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Projekte & Auswertungen
Die Unterwasserarchäologie arbeitet aktuell an
verschiedenen Projekten im Zürichsee und anderen Schweizer
Gewässern.
Hier finden Sie eine Auswahl der Projekte:
Kontrolle ausgewählter Fundstellen
Von Mai bis August 2009 begutachtet die Tauchequipe in kurzen
Einsätzen zahlreiche Fundstellen des Kantons Zürich. Es werden
dabei mehrheitlich Fundstellen überprüft, die zuletzt vor 13 Jahren
im Zuge einer Inventarisation untersucht wurden.
Ziele der Einsätze sind:
- Abklären, ob sich die Fundstellen noch wie vor 13 Jahren präsentieren, oder ob Zerstörung durch Erosion oder andere Einflüsse (Schiffsverkehr, Anker,…) festgestellt werden kann.
- Anbringung von Erosionskontrollen, damit Erosion zahlenmässig erfasst werden kann.
- Feststellung der Ausmasse gefährdeter archäologischer Schichten, damit Massnahmen zu deren Schutz geplant werden können.
- Kontrolle der bisher angebrachten Schutzmassnahmen (Überschüttung der gefährdeten Flächen mit Kies, Profilschutz mit Larsen etc.), ob diese noch intakt sind und den Zweck des Schutzes nach wie vor erfüllen.
- Bestätigung der Ausdehnung der Siedlungsstellen.
- Erhebung neuer Informationen zu den Siedlungsstellen mit Hilfe von Sondierbohrungen und Fundbergungen.
Es ist dringend nötig, die Seeufersiedlungen regelmässig auf ihren Zustand hin zu überprüfen, damit bei akuter Bedrohung durch Erosion Schutzmassnahmen umgesetzt werden können und so das kulturelle Erbe für weitere Generationen erhalten werden kann.
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Maur - Weierwis ZH. Messungen bestätigen Erosionsvorgänge im Bereich der Siedlungsstelle
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Rapperswil - Untiefe Ost SG. Die Rinne am Seegrund wurde durch einem Anker verursacht und reicht tief in die archäologischen Schichten
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Mit Hilfe von Bohrungen können Siedlungsplätze gefunden, ihre räumliche Ausdehnung sowie Anzahl und Dicke der archäologischen Schichten ermittelt werden
Rapperswil-Jona - Technikum (SG)
Etwa 180 Meter südöstlich der urgeschichtlichen sowie historischen
Brückenübergänge beim Seedamm liegt auf einer Untiefe im Obersee
ein frühbronzezeitliches Dorf. Die Inselsiedlung Rapperswil-Jona -
Technikum SG ist in ihrer Ausdehnung fast vollständig erhalten. Sie
weist einen Durchmesser von ca. 110 Meter auf, wobei die randlichen
Zonen bereits stark von der Erosion sowie von ankernden Schiffen in
Mitleidenschaft gezogen wurden.
Im südlichen Bereich der Fundstelle können einerseits ein
Teil des bebauten Siedlungsareals, andererseits verschiedene
Palisaden erfasst werden. Letztere bilden ein System mit mindestens
fünf Ringen. Die dendrochronologische Untersuchung der Pfähle
zeigt, dass das Dorf zeitgleich mit dem frühbronzezeitlichen Steg
zwischen Rapperswil und Hurden bestanden hat (um 1600 v.Chr.).
Allerdings konnte bisher keine Verbindung in Richtung des Steges
gefunden werden. Im dokumentierten Siedlungsareal zeichnen sich
hingegen bereits ohne dendrochronologische Auswertung der Hölzer
Strukturen ab.
Die Fundstelle ist noch ungenügend erforscht und somit ist
ihre Funktion vorerst noch ungeklärt. Doch ihre Lage an der
Verkehrs- und Handelsroute zwischen Alpen und Mittelland sowie die
Nähe zum Steg über die Seeenge trägt sicherlich zur grossen
Bedeutung dieser Siedlungsstelle bei. In diesem Sommer wird eine
Bestandesaufnahme der archäologischen Überreste vorgenommen. Mit
den Ergebnissen wird ein Konzept für Schutzmassnahmen erstellt,
welches in den nächsten Jahren realisiert werden soll.
