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Zur Zürcher Studie
Osteoporose und Sturzprävention
Im Alter werden die Muskeln schwächer, man stürzt leichter, Knochenbrüche sind häufig. Osteoporose, der Schwund an Knochenmasse, ist wesentlich daran beteiligt. Eine Nationalfondstudie, die derzeit im Stadtspital Triemli läuft, untersucht Faktoren, die geeignet sind, das Sturzrisiko bei älteren Personen nachhaltig zu mindern.
Was wird im Triemli-Forschungsteam untersucht? Anhand
von Oberschenkelhalsfrakturen (oft auch "Hüftfrakturen" genannt
– eingedeutscht aus dem Englischen "hip fracture") nimmt die Studie die
Wirkung von Vitamin D kombiniert mit Frührehabilitation unter die Lupe.
Beide Faktoren sind geeignet, das Risiko von Stürzen bei älteren
Personen zu minimieren. Das Interesse an den Studienresultaten ist
gross: Zum einen sind Schenkelhalsfrakturen meist kostenintensive
Langzeitbehandlungen. Zum andern ist ein Schenkelhalsbruch bei
Seniorinnen und Senioren oft Auftakt für eine sich massiv
verschlechternde Lebensqualität (erhöhte Pflegebedürftigkeit, Übertritt
in ein Heim etc.).
Wieso Frührehabilitation?
Mit Frührehabilitation sind die Massnahmen gemeint, mit denen nach dem Sturzvorfall und der Operation darauf hin gearbeitet wird, die Funktionsfähigkeit der Patienten körperlich und sozial möglichst wieder herzustellen. Meist kommt die Physiotherapie mit Beweglichkeits-, Belastungs- und Selbständigkeitstraining bereits am ersten Tag nach der Operation zum Einsatz. Weitere Dienste – ärztlicher Dienst, Pflege, Sozialdienst, Ergotherapie – sind ebenso am "Wiederaufbau" des Patienten, der Patientin beteiligt. Im Triemli wird in regelmässigen Frührehabilitations-Sitzungen der bestmögliche Weg besprochen und definiert. Die Erfahrung zeigt: Ob die rehabilitativen Massnahmen erfolgreich sind, hängt nicht zuletzt von einer guten Betreuungskombination ab. Im Spital werden oft die wesentlichen Weichen gestellt.
Was bewirkt Vitamin D?
Im
menschlichen Organismus bewirkt Vitamin D, dass Calcium aus dem Darm
besser aufgenommen wird. Calcium sorgt für ein stabiles mineralisiertes
Skelett und gesunde Zähne. Vitamin D seinerseits steuert den
Calciumeinbau in den Knochen und stärkt ihn damit. Ausserdem
stimuliert das Vitamin direkt den Muskel und führt zu einer
Muskelkräftigung, zu verbessertem Gleichgewicht und verminderter
Sturzgefahr. Bei älteren Personen wird Vitamin D
heute bereits standardmässig mit 800 IU pro Tag verschrieben (IU =
international Units, also internationale Einheiten).
200 Teilnehmende
An
der Studie nehmen 200 Patientinnen und Patienten des Stadtspitals
Triemli teil, die in der chirurgischen Klinik mit der
Diagnose "Hüftknochenfraktur" hospitalisiert und behandelt werden und
ihr Einverständnis zum Mitmachen erteilt haben. Vorbedingungen
sind: Ein Schenkelhalsbruch ist vorgefallen und die Teilnehmenden
müssen älter als 65 sein. Auch Personen mit leichten und mittleren
kognitiven Einschränkungen können teilnehmen.
Was wird untersucht?
Die
Kernfrage der Studie lautet: Kann das Sturzrisiko älterer Personen nach
einem Schenkelhalsbruch mit einer höheren Dosis Vitamin D und
intensivierter Frührehabilitation weiter gesenkt werden?
Während der Hospitalisation – sie dauert bei Schenkelhalsbrüchen zehn bis vierzehn Tage – werden zwei Therapieformen untersucht. Die Hauptgruppen sind unterteilt in unterschiedlich hohe Dosierungen an Vitamin D:
- Standarddosierung von 800 IU täglich
- Höhere Dosis von 2000 IU täglich
(IU = International Units)
- Standard-Physiotherapie (30 Min. täglich)
- Längere Physiotherapie (60 Min. täglich)
Fachübergreifendes Projekt
Das
am Projekt beteiligte Forschungsteam ist multiprofessionell
zusammengesetzt. Involviert sind neben dem ärztlichen Dienst,
der Physiotherapie und der Pflege auch der Sozialdienst, die Informatik
(Datenverwaltung im Projektsekretariat), die Spitalapotheke (Kontrolle
der genau vereinbarten Vitamin D-Dosierungen) sowie das Zentrallabor
(Evaluation und Lagerung aller Blutuntersuchungen).
Sobald
eine Patientin, ein Patient in die Studie aufgenommen ist, läuft alles
Hand in Hand. Der Heilungsverlauf wird anhand verschiedener Faktoren –
Funktion, Muskelkraft, Stürze, Knochenbrüche, Kosten, Pflegemassnahmen,
Lebensqualität – genau erfasst. Auch nach dem Spitalaufenthalt
werden die Teilnehmenden oder die betreuende Person monatlich
kontaktiert. Nach sechs und zwölf Monaten findet eine ambulante
Kontrolluntersuchung im Spital statt. Bei gehbehinderten Personen
stellt der Bereich Zivildienst von "Schutz und Rettung Zürich" seine
Fahrdienste zur Verfügung.
