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Dezember 2008

Persönlich-Kolumne: Wandelraum

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement Ruth Genner

Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement Ruth Genner

Als Mädchen bin ich dem Schild «Rasen betreten verboten» immer wieder begegnet. Schilder mit dieser Aufschrift waren allgegenwärtig. Damals war das Verständnis von öffentlichem Raum ein völlig anderes. Planerisch legte man zuerst die Verkehrsströme für den privaten und den öffentlichen Verkehr fest.

Die Raumaufteilung erfolgte so, dass Fussgängerinnen und erst recht Velofahrende nicht stören konnten. Wer zu Fuss unterwegs war, bekam wenig Platz und musste komplizierte Wege gehen, zum Beispiel durch Unterführungen. Die restliche Fläche durften die zuständigen Ämter dann gestalten, und die Gestaltung war eher zum Anschauen als zur Nutzung gedacht. Man wandelte geordnet am Seeufer und im Wald oder fuhr «aufs Land».

Der öffentliche Raum galt für lange Zeit nur beschränkt als Lebensraum. Es ist heute kaum vorstellbar, dass noch 1997 in einem städtischen Leitbild stand, die Innenstadt brauche zur Belebung mehr Veranstaltungen…

Mittlerweile hat sich ein radikaler Wandel vollzogen. Die Menschen betrachten den öffentlichen Raum zunehmend als Erweiterung ihres privaten Lebensbereiches. Diesen Trend unterstützt die Stadtverwaltung, indem wir möglichst viele Räume für Aussenaktivitäten und Aufenthalt schaffen und diese grosszügig gestalten. Dass sich die Menschen vermehrt draussen aufhalten, tut nicht nur ihnen gut, sondern auch der Stadt. Zürich wird so lebendig und farbig.

Der öffentliche Raum hat einen hohen Wert. Deshalb hat Zürich nicht nur eine schöne Innenstadt, auch die Aussenquartiere werden attraktiv gestaltet. Bei Bauprojekten sind heute Gestaltende von Anfang an mit einbezogen. Und dies ist wichtiger denn je. Zürich wird zunehmend dichter bebaut. Umso mehr gilt es, Grün- und Freiräume für die künftigen Generationen zu sichern. Trotz des Wandels soll Zürich auch für unsere Kinder und Kindeskinder eine Stadt mit hoher Lebensqualität sein.  

Ruth Genner,
Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements


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