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Stadträtin Claudia Nielsen
Vorsteherin des Gesundheits- und Umweltdepartements
Als Stadträtin präge ich die Gesundheits-, Alters- und Umweltpolitik der Stadt Zürich. Ich setze mich für eine hohe Lebensqualität in Zürich ein, konkret:
Für einen sparsamen und respektvollen Umgang mit unserer Umwelt: Die 2000-Watt-Gesellschaft soll Realität werden.
Für eine optimale Gesundheitsversorgung und Pflege, die allen zugute kommt.
Für vielfältige und gute Wohn- und Unterstützungsangebote für ältere Menschen.
Mir ist wichtig, dass die Stadt Zürich hochstehende Leistungen für ihre Bevölkerung erbringt. Dafür setzen sich in meinem Gesundheits- und Umweltdepartement Tag für Tag rund 6700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.
24 Stunden, 7 Tage pro Woche
11. November 2011
Heute beschäftigte mich ein brisantes politisches Thema: "Arbeitsmarkt Privathaushalt. Betagtenbetreuung durch Migrantinnen". An dieser Tagung der Fachstelle für Gleichstellung, die ich eröffnen durfte, ging es um den Trend, dass immer mehr Frauen, vorwiegend aus Osteuropa, als günstige Arbeitskräfte bei der Betreuung von alten, oft pflegebedürftigen Menschen bei ihnen zuhause eingesetzt werden.
Tatsache ist: die überwiegende Mehrheit der alten Menschen möchte in ihrer gewohnten Umgebung alt werden. Tatsache ist aber auch, dass eine Mehrheit irgendwann auf Unterstützung, Hilfe und Pflege angewiesen sein wird. Auch ist es legal, Menschen aus der EU im eigenen Haushalt zu beschäftigen. Eigentlich wäre also die Eigeninitiative zu loben, sich eine Betagtenbetreuung durch Migrantinnen zu organisieren - es kann eine sinnvolle Lösung sein, sowohl für die alten Menschen, wie auch zur Entlastung von Angehörigen, Nachbarn und weiteren Bezugspersonen.
Wenn es so einfach wäre, dann wäre die heutige Tagung nicht nötig gewesen. Es gibt nämlich ein gewichtiges "Aber": Wenn ich auf den einschlägigen Internetseiten lese, dass die ausländische Arbeitskraft 24 Stunden 7 Tage die Woche zur Verfügung steht, dann stehen mir die Haare zu Berge. Auch darf man die Augen nicht verschliessen vor den Alltags-Problemen in solchen Betreuungssituationen: Da gibt es Sprach- und Verständigungsprobleme oder kulturelle Missverständnisse zwischen Betreuerin und Betreuten, da müssen anspruchsvolle PatientInnen, z.B. mit Demenz, gepflegt werden, und zwar ohne entsprechende Ausbildung und rund um die Uhr. Das kann in eine massive Überforderung münden.
Es ist wichtig, genau hinzuschauen beim Thema Betagtenbetreuung durch Migrantinnen. Aus Sicht der Gleichstellung, aber auch aus Sicht der Gesundheitspolitik, des Arbeitsrechtes und der Ökonomie.
80 Jahre voller Leben
Juni 2011
Jedes Jahr im Juni lädt die Pro Senectute die 80-Jährigen zu einer Geburtstagsfeier ein. Ich durfte die Feiernden mit Jahrgang 1931 im Namen des Stadtrates begrüssen. Die über 800 zufriedenen Gesichter im Saal zeigten mir, dass es schön sein kann, alt zu werden.
Seit 1931 hat sich vieles verändert – und manches kann man sich heute kaum mehr vorstellen: dass die Schweizer Frauen bis 1971 nichts in der Politik zu sagen hatten oder dass es noch keine Sozialversicherungen gab. 1931 hiess es daher für viele Menschen: Einmal arm, immer arm und das erst recht im Alter.
Damals arbeitete man so lange es ging oder verbrachte die alten Tage bei Angehörigen. Für Leute ohne finanzielle Mittel und ohne Angehörige blieb nur der Gang ins Armenhaus. Was für ein Unterschied zu heute! Enorme Fortschritte in der Gesundheitsversorgung, wirtschaftliches Wohlergehen und ein starker Sozialstaat sorgen dafür, dass die Menschen heute sowohl älter werden, länger gesund bleiben als auch frei von materiellen Nöten entscheiden können, ob sie ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden oder gut betreut in einem Heim verbringen wollen. Für diese Freiheit setze ich mich gerne ein – sie ist wichtig für Menschen mit 80 Jahren voller Leben.
