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Waidforum
Publikumsvortrags-Serie Waidforum
Seit Jahren präsentieren wir regelmässig Fachreferate zu verschiedenen medizinischen Themen mit unseren Fachärzt/innen und dem Pflegepersonal für eine breite Öffentlichkeit. Inklusive Apéro und Zeit für Zuschauer/innen-Fragen und Antworten der Referent/innen.
Ohne Anmeldung: Jeweils von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr, rund fünfmal pro Jahr, im Kongressforum mit bis zu 200 Plätzen.
Nächster Vortrag:
13. Juni 2012, 18 - 20 Uhr:
"Wenn der Magen brennt"
Thema: Narkose, 25. Januar 2012
Dr. med. Peter Lauber (Chefarzt, Institut für Anästhesiologie), Dr. med. Pascale Ablinger (Leitende Ärztin, Institut für Anästhesiologie) und Ernst Egli (Leitender Pflegefachmann HF Anästhesie)
3 Fragen aus dem Publikum, 3 Antworten unserer Ärztinnen und Ärzte:
1.
Frage: Welche Unterschiede bestehen zwischen dem „normalen“ Schlaf und dem Narkoseschlaf?
Antwort: Während im normalen Schlaf die Atmung und sogenannte Schutzreflexe, z.B. Husten-, Schluck- und Würgereflexe im Einsatz sind, sind all diese Funktionen in der Narkose unterdrückt. Das bedeutet, dass Patienten in einer Vollnarkose künstlich beatmet werden und dass verschiedene Vorsichtsmassnahmen ergriffen werden müssen, um zu verhindern, dass dabei Mageninhalt in die Luftröhre gerät.
2.
Frage: Kann Erbrechen nach der Narkose verhindert oder gemildert werden?
Antwort: Ja. Wenn wir aus dem Vorgespräch schon wissen, dass jemand mit Erbrechen auf Vornarkosen reagiert hat oder z.B. empfindlich für Reisekrankheit ist, dann verabreichen wir zu Narkosebeginn schon ein Medikament zur Prophylaxe. Es gibt verschiedene Anti-Brechmittel, die bei Bedarf auch kombiniert werden können. Hiermit gelingt es zwar nicht immer aber doch häufig, Übelkeit und Erbrechen zu unterdrücken.
3.
Frage: Wie werden Narkosemittel abgebaut und wie lange dauert dies?
Antwort: Da gibt es verschiedene Wege. Am einfachsten ist es bei Narkosegasen: diese werden in Gasform unverändert wieder ausgeatmet. Intravenöse Narkosemittel werden teilweise über die Leber abgebaut und mit dem Stuhl ausgeschieden, andere über die Nieren mit dem Urin. Viele moderne Medikamente zerfallen schon nach kurzer Zeit im Blut und werden so sehr rasch unwirksam. Die unwirksamen Abbauprodukte werden dann ebenfalls über Leber oder Niere ausgeschieden.
Die Wirkdauer ist sowohl vom einzelnen Medikament als auch vom einzelnen Patienten abhängig. Je nach Konstitution können diese Zeiten variieren zwischen wenigen Minuten bis über einen Tag. Autofahren und wichtige Verträge abschliessen darf man jedenfalls frühestens erst am Folgetag wieder.
Thema: Osteoporose, 30. November 2011
Prof. Heike Bischoff-Ferrari, DrPH (Leiterin Zentrum Alter und Mobilität, Universität Zürich und Stadtspital Waid), Karin Blum (dipl. Ernährungsberaterin HF, Stadtspital Waid)
3 Fragen aus dem Publikum, 3 Antworten unserer Ärztinnen und Ärzte:
1.
Frage: Kann man zuviel Vitamin D essen?
Antwort: Ja, aber das müsste schon sehr viel sein. Die sichere obere Einnahmegrenze ist 4000 Einheiten Vitamin D am Tag, wobei so viel selten gebraucht wird. Für die Vorbeugung von Stürzen und Knochenbrüchen empfehlen wir 800 Einheiten am Tag. 800 Einheiten Vitamin D am Tag ist eine sichere Einnahme-Empfehlung, die Lebenslang ab dem 60-igsten Lebensjahr gilt.
2.
Frage: Welche Sportarten empfehlen Sie?
