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Musiktherapie
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Musiktherapie in der Akutgeriatrie
Neue Klänge – neue Töne
Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten in der Klinik für Akutgeriatrie haben Probleme mit der Orientierung oder ihrem Gedächtnis; rund ein Drittel von ihnen zeigen eine traurige oder ängstliche Stimmungslage, viele sind depressiv. Sowohl diese kognitiven Probleme wie auch depressive Symptome belasten unsere Patientinnen ausserordentlich und gehören bekannterweise zu den schlimmsten rehabilitations-hemmenden Faktoren: sie verzögern die Entlassung nach Hause und verlängern damit wesentlich den Spitalaufenthalt.
Könnte Musiktherapie unseren Patientinnen und Patienten helfen?
Musiktherapie ist keine neue Erfindung
Bereits vor über 4000 Jahren wurde Musik, eingebettet in ein Heilritual, zur Behandlung von kranken Menschen eingesetzt. Im Mittelalter (500 bis ca. 1500 n.Chr.) war Musik fester Bestandteil der medizinischen Behandlung und gehörte als Fach zum Medizinstudium. Auch später, im Zeitalter der Renaissance, wurden Geistes- und Gemütskrankheiten mit „Arztmusik“ geheilt.
Im 19. Jahrhundert verlor die Musik ihren Bezug zum klassisch-medizinischen Bereich und wurde nur noch vereinzelt in Psychiatrie-Kliniken eingesetzt.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg erlebte die Musiktherapie wieder einen starken Aufschwung, sei es in einer heilpädagogischen, psychotherapeutischen, medizinischen oder antroposophischen Orientierung.
Jedermann, der je schon an einem Konzert war, Musik hörte oder selber Musik machte, weiss, dass Musik eine Wirkung auf den Gemütszustand oder die Stimmungslage haben kann. Gerade in der Geriatrie wird Musiktherapie heute zunehmend eingesetzt als Hilfe in der Behandlung der häufigsten psychischen und psychiatrischen Erkrankungen – Depressionen und Demenz.
Musiktherapie ist z.B. depressiven Menschen eine Hilfe einen Kontakt mit ihrer Umwelt zu knüpfen, der nicht nur über die Sprache führt. Auch dürfte Musik helfen, Zugang zum eigenen Gefühlsleben zu finden, Erinnerungen, Assoziationen und Eigenaktivitäten fördern. Musiktherapie kann auch helfen, Sprachlosigkeit und Ausdruckshemmung als Folge psychischer Erkrankung oder seelischer Krise zu überwinden.
Bei dementen Menschen kann Musiktherapie verschüttete Erinnerungen und damit das Gedächtnis aktivieren und den betroffenen Menschen helfen, an eigene Ressourcen anzuknüpfen. Prägende musikalische Erfahrungen in der Jugend erweisen sich oft als sehr resistent gegen das Vergessen!
In palliativen Situationen kann durch Klang und Musik Stress-Empfinden reduziert und Schmerzen gelindert werden.
Nicht zuletzt dürfte Musiktherapie auch für psychisch gesunde Patientinnen und Patienten eine Stütze, Bereicherung und Hilfe im doch oft belasteten Spital-Alltag sein.
Solche positiven Erfahrungen mit Musiktherapie haben uns bewogen, einen Versuch in unserer Klinik zu starten.
Wir möchten Erfahrungen sammeln, ob und wie sich Musiktherapie bei unseren PatientInnen im Spitalumfeld einsetzen lässt und welche Patientinnen und Patienten am meisten davon profitieren. Wir werden den Pilotversuch entsprechend auswerten. Das Projekt wird von dritter Seite finanziert und verursacht damit dem Spital keine Kosten – nur Gewinn.
Wir konnten die erfahrene Musiktherapeutin Antoinette Niggli gewinnen, ab Ende Mai während rund eines halben Jahres einen Tag pro Woche in unserer Klinik tätig zu sein:
Frau Niggli ist ehemalige Pflegefachfrau und somit vertraut, mit SpitalpatientInnen umzugehen. Sie wurde zur klinischen Musiktherapeutin ausgebildet an der europäischen Akademie für psychosoziale Gesundheit, Fritz Perls Institut (EAG-FP) und ist Mitglied der Schweiz. Fachgesellschaft für Musiktherapie. Frau Niggli arbeitet als Musiktherapeutin in eigener Praxis in Bern und dort unter anderem auch in der Palliativstation einer Privatklinik.
Das Projekt Musiktherapie wurde und wird durch folgende Firmen/Organisationen ermöglicht und in grosszügiger Weise unterstützt:
- Altana Pharma AG, Kreuzlingen
- AstraZeneca AG, Zug
- Hohner-Sonor AG, Bolligen
- KaderärztInnen, Klinik für Akutgeriatrie
- Merz Pharma Schweiz AG, Allschwil
- Stiftung Frei-Bett Tièche, Zürich
- Yello (Dieter Meier, Boris Blank) PFD-Stiftung, Zürich

