Navigationspfad
Zum Seitenanfang
Publikationen & Broschüren
Persönlich-Kolumne: (K)eine Insel
Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich
Vorsteher Schul- und Sportdepartement Gerold Lauber
Vor einem Monat wurden in einer Kleinstadt bei Stuttgart 15
Menschen getötet und elf verletzt. Täter war ein 17-jähriger
Jugendlicher, der sich anschliessend selbst richtete. Dieses
Ereignis hat uns alle betroffen gemacht und aufgewühlt.
Amoktaten haben eine bedauerlich lange Tradition. Relativ neu
sind solche Vorfälle an Schulen; erstmals dokumentiert 1974 in den
USA. Tendenz und Ausbreitung solcher Fälle sind steigend. Wir alle
stellen uns die Frage, ob dies auch bei uns passieren könnte. Die
Antwort wird wohl lauten müssen: Ja – Zürich ist keine Insel.
Solche Fälle von «zielgerichteter Gewalt» an Schulen können nicht
absolut verhindert werden. Und trotzdem müssen wir alles
Erdenkliche dagegen unternehmen.
Untersuchungen zeigen, dass kein typisches Täterprofil
gezeichnet werden kann. Diese sind nur selten schwer psychisch
gestört, stammen selten aus «kaputten Elternhäusern» und sind nicht
immer sozial isolierte Einzelgänger. Die fast einzige Gemeinsamkeit
ist die vertiefte Auseinandersetzung mit und die minutiöse Planung
der Tat. Damit eine Risikokonstellation gegeben ist, müssen aber
verschiedenste Merkmale zusammenkommen. Das macht Prävention und
Intervention so schwierig.
So viel allerdings ist klar: Die Prävention muss früh
ansetzen. Das Selbstbewusstsein der Jugendlichen ist zu stärken,
Ängste im Schulumfeld sind abzubauen und bei Bedarf ist
psychologische Unterstützung anzubieten. Wir müssen sicherstellen,
dass Kinder und Jugendliche nur kontrolliert Zugang zu Waffen
erhalten. Wir sollten wissen, was unsere Kinder im Bereich der
neuen Medien konsumieren und müssen sie lehren, vernünftig damit
umzugehen. Hier stehen vor allem die Eltern in der Pflicht.
Das Wichtigste aber: Wir alle müssen genau hinsehen, hinhören
und «hinfühlen». Anzeichen und Hilferufe junger Menschen müssen wir
wahr- und ernst nehmen und wo nötig Hilfe anbieten. Und dann
besteht letztlich noch die Hoffnung, dass Zürich eine Insel bleibt.
Gerold Lauber,
Vorsteher Schul- und Sportdepartement