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Pfahlplan. Palisaden und Hausstrukturen
Freienbach - Hurden Rosshorn (SZ)
Auf dem Gebiet der Gemeinde Freienbach befinden sich Reste der
überaus spannenden Fundstelle Hurden Rosshorn. Dabei handelt es
sich für ein Mal nicht um eine urgeschichtliche Siedlung, sondern
um verschiedene über jahrtausende genutzte Brückenübergänge, welche
das heutige Hurden SZ mit Rapperswil SG verbanden. Seit der
Entdeckung im Jahr 1998 wurden grosse Gebiete um den heutigen
Seedamm abgesucht, Pfähle kartiert und Funde geborgen. Es konnten
verschiedene Brückenverläufe und -konstruktionen beobachtet werden,
welche zeitlich von der Horgener Kultur (um 3200 v.Chr.) bis in die
Neuzeit reichen.
Während der diesjährigen Kampagne wurden von Januar bis April
weitere Flächen untersucht und das Augenmerk auf einen Streifen mit
zahlreichen Pfählen gelegt. Diese Pfahlkonzentration markiert einen
Brückenübergang, der bisher mittels
dendrochronologischer
Untersuchungen und C14-Proben in die frühe (um 1600-1500
v.Chr.) und späte Bronzezeit (um 1000 v.Chr.) datiert werden kann.
Insbesondere wurde ein Bereich untersucht, welcher nahe der
Fahrrinne liegt und aufgrund starker Strömung erhöhter Erosion
ausgesetzt ist.
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Auf dem Luftbild ist die Flachwasserzone gut erkennbar. Als dunkle Streifen zeichnet sich die heutige Fahrrinne ab.
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Untersuchungen im Winter, Eisschollen auf dem Wasser. Im Hintergrund Rapperswil
Rheinau
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Flussschleife um Rheinau
Aus schriftlichen Quellen sind mehrere Brückenübergänge, ein
Wachturm und eine Warte (Beobachtungsposten) in Rheinau belegt.
Ende Januar 2009 wurde nun verschiedenen Hinweisen
nachgegangen und Uferbereiche, in denen die letzten Jahren und
Jahrzehnten vermehrt Fundstücke zum Vorschein kamen, wurden näher
untersucht. Ziel der Kampagne ist es, allfällige Überreste von
Brückenkonstruktionen zu finden und diese wenn möglich zeitlich
einzuordnen.
Küsnacht - Hörnli
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Frühbronzezeitliches Knickwandgefäss mit gezacktem Standfuss
Erst 1996 entdeckt, sind von der Fundstelle Küsnacht - Hörnli heute
Dörfer der Horgener Zeit (um 3000 v.Chr.), der Schnurkeramik (um
2600 v.Chr.), Frühbronzezeit (um 1600 v.Chr.) und Spätbronzezeit
(um 1000 v.Chr.) belegt. Dank Dendrochronologischer Untersuchungen
ist bekannt, dass die Dörfer der Schnurkeramischen Zeit mehrmals
ausgebaut wurden und während längerer Zeit bestanden (zwei Dörfer
jeweils mindestens 80 Jahre). Aus der frühbronzezeitlichen Siedlung
sind wichtige Belege von Bauhölzern und ausserordentlich gut
erhaltene Funde zu verzeichnen.
Im nördlichen Bereich der Siedlungsstelle liegt die
Fundschicht offen an der Seegrundoberfläche. Sie ist unter anderem
durch die Strömung gefährdet, welche durch an- und ablegende
Kursschiffe verursacht wird. Ziel des aktuellen Einsatzes
(November-Dezember 2008) war es, die akut bedrohten Schichten
auszugraben und einen weiteren Teil durch Schutzmassnahmen zu
erhalten.
Horgen - Scheller
Von April bis Oktober 2008 überprüfte die Tauchequipe in Horgen im
Auftrag der Kantonsarchäologie Zürich den Zustand der
prähistorischen Siedlungsreste und klärte ab, ob und wie stark die
Stelle von Erosion betroffen ist. Der am stärksten gefährdete Teil
wurde danach ausgegraben, um vor allem Kulturgut zu retten, aber
auch um zu neuen Erkenntnissen im Zusammenhang mit dieser Siedlung
zu gelangen.