„Eröffnung Gripspfad“ vom 30. Mai 2011
31. Mai 2011
Bestimmt haben Sie schon einmal einen Wecker oder eine Schraube in der Hand gehalten. Aber haben Sie auch schon einmal einen „Wecker“ oder eine „Schraube“ gemacht? Ich auch nicht – bis am letzten Montag. Da durfte ich den ersten Gripspfad in der Stadt Zürich eröffnen. Das ist eine Art Fitness-Parcours fürs Gehirn, aufgestellt im Garten des Altersheims Mittelleimbach. Elf Übungen zeigen, wie wir unsere geistige Fitness trainieren können, und zwar bis ins hohe Alter.
Mir ist wichtig, dass alte Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können – und „mitten drin“ sind. Deshalb finde ich den Gripspfad eine gute Sache: Er motiviert Alt und Jung, an der frischen Luft Übungen für Körper und Geist zu machen. Die Übungen habe ich übrigens am Montag zusammen den Seniorinnen und Senioren, die den Gripspfad mitenwickelt haben, gleich gemacht. Ich kann Ihnen versichern: Es macht Spass, den „Wecker“ zu machen. Und die „Schraube“ ist schön entspannend. Doch gehen sie vorbei und probieren Sie selber!
Altersheim Mittelleimbach, Leimbachstrasse 210, 8041 Zürich, öffentlich zugänglich im Garten.
„Rezepte für die Zukunft“ an den Zürcher Umwelttagen
21. Mai 2011
Eigentlich mag ich Gerste nicht besonders. Das dachte ich zumindest – bis ich am letzten Samstag Christian Nickel traf. Christian Nickel ist ein junger Koch, der sich im Restaurant Rigiblick 16 Gault-Millau Punkte erarbeitet hat. Das Besondere an seiner Küche: Regionale und saisonale Produkte haben Vortritt, das Fleisch kommt aus artgerechter Produktion. Getroffen habe ich Christian Nickel, als er an den Zürcher Umwelttagen präsentierte, wie fein ein Essen sein kann, das auch klimafreundlich ist: Ich durfte ihm über Mittag beim Kochen assistieren und habe einiges dabei gelernt: Zum Beispiel, dass Gerste nach seinem Rezept richtig toll schmeckt und dass jetzt Morchelsaison ist. Oder dass ein Lorbeerblatt den Spargelgeschmack ausgezeichnet unterstützt. Und noch zwei, drei kleine Kochgeheimnisse, die ich hier nicht verrate.
Und ich habe einmal mehr gesehen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, beim Kochen und Essen auf die Umwelt zu achten: Wir entdecken neu-alte Zutaten und ausserdem sieht frisches Gemüse auf dem Teller wunderschön aus. Und mir persönlich schmeckt das Essen noch besser, wenn ich weiss, dass es auch der Umwelt gut tut. Probieren Sie’s doch auch: Das Rezept für den Spargelgrisotto und für fünf weitere klimafreundliche Gerichte finden Sie auf www.stadt-zuerich.ch/umwelttage.
Für Gleichberechtigung – gegen häusliche Gewalt
10. Mai 2011
Der Stadtrat hat heute den Gleichstellungsplan präsentiert. Er umfasst sechs Schwerpunkte, bei denen sich die Stadt Zürich besonders für die Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen will. Besonders am Herzen liegen mir die Rolle der Stadt Zürich als Arbeitgeberin und die Prävention von häuslicher Gewalt.
2010 rückte die Polizei 368mal wegen häuslicher Gewalt aus – wenn es soweit ist, ist die Situation leider bereits eskaliert. Die Täter waren zu 95 Prozent Männer, die Opfer zu über 90 Prozent Frauen, und häufig sind auch Kinder betroffen. Häusliche Gewalt kommt in allen Schichten und Stadtkreisen vor. Dass die Stadtpolizei umsichtig und kompetent eingreift, durfte ich persönlich erfahren, als ich eine Nacht lang mit auf Streife war und einige Fälle hautnah miterlebte.