Antwort: Wichtig für die Knochen ist, dass man sich bewegt. Laufen ist bereits eine sehr gute Bewegungsstrategie. Wer täglich 30 Minuten geht, kann sein Hüftbruchrisiko bis zu 40% senken. Täglich gesichert mehrmals für 10 Sekunden auf einem Bein stehen ist gut für die Knochendichte an der Hüfte und stärkt die Rumpfmuskulatur. Wer dann noch zusätzlich Sport macht, sollte eine Sportart wählen, die die Bewegungskoordination fördert und Gewicht auf das Skelett bringt: sehr gut sind hier Tanzen, Nordic Walking, Golf oder Gymnastik. Treppensteigen ist auch eine wunderbare sportliche Aktivität, die den Knochen und die Beinmuskulatur stärkt.
3.
Frage: Ist Osteoporose genetisch bedingt?
Antwort: Ja, es ist tatsächlich so, dass etwa 70-80% unserer Knochendichte genetisch vorbestimmt sind. Das heisst aber nicht, dass Ernährung und Bewegung keinen wesentlichen Beitrag leisten. Genetik können wir nicht ändern -- wenn wir uns bewegen, gesund essen (Kalzium und proteinreich) und ein Vitamin D Supplement einnehmen, können wir unsere Knochengesundheit trotzdem verbessern.
Thema: Blasenschwäche, 21. September 2011
Dr. med. Daniel Passweg (Chefarzt-Stellvertreter Frauenklinik, Stadtspital Triemli), Dr. med. Elisabeth Angst-Wagen (Oberärztin Klinik für Akutgeriatrie, Stadtspital Waid) und Inge Langhäuser (Physiotherapeutin, Stadtspital Waid)
3 Fragen aus dem Publikum, 3 Antworten unserer Ärztinnen und Ärzte:
1.
Frage: Wie viel Mal Wasserlösen ist normal?
Antwort: Die Anzahl an Toilettengängen zum Wasserlösen ist sicher abhängig von der Trinkmenge. Bis 7 Miktionen (Wasserlösen) tagsüber und 1 Mal nachts ist normal.
2.
Frage: Beckenbodentraining wie oft/wie lange?
Antwort: Unter physiotherapeutischer Anleitung, am besten in Einzeltherapie wird das Beckenbodentraining erlernt und geübt (6-9 Sitzungen). Daran wird aber ein Leben lang im Alltag integriert geübt.
3.
Frage: Was bringt eine Operation bei Blasenschwäche und wie gut ist der Erfolg?
Antwort: Bei reiner Belastungsinkontinenz kann mit einer Heilung in bis zu 90 % der Fälle gerechnet werden. Bei der Reizblase (überaktive Blase) besteht keine Operationsindikation.
Thema: Schulter, 18. Mai 2011
Dr. med. Patrick Grüninger (Leitender Arzt Unfallchirurgie), Dr. med. Mathias Völlink (Oberarzt Chirurgische Klinik) und Sandra Schaer (Teamleitung Physiotherapie Chirurgie):
4 Fragen aus dem Publikum, 4 Antworten unserer Ärztinnen und Ärzte:
1.
Frage: Benötigt ein 1cm langer Riss im Supraspinatus nach einem leichten Skiunfall eine Operation? Nachtschmerz + Arm hinten nicht anhebbar. Alter 51-65 Jahre des Fragenstellers.
Antwort: Es kann ein konservatives Vorgehen (ohne Operation) mit Physiotherapie gewählt werden, sofern die Schmerzen unter der Therapie weggehen, und falls der Kraftverlust nicht bemerkt wird und/oder nicht stört. Wenn die Symptome bleiben, die Qualität des Muskels ordentlich ist und das Operationsrisiko (Nebenerkrankungen) nicht hoch ist, sollte ein operatives Vorgehen gewählt werden. Bei hohem sportlichen Anspruch und/oder Schwer- Überkopfarbeiter eher direkt operatives Vorgehen.
2.
Frage: Schulterluxation am : 2 Sehnen gerissen, 2 angerissen, OP würde heikel mit unsicherem Erfolg, OP bei ungenügendem Therapieerfolg u/o starken Schmerzen. Soll ich die Schulterbandage tragen um einer weiteren Schädigung vorzubeugen? Alter 66-75 Jahre des Fragenstellers.
Antwort: Luxation (Schulterverrenkung) mit einer grossen Rotatorenmanschettenverletzung, mehr als 2 Sehnen, wie hier erwähnt, hat ohne OP keine allzu gute Prognose. Der Erfolg der OP hängt aber massgeblich von der Qualität der Muskeln und Zurückziehung der Sehnen ab. Die Schulter kann und soll nicht für immer ruhiggestellt werden. Mehr als 3 Wochen sollte die Schulter nicht bandagiert werden.
3.
Frage: Ist das MRI entscheidend über die Operationstechnik: arthroskopisch oder grosse offene OP?