Schon lange war bekannt, dass sich im Bereich der Yachtwerft
Faul AG eine Pfahlbausiedlung befindet. Doch erst 1987 wurde etwas
südlich davon die Stelle zufällig entdeckt, die jetzt untersucht
wurde. Bei der Fundstelle handelt es sich um zwei Dörfer, welche
während der frühen (um 1700 v.Chr.) und der späten Bronzezeit (um
1000 v.Chr.) besiedelt waren. Von den spätbronzezeitlichen
Hinterlassenschaften ist kaum etwas erhalten, das meiste ist
bereits von der Erosion zerstört und unwiederbringlich verloren.
Vom frühbronzezeitlichen Dorf ist hingegen noch eine archäologische
Kulturschicht (=Abfallschicht) mit Bauteilen der Häuser vorhanden,
welche in der jetzigen Tauchuntersuchung abgebaut und analysiert
wurde.
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Fundationsplatte (Pfahlschuh) einer Hauskonstruktion, welche das Einsinken der Pfähle in den weichen Untergrund verhindern sollte
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Schichtreste am Seegrund. Im Profil ist ein erodierter Pfahl sichtbar
Stansstad - Kehrsiten (NW)
Anfang 2008 war die Tauchequipe der Stadt Zürich im
Vierwaldstättersee vor dem Ort Kehrsiten bei Stansstad im Kanton
Nidwalden tätig. Dort wurde im Rahmen eines Nationalfondsprojekts
ein ausserordentlicher Siedlungsplatz untersucht.
Die neolithische Seeufersiedlung Kehrsiten wurde 2003 von
einem Sporttaucher entdeckt und im darauf folgenden Jahr erstmals
von der Tauchequipe begutachtet. Die Untersuchungsergebnisse waren
dermassen spannend, dass daraufhin mit dem Kanton Nidwalden ein
Gesuch um Unterstützung der Forschungsarbeiten beim Nationalfonds
eingereicht wurde.
Kehrsiten liegt ausserhalb des bisher bekannten Gebietes
neolithischer Seeufersiedlungen und birgt mit den eingelagerten
organischen Resten (Pflanzenreste, Samen, Tierknochen, Schnüre
etc.) eine Fülle von Informationen zur Wirtschaftsweise im
voralpinen Raum. In Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen des
IPNA (Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche
Archäologie) soll mit dem Basismaterial der Grabung in den nächsten
drei Jahren die Geschichte der Besiedlung rekonstruiert werden.
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Lage des Gebietes mit bekannten Seeufersiedlungen, Lage von Kehrsiten am Vierwaldstättersee
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Kehrsiten, Nidwalden, am Fuss des Bürgenstocks
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Ein Taucher nimmt die Koordinaten der Pfähle auf und zeichnet sie im Plan ein
Bauschänzli, Stadt Zürich
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Bohrkern mit archäologischem Schichtmaterial
Zwischen Bauschänzli und Quaibrücke liegt ein ausgedehnter
prähistorischer Siedlungsplatz. Er wurde seit den 1960er Jahren
anlässlich verschiedener Tauchaktionen punktuell erfasst. An dieser
Stelle gab es zwischen 4100 v. Chr. und 1000 v. Chr. mehrere
jungstein- und bronzezeitliche Dörfer. Die geplante Instandstellung
der Ufermauer könnte vorhandene archäologische Schichten
unwiderruflich zerstören. Es wird untersucht, ob eine
Rettungsgrabung nötig ist.
Bis heute haben die Fachleute beim Bauschänzli mehrere
archäologische Schichten mit Siedlungsspuren definiert und
zahlreiche Objekte geborgen. Dies ermöglichte eine genaue Studie
der Geschichte des Ortes. Der noch unerforschte Teil dieser Zone
sollte möglichst unbeschadet bleiben.
Mit mehreren Kernbohrungen wurde das Areal früher bereits
untersucht. In allen Bohrkernen hat die Unterwasserarchäologie
Siedlungsschichten erfasst: In den dunklen Ablagerungen fanden sich
Tierknochen, Haselnussschalen, Holzkohlen, Silexabschläge und
Keramikscherben. Entgegen den Erwartungen nimmt die Schichtdicke
gegen die Stadthausanlage hin zu.