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Der Ort und seine Geschichte

Blick auf die Villa Wesendonck

Otto und Mathilde Wesendonck

Die Geschichte des Ortes, an dem heute das Museum Rietberg steht, beginnt im Sommer des Jahres 1857. Damals bezog das aus Wuppertal stammende Ehepaar Otto und Mathilde Wesendonck ihr prachtvolles neues, im neoklassizistischen Stil erbautes Haus, die heutige Villa Wesendonck. Otto Wesendonck war bereits 1851 als Teilhaber einer Seidenhandelsfirma aus New York nach Zürich gekommen, um sich hier zusammen mit seiner 24jährigen Gattin Mathilde niederzulassen. Das neue Heim der Wesendoncks wurde schnell zu einem kulturellen Treffpunkt.


Richard Wagner in Zürich

Mathilde Wesendonck verstand es glänzend, ein gastfreundliches, für eine Vielzahl von Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern offenes Haus zu führen. Besonders eingenommen waren die Wesendoncks vom Komponisten Richard Wagner, der 1849 als Flüchtling nach Zürich gekommen war. Sie gaben Wagner und seiner Frau Minna Wohnsitz in einem unmittelbar neben ihrer Villa befindlichen Fachwerkhaus (die heutige Villa Schönberg), das Wagner sein „Asyl auf dem Grünen Hügel" nannte.

Mathilde Wesendonck hat den Komponisten – glaubt man den glühenden Briefen und Liebesbeteuerungen, die er während seines sechzehnmonatigen Aufenthalts auf dem "Grünen Hügel" an seine Muse geschrieben hat – völlig in ihren Bann gezogen. Inspiriert von dieser Liebe vollendete er die Urschrift von "Tristan und Isolde" und brachte erste Kompositionsentwürfe und Motive für diese Oper zu Papier.

Auch Mathilde, von deren Gedichten Wagner fünf vertonte (die Wesendonck-Lieder), war von den Gesprächen, Musikvorführungen und Lesungen mit dem Komponisten beflügelt und beseelt. An Silvester 1857 überreichte Wagner seiner geliebten Muse die Kompositionsskizze von "Tristan und Isolde" mit einem Widmungsgedicht: "Hochbeglückt, schmerzentrückt, frei und rein, ewig Dein –"

Der vertraute Umgang zwischen Mathilde Wesendonck und Wagner und die eifersüchtige Reaktion von Minna Wagner führte zu einem Eklat. Wagner trennte sich von seiner Frau, aber auch von Mathilde Wesendonck, und verliess im August 1858 fluchtartig sein "Asyl" und fuhr nach Venedig. Im Jahr 1871 verkauften die Wesendoncks ihr Anwesen auf dem "Grünen Hügel" und zogen wieder nach Deutschland.


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Die Zeit der Familie Rieter

In der Villa wohnte nun in den kommenden Jahrzehnten die aus Winterthur stammende Familie Rieter. Von dieser Familie stammt der Name Rieterpark und Rietberg. Im September 1912 wohnte während einigen Tagen der deutsche Kaiser Friedrich Wilhelm II. als Gast von Bertha Rieter-Bodmer in der Villa. Im Jahr 1945 kaufte die Stadt Zürich den 67'000 Quadratmeter grossen Rieterpark und die Villa Wesendonck. 


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Die Gründung des Museums Rietberg

1949 bestimmte das Zürcher Stimmvolk, dass die Villa Wesendonck umgebaut und als Museum für die Sammlung des Barons Eduard von der Heydt eingerichtet werde, welche die Stadt Zürich als Geschenk erhalten sollte. Im Jahr 1952 wurde das neue Museum, das Museum Rietberg der Stadt Zürich, eröffnet.


Das Museum Rietberg heute

2002 schrieb das Amt für Hochbauten der Stadt Zürich einen internationalen Architekturwettbewerb aus, den das Architektenteam von Alfred Grazioli (Berlin) und Adolf Krischanitz (Wien/Berlin) für sich entscheiden konnte. Ihr Entwurf überzeugte durch seine Grosszügigkeit, Klarheit und zurückhaltende Eleganz. Er nahm zum einen Rücksicht auf das historisch bedeutende Villenensemble und den unter Schutz stehenden Park, und zum anderen wusste er den hohen Anforderungen an einen zeitgemässen Museumsbau vollauf zu genügen.

Das Architektenteam löste die Aufgabe mit einem unterirdischen Bau, der Villa und Park äusserlich unangetastet lässt und zugleich grosse Ausstellungssäle in enger Anbindung an den Altbau, die Villa Wesendonck, bietet. Die grossen Ausstellungshallen verbergen sich im Untergrund, und das einzige im Park sichtbare Zeichen des Neubaus ist ein grüner Glasvorbau. Die Besucherinnen und Besucher betreten heute das Museum durch diesen gläsernen Eingangspavillon, den so genannten Smaragd. Seinen Namen erhielt er von einer Zeile aus dem Gedicht „Im Treibhaus“, das Mathilde Wesendonck (1826–1902), die erste Bewohnerin der Villa, geschrieben und Richard Wagner (1813–1883) vertont hatte, als er 1857/58 als Gast der Wesendoncks auf dem grünen Hügel in Zürich wohnte. „Baldachine von Smaragd“ nennt Mathilde Wesendonck darin die exotischen Pflanzen in ihrem Treibhaus.

Nach knapp drei Jahren Bauzeit öffnete das neue Museum Rietberg am 18. Februar 2007 für das Publikum seine Tore. Mit dem Erweiterungsbau hat sich die Ausstellungsfläche des Museums um 125 Prozent vergrössert. Auch die bestehenden historischen Räumlichkeiten, die Villa Wesendonck und ihr Ökonomiegebäude, wurden renoviert, und die Park-Villa Rieter erhielt im Obergeschoss Platz für die Präsentation der Kunst des Alten und Neuen Orients. Im Wintergarten der Villa lädt das Café zu einem Besuch ein. In der Remise, dem ehemaligen Ökonomiegebäude der Villa Wesendonck, sind die Räume für die Kunstvermittlung, das Atelier für Fotografie und Restaurierung sowie ein traditionelles japanisches Teezimmer untergebracht.

Ein Highlight der Neupräsentation ist das Schaudepot. Dort werden sämtliche Museumsobjekte mit Ausnahme der lichtempfindlichen Malereien und Textilien gezeigt. Das Schaudepot steht allen Besucherinnen und Besuchern offen.


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