Antwort: Über die OP-Technik muss der entsprechende Operateur entscheiden. Grundsätzlich können alle gängigen Rotatorenmanschentten OPs offen oder arthroskopisch durchgeführt werden. Entscheidend ist die Erfahrung und Präferenz des Chirurgen/Orthopäden. Die Resultate in den grösseren Studien sind zu vergleichen, ohne dass offen oder arthroskopisch deutliche Vorteile bringen würden. Die Tendenz geht jedoch eher zur arthroskopischen OP hin.
4.
Frage: Gibt es künstliche Sehnen zum Ersatz?
Antwort: Bis jetzt gibt es keine künstlichen Sehnen auf dem Markt. Es gibt jedoch biotechnologisch hergestellte Patches (Lappen) die auf operierte Rotatorenmanschetten genäht werden und die Sehnenheilung positiv beeinflussen können, nicht reparable Defekte können mit diesen Patches NICHT überbrückt werden.
Thema: Künstliches Koma, 9. Februar 2011
PD. Dr. Manuel Fischler (Chefarzt der Medizinischen Klinik), Dr. med. Christian Giambarba, Leitender Arzt (Leiter Intensivstation ) und Hilke Johannsen (Pflegeleitung Intensivstation):
3 Fragen aus dem Publikum, 3 Antworten unserer Ärztinnen und Ärzte:
1.
Frage: Wann wurde die Intensivstation des Waidspitals gegründet? Was ist der Vorteil einer interdisziplinären Intensivstation?
Antwort: Unsere Intensivstation besteht seit über 30 Jahren. 1994 erfolgte der Umzug in die aktuellen modernen Räumlichkeiten und es erfolgte die Erweiterung auf acht Betten. In den letzten Jahren haben wir die technische Ausrüstung erweitert und auf den schweizweit neuesten Stand gebracht. Während sich spezialisierte Intensivstationen auf die Therapie bestimmter Krankheitsbilder (z.B. Verbrennungen, Unfälle) oder einzelner Organe (z.B. Gehirn, Herz) konzentrieren behandeln wir auf unserer interdisziplinären Intensivstation Patienten mit allen erdenklichen Krankheiten oder mit Krankheiten welche mehrere Organe betreffen. Somit sind wir ausgebildet und geübt unsere Patienten ganzheitlich zu verstehen, zu betreuen und zu therapieren.
2.
Frage: Was ist ein künstliches Koma und warum wird es angewendet?
Antwort: Koma kommt vom griechischen und heisst „tiefer, fester Schlaf“. Im Koma besteht eine komplette Reaktionslosigkeit, eine Nichtansprechbarkeit und die Augen sind geschlossen. Das künstliche Koma ist eine Langzeitnarkose, welche durch Medikamente (Schmerz- und Schlafmittel) künstlich erzeugt wird. Dabei muss die Atmung mit Hilfe eines Beatmungsgerätes sichergestellt werden (künstliche Beatmung) und alle wichtigen Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Ausscheidungen rund um die Uhr überwacht werden. Das künstliche Koma wird IdR nach einem schweren Unfall oder bei lebensbedrohlichen Erkrankungen eingesetzt um den Organismus zu entlasten und den Kranken wirksamer behandeln zu können. Da das künstliche Koma gewöhnlich weniger tief als eine normale Narkose eingestellt ist bekommt der Patient fast immer etwas von der Umgebung mit. Deshalb gehen Ärzte und Pflege so mit ihm um, als sei er bei vollem Bewusstsein. Das künstliche Koma kann Stunden bis Monate unterhalten werden und jederzeit wieder beendet werden. Dabei werden die Schlafmedikamente langsam reduziert und der Patient wacht nach einigen Stunden bis Tage wieder auf.
3.
Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem echten Koma und einem künstlichen Koma?
Antwort: Das echte Koma ist keine Krankheit sondern ein Symptom infolge einer schweren vorübergehenden oder dauerhaften Störung der Hirnfunktion. Der Verlauf des komatösen Patienten ist von der zugrunde liegenden Erkrankung abhängig. Dabei werden primäre Gehirnerkrankungen (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnhautentzündung, epileptischer Anfall) von Stoffwechselstörungen (Zuckerstörungen- Unter/Überzuckerung, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Nieren- und Leberschädigung) als Auslöser des Koma unterschieden. Beim echten Koma muss der Patient ebenfalls künstlich beatmet und die Körperfunktionen überwacht werden. Bis ein Patient wieder aus dem Koma aufwacht kann es Tage bis Jahre dauern und hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab.

