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Bhutan
Heilige Kunst aus dem Himalaya
Werner Abegg Saal
4. Juli – 17. Oktober 2010
In Bhutan, dem kleinen Königreich am Rand des Himalayas, ist die Religion tief im Alltagsleben der Menschen verankert. Die tantrische Form des Buddhismus ist in keinem anderen Land der Welt noch heute so lebendig wie in Bhutan. Kunst und Kultur, Musik und Tanz stehen ganz im Zeichen des Buddhismus. Die heiligen buddhistischen Kunstwerke der Ausstellung im Museum Rietberg werden auf ihrer Reise von zwei Mönchen aus Bhutan rituell betreut. In Zürich führen sie täglich in den Ausstellungsräumen Verehrungs- und Reinigungszeremonien durch, um negative Kräfte zu bannen und die spirituelle Aura der Kunstwerke zu stärken.
Erstmals sind mit dieser Ausstellung über 100 religiöse Kunstwerke aus Tempeln und Klöstern Bhutans ausserhalb des Landes zu sehen. Organisiert wurde die Ausstellung von der Honolulu Academy of Art und dem Innen- und Kulturministerium der Königlichen Regierung Bhutans. Sie entstand in enger Zusammenarbeit zwischen westlichen Kuratoren und Wissenschaftlern, und zwischen Mönchen, hohen Geistlichen und den Kulturinstituten Bhutans. Während einer fünfjährigen Vorbereitungszeit reiste man gemeinsam durchs Land, sichtete unzählige Kulturschätze, diskutierte aus den verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten deren Ikonografie und Qualität und wählte schliesslich die Objekte für die Ausstellung aus. An einem glückbringenden Tag wurden die heiligen Objekte rituell verabschiedet und auf die Reise geschickt. Nach Honolulu, San Francisco, New York, Paris und Köln, wo die Ausstellung überall auf enormes Interesse stiess, tritt die Ausstellung nun in Zürich ihre letzte Station an.
Die Geschichte Bhutans ist stark vom Buddhismus geprägt. Das
kleine Land ist etwa so gross wie die Schweiz und besteht aus
mehreren, tief eingeschnittenen Bergtälern. Schon früh zogen
tibetische Händler durch die Täler nach Indien. Nach der Einführung
des Buddhismus im Himalaya im 8. Jahr-hundert kamen in mehreren
Wellen tibetische Mönche nach Bhutan und gründeten Klöster, die zu
Zentren von Kultur und Macht wurden. Im 16. Jahrhundert vereinte
der Mönch Shabdrung Ngawang Namgyal die Bergtäler zu einem Reich
und prägte Bhutans eigenständige kulturelle Identität. Sein
Verwaltungssystem, das die Macht zwischen einem weltlichen und
einem religiösen Herrscher aufteilte, beruhte auf den Maximen des
Buddhismus. Nach dem Tod des charismatischen Führers kam es
vermehrt zu Machtkämpfen, bis 1907 der stärkste Lokalherrscher zum
König ernannt wurde. Damit wurde Bhutan erstmals in seiner
Geschichte zu einer Erbmonarchie. Der Urenkel dieses Herrschers hat
nun vor zwei Jahren aus eigenem Antrieb abgedankt und ein
demokratisch gewähltes Parlament eingeführt.
Bhutan versucht, auch in der modernen Welt die traditionelle
Lebensweise zu bewahren und das kulturelle Bewusstsein zu stärken.
Eine international beachtete Strategie Bhutans ist es, nicht nach
einer Steigerung des rein materiellen Bruttosozialproduktes zu
streben, sondern ein «Bruttonationalglück» zu definieren. Dazu
gehört auch ein intaktes natürliches, kulturelles und soziales
Umfeld.
Dem kulturellen Erbe begegnet man in Bhutan auf Schritt und Tritt. Über 2000 Klöster und Tempel bestimmen das Landschaftsbild. An strategisch wichtigen Stellen thronen mächtige Klosterburgen und überall finden sich kleine Heiligtümer. Die Tempel beherbergen unzählige Kunstschätze. Bilder und Statuen gelten jedoch nicht in erster Linie als Kunstwerke, sondern als heilige Objekte. Noch heute stehen sie in rituellem Gebrauch. Viele davon sind auch in Bhutan selten zu sehen. Nur zu bestimmten Zeremonien werden sie hervorgeholt und verehrt.
Die ausdrucksstarken Kunstwerke ermöglichen auch Laien einen Einblick in die hochkomplexen Lehren des Tantrischen Buddhismus. Bilder des Buddhas in tiefer Versenkung strahlen eine vollkommene Ruhe aus und lassen erahnen, was es heisst, von allem losgelöst zu sein. Die Anmut der Bodhisattvas macht spürbar, dass sie voller Mitgefühl gelobt haben, alle Lebewesen aus dem Kreislauf des Leidens zu befreien. Packende Darstellungen von furchterregenden Gottheiten mit wutverzerrten Gesichtern und blutrünstigen Attributen deuten in ihrer vielschichtigen Symbolik auf verschiedene Lehrinhalte hin. Didaktische Bilder erzählen in vielen kleinen Szenen Lebensgeschichten und spirituelle Werdegänge grosser Meister. Eindrückliche Porträts von bis zu dreieinhalb Metern Höhe erinnern an weise Lehrer und deren Überlieferungen.
