Ein gemeinsamer Winterspaziergang an der Limmat, so lautete der ursprüngliche Plan für dieses Porträt mit Bernadette Porrini. Doch es kommt anders, wir entscheiden uns aufgrund der Wetterverhältnisse für die gemütlichere Variante und setzen uns in ein Café. Ich möchte von Bernadette wissen, ob dieses Alternativprogramm nun so gar nicht ihrer Art entspreche. Beim Vorgespräch hatte sie mir nämlich erklärt, dass sie viel lieber an der frischen Luft sei. Bernadette wirkt gelassen. Nein, sie sei ganz zufrieden so. Diese Einstellung sollte sich noch durch unser ganzes Gespräch ziehen wie ein roter Faden, eine Art Rahmen, der eine ganz besondere Qualität von Bernadette hervorhebt.
Als dienstälteste Mitarbeiterin unserer Organisation bringt Bernadette, Fachspezialistin Human Resources (HR), einen ganz besonderen Erfahrungsschatz mit. Im Januar dieses Jahres durfte SRZ den 25. Geburtstag feiern, bei Bernadette steht das 25-Jahr-Jubiläum im Mai an. «Ich bin mit demselben Herzblut dabei wie vor 25 Jahren», sagt sie sogleich. Was genau hat Bernadette ein Vierteljahrhundert lang bei SRZ gehalten? «Es ist der sinnvolle und wichtige Auftrag von SRZ», führt sie aus. «Wir alle, in jedem Bereich, auf jeder Stufe, arbeiten für ein und dasselbe Ziel – das ist unglaublich erfüllend.» Bernadette erlebte den Aufbau der Personalabteilung von SRZ und war in den nächsten 25 Jahren in verschiedenen Funktionen für die Rekrutierung, die Anstellung, die Beratung und die Betreuung von Mitarbeitenden tätig.
Natürlich hat sich SRZ im Laufe der Jahre verändert – und Bernadette hat sich mit der Organisation weiterentwickelt. Obwohl sie viel Wert auf Stabilität legt, ist Bernadette insbesondere im Job Neuerungen gegenüber offen: «Durch die Digitalisierung wurde vieles einfacher, Prozesse wurden optimiert und die Arbeit dadurch in gewissen Bereichen erleichtert. Bereits 13 Jahre vor der SRZ-Gründung hat Bernadette für die Stadt Zürich gearbeitet. «Damals hatte ich statt eines Computers noch einen Schreibautomaten», erinnert sie sich lachend. Für die jüngeren Leser*innen: Ein Schreibautomat ist eine Art Schreibmaschine mit Bildschirm. Doch inmitten aller Veränderungen gebe es etwas, das immer gleich geblieben sei: «Wir alle sind mit Leidenschaft bei unserer Rettungsorganisation dabei.» Es ist genau dieser Zusammenhalt innerhalb von SRZ, den Bernadette so schätzt. «Es ist viel mehr als nur ein Job. Wenn ich meine Arbeitskolleg*innen längere Zeit nicht sehe, vermisse ich sie.» Tiefe Beziehungen sind Bernadette im Privaten genauso wichtig. «Ich bin ein absoluter Familienmensch und pflege einen sehr engen Kontakt», erklärt sie. Mit den elf Neffen und Nichten und den 15 Grossneffen und -nichten nimmt das viel Zeit in Anspruch. Als eines von sieben Kindern ist Bernadette in Gossau bei St. Gallen aufgewachsen, damals noch ein beschauliches Dorf mit einer Handvoll Bauernhöfen.
Für die Liebe ist Bernadette schliesslich nach Zürich gezogen. «Ich war ein Landei in jeder Hinsicht», erklärt die gebürtige Ostschweizerin lachend. «Als ich anfangs durch die Stadt Zürich lief, habe ich alle gegrüsst.» Der Region Zürich ist Bernadette bis heute treu geblieben. Mittlerweile wohnt sie mit ihrem Ehemann in Urdorf, wo sie die Nähe zur Natur und die langen Spaziergänge an der Limmat oder im Wald besonders schätzt. «Dabei kann ich richtig loslassen und geniessen.»
Treu bleibt Bernadette nicht nur ihrer Wahlheimat und ihrer Arbeitgeberin, sondern auch ihren Feriendestinationen. Den Frühling verbringt Bernadette jeweils auf der griechischen Insel Mykonos, den Spätsommer in Saas-Fee. Seit über 25 Jahren besucht sie das Walliser Bergdorf. Sie habe dort «schon längst alle Wanderwege abgewandert», doch von Langeweile fehlt jede Spur. «Es ist ein Nachhausekommen. Ich liebe es, jedes Jahr wieder auf dieselbe Alp zu derselben Ziegenfarm zu wandern, denselben Käse zu probieren und dieselben Menschen zu treffen.» Daraus entwickelten sich tiefe Freundschaften. «Ich habe nicht das Bedürfnis nach etwas Neuem. Ich bin genau so zufrieden, wie es gerade ist», sagt sie.
Der Ferienbeginn folgt jeweils einem festen Ritual. «Ich singe fürs Leben gern», schmunzelt Bernadette, und nach einer kurzen Pause präzisiert sie: «Aber nur im Auto!» So stellt Bernadettes Ehemann jeweils eine individuelle Reise-Playlist für sie zusammen, zu der während der Fahrt nach Saas-Fee ausgiebig gesungen wird. Es sind fast alle Genres vertreten, Elvis Presley gebührt aber eine Sonderstellung: «Seine Stimme ist einfach wahnsinnig», schwärmt Bernadette. Direkt auf Elvis Presley folgen Schlager, weshalb Bernadette auch ab und zu an Schlager-Openairs anzutreffen ist. Nicht nur der Musik, sondern auch der Stimmung wegen.
Es gibt aber auch Momente, in denen Bernadette Ruhe sucht und ganz und gar in ihrer eigenen Welt versinken kann. In diesen Momenten widmet sie sich Hand- und Bastelarbeiten jeglicher Art. Ihre Kreativität – und ihr Talent, so will ich meinen – kennt dabei keine Grenzen: Töpfern, stricken, häkeln, Glasperlen aufnähen, Marionettenpuppen bauen, Keramik bemalen oder mosaikartige Tiffany-Lampen gestalten, all das hat Bernadette in den letzten Jahren ausprobiert. So entstehen farbige Lampen, Teelichter oder Bilder. Bernadette zeigt mir ein paar Fotos von ihren Werken und ich merke schnell, dass ihre Produkte allesamt mit viel Liebe zum Detail gestaltet sind und makellos aussehen. «Für mich ist der perfekte Ausgleich zum Alltag, wenn ich etwas Kreatives mit den Händen erschaffen kann», sagt sie.
Bernadette gelingt es, ihr Leben auf Traditionen, Ritualen und Routine aufzubauen, es aber dennoch nie eintönig werden zu lassen. Sie gestaltet ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes bunt. Es gab Zeiten, da war keine einzige Wand in ihrem Zuhause weiss. Auch bei der Wahl der Haarfarbe darf es gerne knallig sein, zum Beispiel pink, violett oder dunkelrot.
Farbe bekennt Bernadette allgemein im Leben. Sie macht kein Geheimnis aus ihren Ansichten, sondern diskutiert gerne. Nicht nur im Privaten, auch im Job bringt sie ihre Meinung und ihren Erfahrungsschatz aktiv ein – am liebsten im persönlichen Austausch. Das ist es auch, was sich Bernadette für die nächsten 25 Jahre SRZ wünscht: «Dass Mitarbeitende das Gespräch miteinander suchen und Wert auf das Zwischenmenschliche legen, sodass wir weiterhin mit Motivation und Engagement für SRZ unterwegs sein können!» Und auch wenn Bernadette in ein paar Jahren in der wohlverdienten Pension sein wird, darf sich SRZ ihrer Treue sicher sein: «Wenn ich dann vorbeifahrende Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen sehe, werde ich ihnen zuwinken.»