Wichtig sind Früherkennung und Prävention. Dazu können vor allem Mitarbeitende aus dem Gesundheitsbereich und Bezugspersonen von Kindern (in Krippen, Schulen oder Horten) beitragen. Wer sensibilisiert darauf ist, wie sich häusliche Gewalt bei den Betroffenen zeigt, wird schnell und richtig reagieren. Gerade die Spitäler bieten eine geschützte Umgebung und können wichtige Brücken zu spezialisierten Hilfsangeboten schlagen. In einem Pilotprojekt der Frauenklinik Maternité Triemli kristallisierten sich u.a. folgende Alarmsignale heraus: Verletzungen, die nicht zu den angegeben Ursachen passen, diffuse Beschwerden von Schwangeren, unklare psychische oder psychosomatische Beschwerden oder auch Frauen, die nach einer Geburt nicht nach Hause wollen.
Jetzt tragen wir das Wissen der Frauenklinik in die verschiedenen Abteilungen der beiden Stadtspitäler Waid und Triemli und in die Spitex weiter: mit Weiterbildungen für Mitarbeitende im Notfall und mit PatientInnenkontakt, mit Leitlinien und Info-Mappen, wie bei Verdacht auf häusliche Gewalt vorzugehen ist. Sorgen wir dafür, dass Opfer von häuslicher Gewalt Unterstützung bekommen. Am besten, bevor die Situation eskaliert!
Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn
4. Mai 2011
Umfragen in Zürich zeigen: Das Drogenproblem steht nicht mehr auf Platz 1 des Sorgenbarometers. Längst haben andere Themen wie Verkehr oder Wohnungsnot die Drogen als grösste Probleme in der Wahrnehmung der Bevölkerung abgelöst. Die Aufmerksamkeit für die Drogenpolitik hat abgenommen. Die Alltagsarbeit aber bleibt.
In der Politik heisst dies, die bewährten vier Säulen der Drogenpolitik weiter zu unterhalten und zu entwickeln, sei es mit Geld, mit Stellen – und auch mit Gedankenarbeit, wenn sich die Gegebenheiten verändern. Prävention, Repression, Schadenminderung und Therapie: Alle vier Säulen sind notwendig für einen gesellschaftsverträglichen Umgang mit Drogen, für ein würdiges Leben der Drogenkonsumierenden, und um eine grosse offene Drogenszene zu verhindern.
Einen wichtigen Beitrag zur Therapie leistet die Suchtbehandlung Frankental. Alltagsarbeit in der Suchtbehandlung ist anstrengend, weil die Fälle im Vergleich zu früheren Jahren einiges vielschichtiger geworden sind. Das kann aufreibend sein. Tag für Tag leisten die Mitarbeitenden einen grossen Einsatz, was ich nach meinem gestrigen Besuch im Frankental jetzt noch mehr zu schätzen weiss.
Für mich persönlich bildet das Konzept des risikoarmen Umgangs mit Drogen die Leitlinie für meine Drogenpolitik. Wer Sucht so leben kann, dass er oder sie der Umwelt nicht schadet und die Risiken für sich selber einschätzen kann, soll die Substanzen konsumieren, die er oder sie will. Ob dies nun Alkohol oder Internet, Cannabis oder Heroin sei – mein Credo ist dasselbe: Leben und leben lassen. Zugleich gilt aber auch: Wer von seiner Sucht los kommen will, soll entsprechende Angebote haben.
Klimaneutrale Stempel aus Zürich
26. April 2011
Vor einigen Tagen habe ich die hundertste Standortberatung des Öko-Kompass begleitet. Sie fand bei der Firma Speckert + Klein statt, die in Zürich West mit über 50 Angestellten Stempel und Beschriftungen herstellt.
Der Inhaber Xaver Speckert sprühte vor Ideen und Motivation sein Unternehmen mithilfe der fachlichen Unterstützung von Umwelt- und Gesundheitsschutz ökologisch auszurichten. Gemäss eigener Aussage findet er das Angebot der Stadt auch finanziell verlockend, weil man mit ökologischem Verhalten auch wiederkehrend Geld sparen kann. Die Gummistempel bestehen aus Naturkautschuk statt aus schwer abbaubaren Fotopolymeren, die Holzgriffe aus unlackiertem Eschenholz. Stempel mit Kunststoffgehäusen werden zum grössten Teil aus Recyclingmaterial hergestellt und kommen ohne Lacke und schadstoffhaltige Farbpigmente aus. Dank Gebäudedämmung, Wärmerückgewinnung, Stromsparlampen und dem Verzicht auf eine Klimaanlage ist der Energieverbrauch des Gebäudes sehr gering. Dass die Post die vielen Päckli, die das Haus täglich verlassen, auf einer Rundtour abholt, spart viele Autokilometer. Verbesserungsmöglichkeiten ortete die Standortberaterin bei der Verwendung von Recycling- statt Frischfaserpapier – oder auch bei der Anschaffung des nächsten Firmenautos.
