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Publikationen & Broschüren
Persönlich-Kolumne: Wandelraum
Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich
Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement Ruth Genner
Als Mädchen bin ich dem Schild «Rasen betreten verboten» immer
wieder begegnet. Schilder mit dieser Aufschrift waren
allgegenwärtig. Damals war das Verständnis von öffentlichem Raum
ein völlig anderes. Planerisch legte man zuerst die Verkehrsströme
für den privaten und den öffentlichen Verkehr fest.
Die Raumaufteilung erfolgte so, dass Fussgängerinnen und erst
recht Velofahrende nicht stören konnten. Wer zu Fuss unterwegs war,
bekam wenig Platz und musste komplizierte Wege gehen, zum Beispiel
durch Unterführungen. Die restliche Fläche durften die zuständigen
Ämter dann gestalten, und die Gestaltung war eher zum Anschauen als
zur Nutzung gedacht. Man wandelte geordnet am Seeufer und im Wald
oder fuhr «aufs Land».
Der öffentliche Raum galt für lange Zeit nur beschränkt als
Lebensraum. Es ist heute kaum vorstellbar, dass noch 1997 in einem
städtischen Leitbild stand, die Innenstadt brauche zur Belebung
mehr Veranstaltungen…
Mittlerweile hat sich ein radikaler Wandel vollzogen. Die
Menschen betrachten den öffentlichen Raum zunehmend als Erweiterung
ihres privaten Lebensbereiches. Diesen Trend unterstützt die
Stadtverwaltung, indem wir möglichst viele Räume für
Aussenaktivitäten und Aufenthalt schaffen und diese grosszügig
gestalten. Dass sich die Menschen vermehrt draussen aufhalten, tut
nicht nur ihnen gut, sondern auch der Stadt. Zürich wird so
lebendig und farbig.
Der öffentliche Raum hat einen hohen Wert. Deshalb hat Zürich
nicht nur eine schöne Innenstadt, auch die Aussenquartiere werden
attraktiv gestaltet. Bei Bauprojekten sind heute Gestaltende von
Anfang an mit einbezogen. Und dies ist wichtiger denn je. Zürich
wird zunehmend dichter bebaut. Umso mehr gilt es, Grün- und
Freiräume für die künftigen Generationen zu sichern. Trotz des
Wandels soll Zürich auch für unsere Kinder und Kindeskinder eine
Stadt mit hoher Lebensqualität sein.
Ruth Genner,
Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements

