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Dezember 2009

Persönlich-Kolumne: Weite statt Engel

Publikation Tagblatt der Stadt Zürich

Martin Waser, Vorsteher Sozialdepartement

Martin Waser, Vorsteher Sozialdepartement

Ich bin ein positiv eingestellter Mensch und konzentriere mich fast immer darauf, aus der Situation das Beste zu machen. Trotzdem habe ich mich seit Ende November zweimal sehr geärgert. Zuerst hat zu meinem Leidwesen das Ja zur Minarett-Initiative die Schweiz enger gemacht. Eine Mehrheit der Stimmenden zog ein diffuses «Zeichensetzen» der Auseinandersetzung vor. Damit wurden die Muslime, aber auch tolerante Angehörige einer anderen oder keiner Religion vor den Kopf gestossen, ohne dass irgendein Problem gelöst würde. Der Lichtblick am Abstimmungssonntag war die Stadt Zürich, die sich mit Zweidrittelmehrheit für die Religionsfreiheit aussprach.

Aus Zürich stammt jedoch die Enttäuschung der vergangenen Woche: Der Gemeinderat strich mit hauchdünner Mehrheit 80'000 Franken für den Hafenkran am Limmatquai aus dem Budget. Derselbe Gemeinderat hatte vor einem Jahr eine halbe Million für dieses Projekt bewilligt.

Auch dieser Entscheid trifft mich persönlich. Der Hochseehafenkran – oder «zurich-transit-maritim», wie das Projekt des Künstlerteams heisst – will die Leute verführen, mit den Gedanken in die Ferne zu schweifen. Das ist es ja, was uns Menschen von den Tieren unterscheidet – nicht so viel, aber Entscheidendes. Ich finde die Budgetkürzung knauserig, eng und ängstlich, ein negatives Signal, das sich unsere Stadt nicht leisten sollte.

Nutzlos sei der Kran, befanden seine Gegner. Das stimmt, und trotzdem – oder gerade deshalb – ist er verführerisch. Weihnachtsbäume zu schmücken, ist auch nutzlos. Darum träume ich weiterhin vom Hafenkran und wünsche Ihnen herzlich schöne Weihnachten und viel Freude an den geschmückten Bäumen.

So bleiben schliesslich zwei Erkenntnisse. Erstens: Abstimmungen eignen sich nicht, um Dampf abzulassen. Zweitens: Am meisten Freude machen Sachen, die nicht nötig sind.

Martin Waser,
Vorsteher Sozialdepartement


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