Als ich Olivier an seinem Arbeitsplatz im Operation Center (OPC) am Flughafen besuche, fällt mein Blick zuerst durch das grosse Fenster nach draussen: Flugzeuge rollen vorbei, Motoren dröhnen, und in der Ferne hebt eine Maschine ab. Während Olivier zu erzählen beginnt, merke ich schnell, wie gut dieser Ort zu ihm passt.
Im Jubiläumsjahr von SRZ feiert Olivier sein 25-Jahre- Dienstjubiläum in der Einsatzleitzentrale. Der gelernte Elektromonteur startete 2001 als technischer Mitarbeiter in der Einsatzleitzentrale der Berufsfeuerwehr (damals Emergency Call Center, ECC) des Flughafens Zürich. «Eigentlich war vorgesehen, dass ich während der Einführung eines neuen Einsatzleitsystems als technischer Mitarbeiter arbeite und danach als Disponent in den Schichtbetrieb wechsle», erzählt er. Doch schnell war klar geworden, dass der Betrieb des Systems aufwendig war und er dauerhaft als Techniker gebraucht würde.
Anfang 2008 wurden die Berufsfeuerwehr und der Rettungsdienst des Flughafens mit SRZ zusammengeführt, das ECC in die Einsatzleitzentrale (ELZ) von SRZ integriert. Dort fand Olivier bald seine Nische: die Karte mit den Geodaten, auf der die Mitarbeitenden der ELZ bei Notrufen die Einsatzorte lokalisierten. Damals glich das Kartenmaterial einem Flickwerk: «Die Daten waren so vielfältig wie das Einsatzgebiet», erinnert sich Olivier. Er strukturierte die Daten neu und entwickelte eine Karte, die einheitlich aufgebaut war.
Vor einigen Jahren wirkte er dann am Aufbau einer eigenen Karte mit, die sich an der Landeskarte orientiert, aber dynamischer ist, indem sie häufiger aktualisiert wird und entsprechend mehr «lebt». Heute fliessen dort amtliche Vermessungsdaten, einsatzrelevante Zusatzinformationen und Daten aus OpenStreetMap zusammen, um präzise Informationen wie Baustellen, projektierte Gebäude und aktuelle Adressen abzubilden. «Die richtigen Daten zu beschaffen und bestmöglich verfügbar zu machen, weckt meinen kriminalistischen Spürsinn», sagt Olivier schmunzelnd. «Genau das macht es für mich zu einem absoluten Traumjob.»
Seit mehreren Jahren ist er im Nebenamt als ELZ-Koordinator im Einsatz. Bei grösseren Ereignissen, etwa bei einem Massenanfall von Verletzten, wird er aufgeboten und unterstützt bei der Zuteilung der Patient*innen an die Spitäler.
Auch die Feuerwehr ist für ihn immer ein wichtiger Teil des Lebens gewesen. 28 Jahre lang engagierte er sich in der Milizfeuerwehr Oberengstringen, die letzten 9 davon als Kommandant. Jährlich leisteten sie 40 bis 50 Einsätze: «Weil wir eine Autodrehleiter hatten, wurden wir auch in die Nachbargemeinden gerufen», sagt er verschmitzt.
2016 übernahm Olivier zusätzlich für fünf Jahre das Kommando des örtlichen Zivilschutzes. Er versteht den Zivilschutz als Ergänzung zur Feuerwehr und führte gemeinsame Übungen ein. Gern erinnert er sich an eine Evakuierungsübung in einem Pflegeheim mitten im Feierabendverkehr: Nach einem vermuteten Gasaustritt mussten die Bewohner*innen evakuiert und betreut werden. Im Anschluss an die gelungene Übung liessen alle gemeinsam den Abend beim Grillieren ausklingen. Genau das erfülle ihn beruflich wie auch privat, sagt Olivier: «Mit Menschen in Kontakt kommen und gemeinsam etwas Sinnvolles leisten.»
Eine weitere Leidenschaft in Oliviers Leben ist die Musik. 2003 schloss er sich als Bassist dem neu gegründeten Flughafen-Orchester an und lernte Notenlesen: «Da habe ich mich recht reinknien müssen.» Bereits ein Jahr später stand er mit dem Orchester auf der Bühne. Bis 2012 war er aktiv als Musiker dabei, danach wechselte er als Tontechniker hinter das Mischpult.
Die Tontechnik liess ihn fortan nicht mehr los. Schon bald begleitete er weitere Formationen an Konzerte, darunter auch einen Gospelchor – «als einziges nicht singendes Mitglied», wie er sagt. Mit viel Herzblut sorgt er dafür, dass Stimmen und Instrumente zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen, auch unter schwierigen Bedingungen, etwa in Kirchenräumen oder bei grossen Konzertproduktionen. Für ihn zählt dabei immer die Balance: «Es braucht genug Verstärkung, aber nie so viel, dass der Sound überladen wirkt.»
Ende August wird Olivier pensioniert. «Am liebsten würde ich ein paar Jahre zurückspulen», sagt er. «Die nächsten Entwicklungsschritte im neuen Einsatzleitsystem würde ich nur zu gern noch miterleben.»
Zugleich freut er sich auf den neuen Lebensabschnitt. Denn langweilig wird es ihm kaum. Bereits 2019 ist der gebürtige Bündner nach vielen Jahren im Unterland der Liebe wegen in die Berge zurückgekehrt: in die Region Ybrig. Dort hat er die Skipiste praktisch vor der Haustür: «Die Talstation des Sessellifts befindet sich direkt neben unserem Haus», sagt er. Entsprechend ist er im Winter oft auf den Ski anzutreffen, während er im Sommer mit seinem Border Collie Nala durch die Berge streift. Daneben ist er weiterhin als Tontechniker unterwegs.
Was Olivier an SRZ besonders schätzt, ist der Kern der Arbeit: Menschen in allen Lebenslagen zu helfen. Gleichzeitig hat er den Zusammenhalt bei SRZ und in seinem Team als aussergewöhnlich erlebt. Fachlich wie auch menschlich, wie er sagt. Für die Zukunft wünscht er, dass SRZ die Innovationskraft der vergangenen 25 Jahre weiterträgt, am Ball bleibt, die Rettung weiterentwickelt und zugleich nahe bei den Menschen bleibt. «Die Bevölkerung muss nachvollziehen können, was hinter den Kulissen geleistet wird.»