Danke, Herr Speckert, für diesen interessanten Einblick: Es braucht immer eine Spur Mut, sein Unternehmen von einer externen Fachperson durchleuchten zu lassen!
In Würde Leben und Sterben
15. Februar 2011
Ein Brief hat mich sehr berührt: Die Angehörigen eines alten Mannes, der in einem unserer Pflegezentren gestorben ist, haben geschrieben. Sie fanden trotz ihrer Trauer die Kraft und die Zeit, den Pflegenden und dem Betriebsleiter ihren Dank auszudrücken dafür, dass sie Abschied nehmen konnten und ihr Vater in Würde gehen durfte. Sie würdigen die liebevolle und sorgfältige Pflege und Betreuung. In ihrem Brief halten sie fest, dass ihnen der Arbeitsdruck der Pflegenden bewusst war, jedoch im Zimmer des Sterbenden nie spürbar. Die Pflegenden sprachen stets mit dem Patienten, teilten ihm jeden Pflegeschritt mit, obwohl er nicht mehr bei Bewusstsein war. Die Angehörigen konnten Tag und Nacht bei ihm bleiben und erhielten ein Notbett im Zimmer. Dank der guten Arbeit der Mitarbeitenden durften die Angehörigen diese schweren Tage auch positiv erleben.
Die Vergänglichkeit des Lebens ist unabwendbar. Gerade deshalb soll der ganze Mensch und seine Würde bis zur letzten Sekunde im Zentrum unseres Denkens und Handelns stehen. Ich bin dankbar, dass dies in unseren Pflegezentren gelebt wird.
Keine Peanuts
1. Februar 2011
Die Stadt muss das ursprüngliche Defizit von 220 Millionen Franken wegsparen, das war die Vorgabe des Gemeinderats. Zum Vergleich: 220 Millionen Franken sind mehr als alle Personalkosten des Stadtspitals Triemli zusammen! Diese Sparvorgaben sind keine Peanuts.
Einsparungen sind möglich – aber sie sind in den meisten Fällen mit Aufschub oder Leistungsabbau verbunden. Der städtische Aufwand ist im Gesundheits- und Altersbereich seit 2001 tatsächlich um rund ein Drittel gestiegen. Noch stärker gestiegen sind aber die für die Bevölkerung erbrachten Leistungen und auch der Ertrag. Das Wachstum im Gesundheitsbereich ging nicht auf Kosten der Stadtkasse. Ökonomisch formuliert: Das Gesundheits- und Umweltdepartement setzt die Steuerfranken effizienter ein als früher.
Doch die Nachfrage wird weiter zunehmen: die Zahl der Notfälle, der Geburten, der Patientinnen und Patienten steigt. Es ist mir ein Anliegen, dass unsere Stadtspitäler auch weiter für alle da sind, die sie brauchen. Besonders gross ist der Spielraum beim Sparen nicht, wird doch vieles in Sachen Gesundheitsfinanzierung in Bern, im Kantonsrat oder in Verhandlung mit den Krankenkassen beschlossen. In Sachen Budget liegt der Ball jetzt wieder beim Gemeinderat. Es bleibt zu hoffen, dass er sich nicht nur für gesunde Finanzen, sondern auch für eine gesunde Gesundheitspolitik ausspricht.
Bye, bye Stadtküche
6. Januar 2011
Es ist nicht alltäglich, dass Zürich einen städtischen Traditionsbetrieb verkauft. Doch am 31. Dezember 2010 war es soweit: Die Stadtküche ging in den Besitz der DSR-Gruppe über, welche ein führendes Schweizer Gastronomie-Unternehmen mit gemeinnütziger Ausrichtung ist. Am 13. Juni 2010 hatten die Stimmberechtigten dem Verkauf mit 51 Prozent haarscharf zugestimmt.
Als Ökonomin und SP-Mitglied überzeugt mich der Verkauf der Stadtküche. Er schafft Zukunftsperspektiven für das Unternehmen in einem hart umkämpften Markt und erhält die Arbeitsplätze. Bei aller Vernunft: Ich trennte mich nicht gerne von diesem gut produzierenden Betrieb, den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und so viel Geschichte. Dennoch übergab ich die Schlüssel an der Abschiedsfeier im Muraltengut mit der positiven Überzeugung, dass die Stadtküche in die besten Hände kommt. Der Präsident der DSR-Gruppe, Pierre-André Lautenschlager, hat mir versichert, dass "notre motivation à prendre grand soin de menuandmore et de la mener vers le succès en est renforcée".