Die "Hip Fracture", zu Deutsch Schenkelhalsbruch, ist ein häufiges Bild im Spitalalltag: Der Bruch in der tragende Hüfte ist meist die Folge von Osteoporose und eines Sturzes auf die seitliche Hüfte. In der Regel bricht das obere Ende des Oberschenkelknochens (Femur) knapp unterhalb des Oberschenkelkopfs (Hüftkopf). Viele ältere Menschen sind nach einem Schenkelhalsbruch bleibend behindert oder können nach dem Spitalaufenhalt nicht mehr in die eigenen vier Wände zurückkehren.
Abnahme altersbedingt
Vitamin D
entsteht beim Menschen auf natürliche Weise durch Sonneneinstrahlung
auf die Haut, weshalb es auch „Sonnenscheinvitamin“ genannt wird. Mit
zunehmendem Alter nimmt die Eigenproduktion dieses Vitamins um ein
Vielfaches ab – auch mit regelmässigen Sonnenbädern und viel Aufenthalt
im Freien ist dies nicht zu verhindern. Studien aus USA und der Schweiz
belegen eindeutig: Bei älteren Personen ist ein weit verbreiteter
Vitamin-D-Mangel feststellbar.
In der
Schweiz ist die Vitamin D-Versorgung durch die fehlende Intensität der
Wintersonne besonders erschwert: Bereits bei jungen Personen kann
hierzulande Vitamin-D-Mangel vorkommen. Betroffen sind vor allem ältere
Personen, die in Alters- und Pflegeheimen wohnen und wegen Krankheit
oder Schwäche meist im Haus verweilen. Sie weisen einen besonders hohen
Vitamin D-Mangel auf.
Die Krux mit dem Sonnenlicht
Doch
auch wenn ältere Personen sonnenexponiert leben würden: Sonnenlicht ist
nicht die ideale (und keine ausreichende) Quelle für optimale Vitamin
D-Versorgung. Mit Blick auf die Hautkrebsrisiken ist von vermehrtem
Sonnenbaden abzuraten. Zudem hindern die heute üblichen
Sonnenschutzcrèmes (bereits ab Sonnenschutzfaktor 8) die hauteigene
Produktion von Vitamin D. Auch über die Nahrung (z.B. mit Lachs,
Eierspeisen) kann das Vitamin nicht ausreichend aufgenommen werden.
Bleibt
als bestverträglicher Weg die Einnahme von Vitamin
D-Tabletten, idealerweise kombiniert mit einer Calciumtablette, als
Ergänzung zu einer normalen Ernährung.
Zwischenresultate der Studie
Die
über vier Jahre laufende Studie wird zeigen, wie weit Vitamin D plus
Calcium im Zusammenspiel mit mehr physiotherapeutischen Leistungen
einen Einfluss auf das Sturzrisiko bei älteren Personen hat. Die
Untersuchung dauert noch bis Ende 2008. 2009 werden die Daten
ausgewertet.
Da Vitamine auch
überdosiert werden können und eine überaktive Physiotherapie
kontraproduktiv sein kann, gilt es, anhand der Studie „ein gutes Mass
der Dinge“ zu finden und die optimalen Behandlungsstandards bei
Hüftknochenfrakturen zu definieren.
In einer ersten
Zwischenbilanz lässt sich bereits anfangs 2007 feststellen: Nur 5
Prozent der bisher untersuchten Seniorinnen und Senioren weisen einen
ausreichenden Vitamin D-Spiegel auf. Bei 60 Prozent ist ein schwerer
Vitamin D-Mangel feststellbar, dies obschon 70 Prozent der
Teilnehmenden vor dem verhängnisvollen Sturz zu Hause lebten
und bezüglich Aufenthalt im Freien nicht besonders eingeschränkt waren.
Man darf gespannt sein, was die
Studie 2009 aussagt. Wenn sich die Hypothese bewahrheitet,
dass intensivere Physiotherapie und höhere Vitamin D-Versorgung die
Muskelkraft stärken und erneute Stürze und neue Knochenbrüche
verhindern, zahlt sich der Aufwand für die Studie um ein Vielfaches
aus: Die Lebensqualität und die Zeit der Unabhängigkeit im Alter
könnten wesentlich optimiert und verlängert werden.
Nationalfondprojekt NFP 53
| Die "Zürcher Studie" ist Teil eines
nationalen Forschungsprogramms, bestehend aus 6 Modulen und
22 Einzelprojekten. Übergeordnetes Thema ist die „
Muskuloskelettale Gesundheit – Chronische Schmerzen“.
In dem fünf Jahre dauernden interdisziplinären Programm soll untersucht werden, wie es um den Gesundheitszustand des Bewegungsapparats der Schweizer Bevölkerung bestellt ist und welche Faktoren dafür verantwortlich sind. Für das NFP 53 sind insgesamt 12 Millionen Franken zur Verfügung gestellt worden. |
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Weiterführende Links:
www.nfp53.ch
www.zurichfalltrial.ch
www.osteoswiss.ch