All diese Bilder bestechen durch ihren Reichtum an Details. Manche zeigen einen Reigen von Geschichten und Episoden mit einer Vielzahl von Figuren. Um die zentralen Figuren herum entfaltet sich meist eine idyllische Landschaft mit Bäumen und Blumen, Bächen und Tieren. Häufig lohnt sich auch ein Blick auf den elaborierten Schmuck und die Gewänder mit ihren feinen Stoffmustern.
Cham-Tänze
Neben Skulptur und Malerei zeigt die Ausstellung in
mehreren Filmen eine weitere Kunstform Bhutans: Die rituellen
Cham-Tänze werden an grossen Tempelfesten aufgeführt, zu denen das
Volk von weit her herbeiströmt. Die Maskentänze dienen einerseits
der religiösen Belehrung der Gläubigen. Andererseits sind sie für
die tanzenden Mönche meditative Übung, denn sie verschmelzen im
Tanz geistig mit der dargestellten Gottheit.
Die rituellen Maskentänze sind ein wichtiger Teil der
Ausstellung. Im Rahmen der Vorbereitung arbeitete unter
Federführung der Honolulu Academy of Arts ein internationales Team
unter Joseph Houseal von Core of Culture Dance Preservation in
Bhutan und zeichnete während zweier Jahre dreiundzwanzig grosse
Tempelfestivals und dutzende kleiner Dorffeste auf. Aus diesem
reichen Material sind mehrere kurze Filmesequenzen in der
Ausstellung zu sehen, darunter eine grosse Installation, die den
Tanz räumlich erlebbar macht.
Verehrungsritual
Jeden Tag um 10.30 und 15 Uhr führen die Mönche Nima und Kinzang
Thinlay in der Ausstellung ein Ritual zur spirituellen Reinigung
der heiligen Objekte durch. Dauer ca. 20 Minuten.
Während der gesamten Ausstellungsdauer fertigen sie zudem ein
Mandala aus buntem Sand.
Filme in der Ausstellung
«SMS from Shangri-La»
Ein Film von Dieter Fahrer und Lisa Röösli, 2009, 75
Minuten
Englisch, Schweizerdeutsch und Dzongkha mit deutschen
Untertiteln.
Anfangszeiten: 11, 13 und 15 Uhr, Mi und Do auch 18.30
Uhr
«Das Bruttonationalglück ist wichtiger als das
Bruttosozialprodukt», sagt der König von Bhutan. Doch lässt sich
das Glück per Dekret verordnen?
Der Film begleitet sieben Schweizer Musiker auf einer Tournee
quer durch Bhutan. Zwischen den Konzertszenen und den musikalischen
und persönlichen Begegnungen der Band stehen fünf Porträts von
verschiedenen Menschen, die erzählen, was Glück für sie bedeutet.
Der Film zeichnet ein differenziertes und doch sehr
persönliches Bild des heutigen Bhutan. Gleichzeitig reflektiert er
unsere eigene Suche nach dem verlorenen Paradies, unsere Sehnsucht
nach Heimat und Glück, die wir im Anderswo vermuten und letztlich
doch nur im Hier und Jetzt finden können.
«Price of Knowledge»
«Price of Letter»
Zwei Filme von Ugyen Wangdi, 1998 und 2004, 35 und
68 Minuten
Original mit englischen Untertiteln
Anfangszeiten: 11, 13 und 15 Uhr, Mi und Do auch 18.00
Uhr
Ein zehnjähriger Junge auf dem Weg zur Schule – jeden Tag zweieinhalb Stunden hin und zurück. Ein Postbote auf seiner monatlichen Tour – fünf Tage zu Fuss bis an die nördliche Grenze. Zwei eindrückliche Porträts aus dem heutigen Bhutan.
Sponsoren
Die Ausstellung wurde organisiert von der Honolulu Academy of
Arts und dem Kulturdepartement des Ministeriums für Inneres und
Kultur der Königlichen Regierung Bhutans.
Das Restaurierungsprojekt, die Dokumentation der Tänze und
die pädagogischen Programme in Honolulu wurden möglich durch die
grosszügige finanzielle Unterstützung der Robert H. N. Ho Family
Foundation.
Bedeutende Förderung erhielt die Ausstellung «The Dragon‘s
Gift: The Sacred Arts of Bhutan» auch durch die E. Rhodes &
Leona B. Carpenter Foundation, den Michael and Patricia O’Neill
Charitable Fund, Susan Pillsbury, sowie Lawrence und Joyce Stupski.
Zusätzliche Beiträge gaben Le Burta G. Atherton, die Freeman
Foundation, Hotels & Resorts of Halekulani, Japan Airlines,
Drukair, die Nationale Stiftung für Künste, und die W.L.S. Spencer
Foundation.