Die Verbindungen zur ehemaligen Stadtküche und jetzigen menuandmore werden zum Glück auch über den Röstigraben hinweg nicht abbrechen: Die Stadt bleibt wichtige Kundin und Miteigentümerin.
eZürich ist gestartet!
4. November 2010
Vom online-Shopping bis zur online-Steuererklärung: Für den Alltag bieten neue Technologien viel. Doch auch sozialer Austausch, Informationsvermittlung und vor allem Meinungsbildung finden immer stärker online statt.
Doch nicht alle haben an dieser Entwicklung teil. Die Unterschiede in der Mediennutzung sind markant - je nach Alter, Geschlecht und sozialer Schicht.
Ich betrachte es als eine gesellschaftliche Aufgabe, möglichst vielen Menschen die Teilnahme an dieser modernen Welt zu ermöglichen. Mit dem Legislaturschwerpunkt eZürich packen wir es an. Als Stadträtin und häufige Nutzerin von neuen Technologien setze ich mich gerne für den Legislaturschwerpunkt eZürich ein. Es geht um Visionen und Ideen, es geht aber auch um einfachere Abläufe in der Verwaltung und um mehr Nähe zu den Einwohnerinnen und Einwohner dieser Stadt.
Dafür sind Sie die Expertinnen und Experten. Wir rufen die Menschen der Stadt dazu auf, ihre Ideen und Vorschläge für eZürich im Ideenwettbewerb einzubringen. Ich bin gespannt auf die Beiträge unter www.ezuerich.ch
Kein zusätzlicher Lärm über Schwamendingen
27. Oktober 2010
Einmal mehr durften wir im Stadtrat zu den An- und Abflugvarianten des Flughafens Stellung nehmen und einmal mehr haben wir gefordert, dass auf Südstarts und –landungen verzichtet wird. Seit die Südanflüge im Jahr 2003 eingeführt wurden, hat die Stadt jedes rechtliche Mittel ausgeschöpft, um diese abzuwenden.
Wir haben Beschwerde erhoben, Urteile weiter gezogen, geklagt und begehrt. Einige der Verfahren sind noch hängig, andere wurden von den Gerichten leider abgelehnt. Aber ganz gleich, wie die Gerichte entscheiden – ich bin unbeirrt der Meinung, dass es nicht zulässig ist, den Flugverkehr über dicht besiedeltes Gebiet zu lenken und Tausende Menschen mit zusätzlichem Lärm zu belasten. Von den Sicherheitsrisiken ganz zu schweigen. Schwamendingen – ich bleibe dran!
Kinder sammeln Grüne Meilen
23. September 2010
Heute Nachmittag hatte ich besondere Gäste: 21 Schulkinder sind mit dem Tram von der Schule am Üetliberg ins Stadtzentrum gefahren, um mir ihre Grünen Meilen zu übergeben. Grüne Meilen? Das sind Punkte, die sie während einer Woche gemeinsam gesammelt haben: Für jeden Weg, den ein Kind zu Fuss, per Velo oder Trottinett oder mit dem öffentlichen Verkehr zurücklegte, bekam ein Kind eine Grüne Meile. Stolz haben sie mir heute das Resultat präsentiert und mir ihre gemeinsamen 303 Grünen Meilen überreicht.
Ich habe mich sehr gefreut, die Kinder zu empfangen und ihre neugierigen Fragen zu beantworten: Ob ich denn das Auto nehme zur Arbeit oder das Velo? Womit denn ich das Klima schütze? Auch mir mache der Arbeitsweg mehr Spass mit dem Velo, konnte ich ihnen erklären: So bin ich schnell unterwegs, sehe immer wieder Neues und treffe ab und zu alte Bekannte auf der Strasse.
Ich finde es toll, wie die Lehrerin Kaja Fürrer das Thema Umwelt in den Unterricht aufgenommen hat. Und wünsche mir, dass viele Lehrpersonen diesem guten Beispiel folgen. Und ich hoffe, dass die Kinder das Thema Klimaschutz auch nach Hause tragen und kleine Vorbilder für die Eltern werden. Denn das Projekt „Kinder sammeln Grüne Meilen“ der Klima-Bündnis-Städte Schweiz eignet sich wunderbar, um kleine Klimaschützerinnen und –schützer zu motivieren. Das habe ich heute Nachmittag gesehen.
