Es ist kurz nach 20 Uhr, mein Mediendienst-Pager schrillt: «Brand im Mehrfamilienhaus». In den Einsatznotizen lese ich: «Rauch weitum sichtbar. Mehrere Personen sind noch im Haus.» Ich melde mich umgehend bei der Einsatzleitzentrale, um weitere Informationen zu erhalten. Es wurde ein Grossaufgebot von Feuerwehr und Sanität losgeschickt, was potenziell viele Leute aufmerksam macht. Zudem liegt der Einsatzort mitten in einem Wohnquartier in Altstetten. Sprich: Wo viele Leute sind, sind auch viele Handys – und damit auch schnell Leser*innen-Fotos bei den Medien. Also entscheide ich mich, ebenfalls auszurücken.
Unterwegs erreichen mich bereits zwei Anrufe von Medienschaffenden. Ich kann den Einsatz bestätigen, doch mehr gesicherte Informationen habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Am Einsatzort verschaffe ich mir zuallererst ein Bild über die Lage. Brennt es noch? Wo ist die Einsatzleitung stationiert? Sind bereits Journalist*innen mit Kamera und Mikrofon vor Ort? Doch eine Frage steht im Zentrum: Was ist hier passiert? Denn aus dem obersten Fenster des betroffenen Hauses hängen zusammengeknüpfte Bettlaken. Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf.
Rund um das Einsatzleiterfahrzeug herrscht reges Treiben. In einer freien Minute fange ich Claudio Mignot ab. Er ist heute als Pikettoffizier Feuerwehr & Zivilschutz vor Ort und kennt die Details, damit ich die anwesenden Medienschaffenden mit aktuellen Informationen bedienen kann. Claudio nimmt sich kurz Zeit und schildert mir den bisherigen Einsatzablauf: «Brand in einer Wohnung. Starke Rauchentwicklung bis in benachbarte Wohnungen. Berufsfeuerwehr gerade noch rechtzeitig angekommen, um eine Person zu retten, die sich mittels zusammengeknoteter Bettlaken aus dem Fenster abseilen wollte. Feuer gelöscht, Nachlöscharbeiten im Gang.»
Claudio muss bereits weiter und den anstehenden Rapport vorbereiten, damit alle Einsatzkräfte wieder auf dem gleichen Wissensstand sind und die weiteren Massnahmen definieren können. Ich nutze diese kurze Zeit, um das Gehörte zu sortieren, mir gedanklich einen Kommunikationsplan zurechtzulegen und passende Formulierungen für die anstehende Medienmitteilung auszudenken. Die Medienschaffenden warten derweil geduldig hinter den Absperrbändern. Ich informiere sie, dass es aus sicherheitstechnischen Gründen noch eine Weile dauern wird, ehe ich sie nach vorn zum Schadenplatz bringen kann – und ernte volles Verständnis dafür, auch wenn ihre Zeit drängt.
21.00 Uhr, Rapport. Die Informationen helfen mir, das Informations-Puzzle in meinem Kopf Schritt für Schritt zusammenzusetzen: Der Rauch hatte in die oberste Wohnung gedrückt. Darum wollte sich die Frau an den Laken abseilen und auf die Matratze springen, die sie zuvor aus dem Fenster geworfen hatte. Achtsame Passant*innen hatten sie allerdings lautstark davon abgehalten. Genau rechtzeitig traf die Berufsfeuerwehr mit der Autodrehleiter ein und brachte die Bewohnerin mit dem Korb in letzter Sekunde sicher zu Boden.
Mit diesen Erkenntnissen kann ich mich schliesslich den Medienschaffenden widmen und sie über die Absperrung hinweg näher an den Einsatzbereich mitnehmen. Damit sie in ihren Interviews alles abfragen können, was für sie von Belang ist, brauchen sie vorgängig möglichst viele Informationen. Also erzähle ich, was in der Zeit bis jetzt passiert ist. In einem zweiten Schritt führe ich sie zu den Einsatzfahrzeugen und zum Brandobjekt, damit sie ihre Berichterstattung mit anschaulichem Bildmaterial anreichern können. Anschliessend stehen Interviews auf dem Programm. Dieses Mal stehe ich als Mediensprecher nicht selbst vor dem Mikrofon, sondern positioniere Claudio Mignot als Pikettoffizier in den Medien. In seiner Funktion war er von Beginn weg am Einsatzgeschehen beteiligt und kann dadurch unmittelbar und authentisch vom Einsatz berichten. Ich ziehe mich hinter die Journalist*innen und die Kamera zurück und unterstütze Claudio bei den Formulierungen, achte auf eine verständliche Sprache und ein passendes Kamerabild, sodass Claudio wortwörtlich ins beste Licht gerückt wird.