Dass die Ausstellung in Zürich gezeigt werden kann, verdanken
wir der grossen finanziellen Unterstützung von Novartis.
Die Ausgrabung der Festung Drapham-Dzong
Seit 2008 findet die erste archäologische Ausgrabung in Bhutan
überhaupt statt. Unter Leitung von Professor Werner Meyer
(Universität Basel) legen schweizer und bhutanische Wissenschaftler
und Arbeiter gemeinsam eine Festung aus dem 16. Jahrhundert frei.
Diese Lehrgrabung ist Teil eines grösseren Projektes, das von der
Schweizer Liechtensteinischen Stiftung für archäologische Forschung
im Ausland (SLSA) und Helvetas organisiert und finanziert wird. Auf
Wunsch der bhutanischen Regierung ist geplant, das Fach Archäologie
in Bhutan zu institutionalisieren und die Bevölkerung für ihr
kulturelles Erbe zu sensibilisieren. Bis jetzt wurde «Geschichte»
in Bhutan ausschliesslich aus tradierten Texten und mündlichen
Überlieferungen erschlossen, denn Objekte, die in der Erde lagern,
gelten als versteckte, religiöse Schätze.
Die Ausgrabung wird in einem Raum der Ausstellung präsentiert
und kommentiert.
Publikationen
Zur Ausstellung erscheinen ein Kurzkatalog in Deutsch sowie ein
umfassender Katalog in Englisch und Französisch:
«Bhutan – Heilige Kunst aus dem Himalaya»
Museum Rietberg Zürich, 62 Seiten, ca. 40
Farbabbildungen, 24,5 x 29,5 cm
CHF 16, ISBN 978-3-907077-46-7
«The Dragon's Gift – The Sacred Arts of Bhutan»
Terese Tse Bartholomew and John Johnston (eds.), 390
pp., ca. 200 colour images, 23,5 x 30,5 cm, Serindia Publications
CHF 68 (hardcover), ISBN 978-1-932476-35-4
CHF 56 (softcover), ISBN 978-1-932476-36-1
Führungen und Workshops
Angebote für Erwachsene
Öffentliche Führungen (keine Reservation möglich)
Sonntag 11 Uhr, Mittwoch 18 Uhr, Donnerstag 12.15 Uhr
Private Führungen
Reservieren Sie frühzeitig und rufen Sie an unter T. + 41 44
206 31 11 / 31.
Kunstwerke im Dialog (interaktive Führung für
Erwachsene)
Bhutan – Buddhistische Kunst aus dem Königreich im Himalaya
Samstag, 10. Juli 2010, 10–12 Uhr.
Padmasambhava – Heiliger, grosser Lehrer und Dämonenbezwinger
Samstag, 18. September 2010, 10–12 Uhr.
Angebote für Kinder und Erwachsene
Workshop für Grosseltern & Enkelkinder
Kira und Gho, die Nationaltracht in Bhutan
Für Grosseltern mit Kindern von 5 – 10 Jahren
Mittwoch, 1. September 2010, 14–16.30 Uhr
Familienführung
Flügelloser weisser Drache
Für Familien mit Kindern ab 5 Jahren
Sonntag, 11. Juli 2010, 14–16.30 Uhr
Sonntag, 26. September 2010, 14–16.30 Uhr.
Kinderworkshop
Im Land der Drachen: Bhutan
Für Kinder von 7–12 Jahren
Sonntag, 29. August 2010, 10–12.30 Uhr
Sonntag, 26. September 2010, 10–12.30 Uhr
Rahmenprogramm
Samstag, 4. September 2010
Lange Nacht der Museen: Kunst, Musik, Film und
Rituale aus und um Bhutan.
Freitag, 17. September 2010
klangkunst: Das Zürcher Kammerorchester im Museum
Rietberg
Vorverkauf: Museum Rietberg oder ZKO Billettkasse 0848 84 88
44, (Mo–Do 11–17 Uhr), billettkasse@zko.ch, www.zko.ch
Donnerstag, 23., 30. September, 7. Oktober 2010, 19.30–20.45 Uhr
«Bhutan – Heilige Kunst aus dem Himalaya»
Ringvorlesung der Volkshochschule Zürich. Anmeldung:
www.vhszh.ch.
Informationen zur Ausstellung
Öffnungszeiten Di bis So 10 – 17 Uhr, Mi und Do 10
– 20 Uhr
Eintritt CHF 16 / 12. Jugendliche bis 16 Jahre
gratis
Öffentliche Führungen So 11 Uhr, Mi 18 Uhr, Do
12.15 Uhr
Private Führungen auf Anfrage, Tel. 044 206 31 11
/ 31
Offene Werkstatt Jeden Sonntag 10 – 16 Uhr (für
Kinder, Erwachsene, Familien)
Anreise Tram 7 bis Haltestelle „Museum Rietberg“
(4 Haltestellen vom Paradeplatz). Bus 33 bis „Hügelstrasse“. S-Bahn
bis Bahnhof Enge.
Keine Parkplätze. Das Museum ist rollstuhlgängig.
Behinderten-Parkplatz vorhanden.