En Guete zum Klima-Zmittag
10. September 2010
Luxus ist, wenn ich am Morgen Zeit habe, mir mein Mittagssandwich selber zu machen: etwa mit marinierten Peperoni, Rucola vom Balkon, Geissenfrischkäse und ein paar Baumnüssen. Am Wochenende freue ich mich auf ein ausgiebigeres Essen in guter Gesellschaft. Dann darf es gerne einmal ein Bio-Fleisch sein und die Gemüseauswahl dazu ist momentan ja ausgesprochen gross. Am 14. September esse ich vegetarisch. Dann findet die Aktion Klima-Zmittag des WWF statt, an welcher sich die Stadt Zürich beteiligt.
Besonders stolz bin ich auf das Engagement meines Departements: In den Altersheimen, Pflegezentren, den beiden Stadtspitälern Triemli und Waid sowie der Cafeteria des Amtshauses Walche stehen in der Personalverpflegung (in den Pflegezentren auch für die Bewohnerinnen und Bewohner) am 14. September ausschliesslich vegetarische Mittagessen auf der Karte! Auch das Schul- und Sportdepartement lädt die Schulen und Horte ein, mitzumachen. Und diejenigen Horte, die ihre Mahlzeiten bei menuandmore bestellen, erhalten an diesem Tag ein vegetarisches Gericht. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Zürich sind eingeladen, sich am Klima-Zmittag zu beteiligen. Mit dieser Aktion leistet die Stadt Zürich auch einen handfesten Beitrag zum Klimaschutz: Werden durch die Aktion 5000 fleischhaltige durch vegetarische Menüs ersetzt, lassen sich 10 Tonnen des Treibhausgases CO2 vermeiden.
Das vegetarische Menü wähle ich schon lange und regelmässig: Weil es mir schmeckt, und weil ich gerne auf dem Markt frisches Gemüse aus der Region einkaufe und dabei alte Bekannte treffe. Wussten Sie, dass ein vegetarisches Gericht dreimal weniger CO2 verursacht als eines mit Filet, Geschnetzeltem und Co? So gesehen, ist der Klima-Zmittag ein Schritt auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft.
En Guete!
www.stadt-zuerich.ch/klimazmittag
100 Tage - Stark für die Schwachen
24. August 2010
Hundert Tage im Amt, Zeit für eine erste Bilanz: Ich habe von meinem Vorgänger Robert Neukomm ein sehr gut aufgestelltes Departement übernehmen dürfen. Es gibt also keinen Anlass, alles anders zu machen. Doch ich bringe einen neuen Blickwinkel auf Bestehendes ein und stelle Fragen. Daraus ergeben sich auch Ideen für Verbesserungen. Mir ist wichtig, solche Ideen gemeinsam mit meinem Team zu entwickeln.
Ich habe in diesen hundert Tagen kranke, alte oder verwahrloste Menschen in Situationen erlebt, die ich mir zuvor nicht hatte vorstellen können. Umso mehr orientiere ich mich in der Führung meines Departements an meinem Motto: "Die Stärke der Gesellschaft misst sich am Wohl der Schwachen." Daran wird sich auch die Arbeit von mir und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern messen - dies sind unsere wichtigen Themen:
- Erarbeitung einer Altersstrategie, welche auch in Zukunft den Bedürfnissen und der grösseren Vielfalt des Alters entspricht.
- Eine lustvolle und wirksame Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft.
- Eine qualitativ hoch stehende, starke öffentliche Gesundheitsversorgung.
Was die Bevölkerung von mir erwarten kann? Dass ich offen und ehrlich bleibe, dass ich aufmerksam zuhöre und das Gespräch suche. Und ich packe gerne an!
Vom Notfall zur Nachkontrolle: Ein Spitaltag im Stadtspital Triemli
17. August 2010
Als Begleiterin eines fiktiven Patienten bin ich durch die Abteilungen geführt worden und in die komplexe Spitalwelt eingetaucht.
Ich bin stolz und beeindruckt.
Ich bin beeindruckt von den hier arbeitenden Menschen, welche bei aller Technik Menschen bleiben, wie die Chirurgin, welche empathisch und professionell operiert.
