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Juli 2009

Persönlich-Kolumne: Baustellen-Verschwörung?

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

Ruth Genner, Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

«Unsere Stadt ist eine einzige Baustelle!», «Hier droht Stau-Chaos!», «Überall wird gebuddelt und gebaggert!», «Baustellen erschweren Fahrt ins Zentrum».

Kommen Ihnen diese Schlagzeilen bekannt vor? Mir auch. Allerdings beschreiben diese wahllos herausgegriffenen Meldungen der letzten Wochen nicht den Baustellen-Ärger in Zürich. Sondern den in München, Hamburg, Berlin und Bern. Auch dort haben Autofahrende manchmal das Gefühl, Opfer einer Verschwörung gegen den motorisierten Individualverkehr zu sein. Der verständliche Unmut über baustellenbedingte Verkehrsbehinderungen gehört offenbar zum Leben in grösseren Städten.

«Aber so schlimm wie dieses Jahr war es in Zürich noch nie!», klagen erzürnte Stau-Betroffene. Und ich kann nur sagen: Das stimmt - leider.  Zwar ist die Anzahl der Baustellen nicht höher als sonst, aber heuer bringen mehrere sehr komplexe Projekte besonders happige Behinderungen mit sich: Das Parkhaus unter dem Theaterplatz, welcher danach zu einem Teil des neuen Sechseläutenplatzes werden kann. Die Umgestaltung am Stadelhofen, wo Forchbahn- und Tramlinie entflochten und der Park aufgewertet wird. Die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung, das Tram Zürich-West und die dringend notwendige Sanierung der Hardbrücke, die sich durch Rekurse um Jahre verzögerte und nun auch noch in diesen Baustellensommer 2009 fällt.  Dazu kommen all die Strassenstücke, Tramgleise, Kanalrohre und Wasserleitungen, die aus Funktions- und Sicherheitsgründen erneuert werden müssen, weil ihre Lebensdauer abgelaufen ist.

Baustellen sind ärgerlich. Aber sie dienen nicht dunklen Verschwörungsmächten, sondern letztlich alle demselben Ziel: dass unsere Stadt für alle Menschen, die sich in ihr bewegen, ein guter und sicherer Ort ist. Dass der Autoverkehr fliessen kann. Dass Trams und Busse, Velofahrende und Fussgänger/innen sicher vorwärtskommen. Dass das Gewerbe floriert. Und dass man in Zürich auch weiterhin gerne wohnt.

Ruth Genner,
Vorsteherin Tiefbau- und Entsorgungsdepartement


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