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April 2009

Persönlich-Kolumne: (K)eine Insel

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Vorsteher Schul- und Sportdepartement Gerold Lauber

Vorsteher Schul- und Sportdepartement Gerold Lauber

Vor einem Monat wurden in einer Kleinstadt bei Stuttgart 15 Menschen getötet und elf verletzt. Täter war ein 17-jähriger Jugendlicher, der sich anschliessend selbst richtete. Dieses Ereignis hat uns alle betroffen gemacht und aufgewühlt.

Amoktaten haben eine bedauerlich lange Tradition. Relativ neu sind solche Vorfälle an Schulen; erstmals dokumentiert 1974 in den USA. Tendenz und Ausbreitung solcher Fälle sind steigend. Wir alle stellen uns die Frage, ob dies auch bei uns passieren könnte. Die Antwort wird wohl lauten müssen: Ja – Zürich ist keine Insel. Solche Fälle von «zielgerichteter Gewalt» an Schulen können nicht absolut verhindert werden. Und trotzdem müssen wir alles Erdenkliche dagegen unternehmen.

Untersuchungen zeigen, dass kein typisches Täterprofil gezeichnet werden kann. Diese sind nur selten schwer psychisch gestört, stammen selten aus «kaputten Elternhäusern» und sind nicht immer sozial isolierte Einzelgänger. Die fast einzige Gemeinsamkeit ist die vertiefte Auseinandersetzung mit und die minutiöse Planung der Tat. Damit eine Risikokonstellation gegeben ist, müssen aber verschiedenste Merkmale zusammenkommen. Das macht Prävention und Intervention so schwierig.

So viel allerdings ist klar: Die Prävention muss früh ansetzen. Das Selbstbewusstsein der Jugendlichen ist zu stärken, Ängste im Schulumfeld sind abzubauen und bei Bedarf ist psychologische Unterstützung anzubieten. Wir müssen sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche nur kontrolliert Zugang zu Waffen erhalten. Wir sollten wissen, was unsere Kinder im Bereich der neuen Medien konsumieren und müssen sie lehren, vernünftig damit umzugehen. Hier stehen vor allem die Eltern in der Pflicht.

Das Wichtigste aber: Wir alle müssen genau hinsehen, hinhören und «hinfühlen». Anzeichen und Hilferufe junger Menschen müssen wir wahr- und ernst nehmen und wo nötig Hilfe anbieten. Und dann besteht letztlich noch die Hoffnung, dass Zürich eine Insel bleibt.

Gerold Lauber,
Vorsteher Schul- und Sportdepartement


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