Ich bin beeindruckt von der optimierten Zusammenarbeit der sehr spezialisierten Disziplinen, welche Hand in Hand arbeiten. Ruhig und Aufmerksam wird auch in belastenden Situationen schnell und kompetent eine effektive Lösung für den Patienten gefunden. Gerne zitiere ich den designierten medizinischen Direktor Dr. Zollinger, der vor dem Schockraum – wo Menschen in akuter Lebensgefahr behandelt werden - sagte: „Hier haben wir keine Zeit für Hektik.“
In Erinnerung bleibt mir die Begegnung mit einem dementen Patienten, der listig sagte, er hätte vom Nachbarn Kaffee ergattern können und ob er doch schon heute Nachmittag mit der Tochter heim dürfe.
Wie in der Politik braucht es zeitweise eine dicke Haut, um mit all den Eindrücken umzugehen. Ob ich wohl noch vom offenen Bauch und den piependen Maschinen träumen werde?
Meine Position zu WLAN in der Stadt
30. Juli 22010
Nach wie vor stehe ich dem Anliegen nach einem drahtlosen Zugang zum Internet mit viel Sympathie gegenüber. Blicken wir zurück: unter dem Titel "Was Zürich braucht" hat die SP öffentlich nach Ideen für unsere Stadt gesucht. Die Forderung nach Gratis-Internet fand am meisten Stimmen. Aufgrund der Idee von Rinaldo Cajochen und Ennio Cadau erarbeiteten SP-Gemeinderat Davy Graf und ich im Februar ein Postulat, welches im März vom Stadtrat abgelehnt wurde. Im Postulat schlugen wir einen diskriminierungsfreien Zugang im Sinne des Service Public vor, dass die Stadt eine koordinierende Aufgabe übernehmen könnte und dass die Bedenken um die Strahlung ernst zu nehmen sind.
Inzwischen bin ich selber Stadträtin und zuständig für Gesundheit und Umwelt, nicht aber für die elektronische Versorgung der Stadt. Und freue mich, in einem kollegialen Gremium zu sitzen, wo gute Zusammenarbeit gross geschrieben wird. Ich trage die Entscheide des Gesamtstadtrates selbstverständlich mit.
Doch ich versichere: Ich versuche, mich hinter den Kulissen dafür stark zu machen, dass die Stadt Zürich im Bereich der elektronischen Kommunikation ein paar Schritte vorwärts machen wird.
ZWZ AG: Wenn Politik eine heisse Sache ist
29. Juni 2010
Es war ein richtiger Hochsommertag. Die ganze Stadt war in Flanier- und Einkaufslaune. Und ich durfte als Stellvertreterin für diese Stadt ebenfalls einkaufen: Für 3.4 Millionen einen 40-Prozent-Anteil der grössten Waschküche Zürichs, der ZWZ AG. Die ZWZ wäscht täglich bis zu 32 Tonnen Wäsche und sorgt so für hygienisch saubere Spitalwäsche und Berufskleider. Das ist eine lohnende Investition. Und es war eine heisse Übergabe an jenem Dienstag. Nein, es gab keine Verfolgungsjagd und keinen Agentenkrimi um einen schwarzen Koffer voller Geld, wie Sie sich jetzt vielleicht vorstellen.
Heiss war es in der grossen Halle der ZWZ während der feierlichen Übergabe vom bisherigen Besitzer, dem Kanton Zürich, an das neue Besitzertrio Universitätsspital, Kantonsspital Winterthur und Stadt Zürich. Zwar waren all die hochmodernen Maschinen abgestellt. Dennoch herrschten Temperaturen um 40 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, dass es nur so triefte. Meine Bewunderung für die 220 Menschen, die hier Tag für Tag hart arbeiten!
Ich freue mich, dass die Stadt Zürich nun die Verantwortung für diese Arbeitsplätze mitträgt. Und zugleich die Wäscheversorgung der Stadtspitäler Waid und Triemli sowie der Pflegezentren sichert. Mit kurzen Transportwegen, ökologisch sinnvoll und dank Menschen, die im Kreis 5 ihrer Arbeit nachgehen können. Und sollte ich als Politikerin jemals eine weisse Weste dringend nötig haben: Dann wende ich mich an Herrn Schmutz, den Chef der ZWZ ‑ der tatsächlich so heisst!
Zürcher Umwelttage
29. Mai 2010
Am Samstag besuchte ich die Zürcher Umwelttage. Sie standen ganz im Zeichen des Uno-Jahres der Biodiversität. Persönlich schätze ich die Artenvielfalt nicht zuletzt beim Essen: Ich kaufe regelmässig spezielle Früchte- und Gemüsesorten aus biologischem Anbau auf dem Markt.
