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August 2009

Persönlich-Kolumne: Im Réduit

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Vorsteher Schul- und Sportdepartement, Gerold Lauber

Vorsteher Schul- und Sportdepartement, Gerold Lauber

Ich weile momentan im Land- bzw. Bergdienst, bin am Wildheuen im strategischen Schlüsselgelände des 2. Weltkrieges, hoch über dem Vierwaldstättersee. Die ersten Tage im Réduit sind jeweils hart für einen Bürogummi. Nun geht’s besser. Ich habe abends noch etwas Restenergie um über den Äther mitzubekommen, was so läuft in der weiten Welt und engen Schweiz. SF 1 hat anscheinend an 25 Réduit-Soldaten einen Marschbefehl versandt. Erlebnispädagogik und Selbstfindungsangebote für, zumindest im rechtlichen Sinne, Erwachsene stehen im Angebot. Das staatliche Fernsehen lässt sich – oder uns – dies einiges kosten. Meinen Mitheuern entlockt diese Art der Unterhaltung nicht mal ein müdes Lächeln. Mündliche Kommentare an dieser Stelle zitiert würden wohl zensuriert.

Diesen Dienst hätte ich wohl verweigert, habe ich doch vor mehr als 30 Jahren Monate in verschiedensten Festungen verbracht. Es war gewöhnungsbedürftig. Kopfweh die ersten Tage der RS, endlos lange und feuchte Gänge, engste Platzverhältnisse, muffige Luft aus 2-Zoll-Rohren, begleitet von konstantem Rauschen, glitschiger Boden, keine Information am Morgen über das Wetter vor den schweren Toren, bei längeren Übungen im Schichtbetrieb Verlust des Gefühls von Tag und Nacht. Dann gewöhnte man sich daran. Trotzdem träumte ich zwischendurch von der Gebirgsinfanterie.

Vor 30 Jahren waren wir noch Geheimnisträger. Weder Freundin noch Vater durften wissen, wo wir was genau im Dienste des Vaterlandes leisteten. Die Zeiten ändern sich – schnell. Oder bin ich alt inzwischen? Heute kann man all diese Felskavernen mieten oder kaufen, werden zu Museumsprojekten oder aber eben zur Sommerlochfüllung des Schweizer Fernsehens.

Sommerlochfüllung des Schweizer Fernsehens. Die Idee der Anbauschlacht lebt in der Tradition des Wildheuens auf steilen und schmalen Felsbändern weiter. Und das ist gut so. Was würde ich sonst mit meinen nächsten Sommerferien anfangen?

Gerold Lauber,
Vorsteher Schul- und Sportdepartement


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