Nach Abschluss der Interviews gilt es, gleich alle Informationen strukturiert und verständlich in einer Medienmitteilung aufzubereiten. Nicht alle Redaktionen haben Vertreter*innen vor Ort. Viele Medien sind auf eine zeitnahe, verständliche und möglichst umfassende schriftliche Information angewiesen. Damit ich die Medienmitteilung an einem ruhigen Platz abseits des Einsatzgeschehens schreiben kann, fahre ich nach Hause. Vor Ort braucht es meine Dienste heute nicht mehr. Mir ist bewusst, dass Claudio aktuell mit Nachlöscharbeiten, der Freigabe der betroffenen Wohnungen und dem Einrücken der Einsatzmittel und -kräfte beschäftigt ist. Deshalb plane ich die fachliche Freigabe durch ihn sowie den Versand der Medienmitteilung für den nächsten Morgen.
Die Medienmitteilung habe ich trotzdem gleich nach Ankunft zu Hause geschrieben. Die Informationen und Eindrücke sind noch frisch in meinem Kopf. Ich klappe den Laptop zu und spüre, wie der Druck langsam von mir abfällt – doch das Adrenalin rauscht noch durch meinen Körper. Ein letztes Mal lasse ich die Eindrücke Revue passieren. Ich denke noch immer an die Bettlaken und den Versuch der Frau, einen Ausgang aus ihrer Lage zu finden. Es erinnert mich an das begonnene Escape-Room-Spiel, nur war ihre Situation bitterer Ernst Dank des Einsatzes von SRZ mit gutem Ausgang, in einer Nacht voller Rauch und Aufregung.
Was waren beim Einsatz in Altstetten die Herausforderungen für die Feuerwehr?
Der kritische Moment war beim Eintreffen der ersten Rettungskräfte. Eine Person war vom Rauch eingeschlossen und sass auf der Fensterbank im dritten Obergeschoss. Die Wohnungsbewohnerin hatte eine Abseilvorrichtung aus Bettlaken zusammengeknüpft. Sie war offensichtlich kurz davor, sich an den Bettlaken abzuseilen. Bevor sie dies tat, konnte sie durch Angehörige der Berufsfeuerwehr über die Autodrehleiter unverletzt gerettet werden. Eine weitere Herausforderung war die Bauart des Gebäudes. Es handelte sich um ein älteres Objekt, das im Innern teilweise aus Holz bestand. Dadurch konnte sich das Feuer schnell ausbreiten. Durch den raschen Einsatz der Berufsfeuerwehr konnte ein Vollbrand des Gebäudes verhindert werden.
Ist der Einsatz aus Sicht Feuerwehr erfolgreich verlaufen?
Bei diesem Einsatz zeigte sich die Stärke einer Berufsfeuerwehr deutlich: Brennt es in einem Mehrfamilienhaus, kennen alle ihre Aufgabe, die Standardeinsatzregeln laufen eingespielt ab, und die ersten Massnahmen zur Ereignisbewältigung greifen sehr schnell und zeigen Wirkung.
Was schätzt du an der Zusammenarbeit mit dem Medienpikett im Ereignisfall?
Das Medienpikett erfüllt für mich eine wertvolle Dienstleistung, indem es die Führungskräfte im Einsatz entlastet. Als Pikettoffizier muss ich mich nicht um Medienanfragen kümmern, sondern kann mich vollumfänglich auf die Ereignisführung und -koordination konzentrieren. Gleichzeitig habe ich Gewissheit, dass Medienschaffende an der Einsatzstelle professionell betreut werden. Besonders schätze ich, dass man durch die Kolleg*innen des Medienpiketts einbezogen wird, wenn es darum geht, einen Sachverhalt im Einsatz sprachlich korrekt zu formulieren. Diese Absprache stellt eine einheitliche und professionelle Ereigniskommunikation gegen aussen sicher.
Der Mediendienst von SRZ stellt die transparente, einheitliche und verlässliche Kommunikation von SRZ gegenüber den Medienschaffenden und der Bevölkerung sicher. Die Mediensprecher*innen betreiben ein 24/7-Medienpikett und gewährleisten, dass Medien bei Einsätzen schnell und korrekt informiert werden – vor Ort, telefonisch oder schriftlich. Das Medienpikett wird durch die Einsatzleitzentrale oder die Einsatzleitung bei Ereignissen mit öffentlichem Interesse aufgeboten und koordiniert die Kommunikation mit Journalist*innen. Der Mediendienst bearbeitet jährlich ca. 500–800 Medienanfragen.