An den Umwelttagen traf ich fröhliche Angestellte aus verschiedenen Abteilungen der Stadt Zürich in Aktion: Im Gespräch mit der Bevölkerung, beim Anbieten von kühlem Kräuter-Eistee oder mit Tipps für den Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft. Selber aktiv wurde ich unter anderem beim Energierechner, wo mich meinen jährlichen Energieverbrauch berechnen liess. Nach meinen Eingaben zu Wohnsituation, Konsum- und Mobilitätsverhalten spuckte der Rechner das Ergebnis aus: 3875 Watt Dauerleistung pro Jahr. Damit liege ich zwar klar unter dem Durchschnitt von 6000 Watt, aber auch noch weit weg vom Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft. Packen wir es also an!
Zum Tag der Nachbarn am 28. Mai 2010
28. Mai 2010
Selber habe ich das Glück, im Kreis 4 in einer aktiven Nachbarschaft zu leben. Wir schwatzen auf der Treppe, trinken auf der Terrasse Kaffee, unterstützen und helfen uns gegenseitig aus – die einen mehr, die anderen weniger. Diese lebendige Nachbarschaft tut gut, und ich würde sie allen wünschen. Das Gesundheits- und Umweltdepartement will die aktive Nachbarschaft fördern. Wer jung und mobil ist, braucht das weniger. Aber wer älter ist, ist stärker auf die Nachbarschaft angewiesen. Darum unterstützen wir den Tag der Nachbarn, der in ganz Europa in über 1000 Städten und Gemeinden gefeiert wird – so auch in Zürich, wo viele Nachbarschaftsfeste stattfinden.
Und mit dem Wettbewerb "aktive Nachbarschaft" fördern wir gemeinsame Aktivitäten: Bewohnerinnen und Bewohner von Zürich entwickelten zusammen ihre eigenen Nachbarschaftsprojekte. Am 28. Mai, dem Tag der Nachbarn, darf ich persönlich den drei prämierten Teams ihre Preise übergeben. Ihre Projekte werden unter www.stadt-zuerich.ch/nachbarschaft veröffentlicht.
Übrigens: Nicht nur wir von der Stadt können etwas tun. Auch Sie können Ihre Nachbarschaft pflegen! Wenn Sie das nächste Mal umziehen, dann laden Sie doch Ihre Nachbarinnen und Nachbarn zu einem Apéro ein, auch wenn die Zügelkisten noch nicht alle ausgepackt sind. Nutzen Sie gemeinsam den Garten oder Hinterhof, oder tragen Sie mal die schwere Tasche der Nachbarin. Für uns alle sind soziale Netzwerke ein Gewinn an Lebensqualität – ältere Menschen können gar darauf angewiesen sein.
Zu den Vorfällen im Pflegezentrum Entlisberg
20. Mai 2010
Das erste grosse Thema meiner ersten Amtswoche war mir schon aus Medien und Parteisitzungen bekannt: die Vorfälle im Pflegezentrum Entlisberg, als vier Mitarbeiterinnen entwürdigende Handyfilme von Bewohnenden machten. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Täterinnen so etwas tun konnten. Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Mitarbeitende und Öffentlichkeit: Alle waren schockiert. Als ich nun die Akten studierte, steigerte sich meine Fassungslosigkeit ob den Fakten nochmals.
Ich bin froh, hat mein Vorgänger, Stadtrat Robert Neukomm, damals sofort und entschlossen gehandelt. Er setzte sich für eine schonungslose Aufklärung der Vorfälle ein. Auch die Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderats schaute genau hin. In ihrem Bericht, der in meiner ersten Amtswoche erschien, gab sie Empfehlungen ab, damit solche Vorfälle in Zukunft wirkungsvoller verhindert werden können. Stadtrat, Gemeinderat und die Verwaltung nahmen die Vorfälle nicht auf die leichte Schulter.
Meine Aufgabe wird es nun sein, zu überwachen, dass die Erkenntnisse aus den Vorkommnissen in den Pflegezentren zu Verbesserungen führen. Ich bin überzeugt, dass wir die Sicherheit, Würde und Geborgenheit der Bewohnerinnen und Bewohner in den Pflegezentren gewährleisten können. Ich bin sicher: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegezentren, aber auch Bewohner und ihre Angehörigen, schauen heute genauer hin und handeln rascher, wenn sie Mängel vermuten. Diese grössere Sensibilität ist vielleicht das einzig Gute an dieser unwürdigen Geschichte.




