächtigen Lymphknoten gesucht werden.

Auch bei dieser Tumorerkrankung ist das Zusammentragen der Befunde und die interdisziplinäre Besprechung für das Festlegen des Therapieablaufes unabdingbar (interdisziplinäres Tumorboard). Je nach Lokalisation, Grösse des Tumors, seiner Eindringtiefe und dem Vorliegen von tumorverdächtigen Lymphknoten kann vor der operativen Therapie eine vorbereitende Strahlen- und Chemotherapie notwendig sein, um die Möglichkeit zu verbessern, den Tumor radikal, das heisst ohne Rückstände, chirurgisch entfernen zu können.


Wahl der chirurgischen Strategie

Die Art und Weise der chirurgischen Strategie richtet sich nach der Lokalisation des Tumors:

  • Liegt der Tumor im Übergangsbereich von Speiseröhre zu Magen, kann die vollständige Entfernung manchmal über einen Eingriff von der Bauchhöhle her erfolgen.
  • Bei allen höher gelegenen Lokalisationen des Tumors muss im Interesse der vollständigen Entfernung des Tumors und der zugehörigen Lymphknoten die Speiseröhre von der Brusthöhle her entfernt werden.

Zur Wiederherstellung der Kontinuität wird aus dem Magen ein Schlauch gebildet und dieser aus der Bauchhöhle in den Brustkorb hochgezogen und mit der gesunden Speiseröhre verbunden. Es handelt sich hierbei um einen Zweihöhleneingriff, der einer grossen körperlichen Belastung entspricht, so dass vor der Operation alles darangesetzt werden muss, die Ernährungs- und Abwehrsituation zu optimieren, damit die Patientin, der Patient den komplikationsträchtigen Eingriff möglichst gut tolerieren kann.


Nach dem chirurgischen Eingriff

Nach der Operation erfolgt die Überwachung während der ersten Tage auf der Intensivstation, da Komplikationen im Bereich der Nahtstelle zwischen dem Magenschlauch und der verbliebenen Speiseröhre ein rasches und entschlossenes Handeln erfordern. Entzündungen im Bereich der Brusthöhle und im das Herz umgebenden Lymph- und Fettgewebe sind äusserst gefährlich und müssen rasch kontrolliert werden. Der Eingriff ist umso komplikationenbehafteter, da die Patientinnen, Patienten in der Regel in ihrer Nahrungsaufnahme eingeschränkt waren und ihre Reserven schon vor der Operation aufgebraucht haben, umso mehr wenn der Operation eine Strahlen- und Chemotherapie vorausgehen muss.

Um die Nahtstelle zwischen Magenschlauch und Speiseröhre zu entlasten darf die Patientin, der Patient während der ersten 5 Tage nach der Operation keine Speisen zu sich nehmen, die Ernährung erfolgt auf künstlichem Weg, um trotzdem genügend Kalorien und Baustoffe zuführen zu können. Nach 5 Tagen wird unter Röntgendurchleuchtung die Dichtigkeit der Naht zwischen Magenschlauch und Speiseröhre überprüft. Ist diese sichergestellt, kann vorsichtig und behutsam mit dem Essen begonnen werden.

Ob allenfalls eine Folgetherapie notwendig ist, wird erneut interdisziplinär nach der abschliessenden mikroskopischen Auswertung beurteilt; auch dieser Entscheid wird an die individuelle Situation der Patientin, des Patienten angepasst.

Bei komplikationslosem Verlauf nach der Operation ist in aller Regel ein Spitalaufenthalt von ca. 3 Wochen notwendig, bis die Patientin, der Patient sich vom Eingriff so gut erholt hat, dass sie oder er den Heimweg nach Hause oder, je nach Situation, in einen Rehabilitationsaufenthalt antreten kann.

An länger andauernden Änderungen der Lebensgewohnheiten ist die Aufnahme von zahlreichen, kleinen Mahlzeiten, die über den Tag verteilt werden notwendig, da das Fassungsvermögen des Magens durch den Eingriff sehr viel kleiner geworden ist. Zudem sollte jeweils mit hochgelagertem Oberkörper gegessen werden, da es ansonsten zum Rückfluss der Magensäure und des Mageninhaltes kommen kann.


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Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie

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