Ich treffe Stephanie an einem unerwarteten Ort zum Gespräch: im Parkhaus Halle 53 in Winterthur. Doch als Stephanie lachend um die Ecke biegt und mir zuwinkt, ergibt der Treffpunkt durchaus Sinn. Ihr liebstes Hobby hat vier Räder und glänzt metallic-blau. Doch beginnen wir von vorn.
Stephanie ist zusammen mit zwei Brüdern im Zürcher Wehntal aufgewachsen, wo sie noch immer stark verwurzelt ist. Das Elternhaus befand sich unmittelbar neben einer bekannten Oldtimergarage und unweit des Schiessstands – eine Umgebung, die sie geprägt hat. Das Interesse für alte Autos nahm bereits früh seinen Lauf. Die grossen amerikanischen Autos, die blank poliert in der Sonne standen und mit ihren sonoren Motoren auf Probefahrten durchs Dorf fuhren, entfachten bei Stephanie eine Liebe, der sie bis heute treu geblieben ist. Mit 26 Jahren erfüllte sie sich den Traum vom ersten und bisher einzigen eigenen Auto. Ein Chevrolet Caprice Classic aus dem Jahr 1988 – natürlich mit einem V8-Motor, der einen unvergleichlichen Klang hat, wie sie sagt. Damals sei das Fahrzeug noch ein Youngtimer gewesen, klärt sie mich auf. Es wurde in den 80er-Jahren als «Familienkutsche» oder von Handwerkern gefahren. Ein Kombi mit viel Stauraum, mit dem man die Kinder zur Schule brachte oder den Wocheneinkauf transportierte. Viele gut erhaltene Exemplare dieses Modells sind heute nicht mehr auf dem Markt zu finden, doch damals war es ein erschwingliches Modell. Und obwohl es ein Liebhaberauto ist, das Stephanie hegt und pflegt, ist es für sie ein Nutzfahrzeug und kein Auto, das sie nur dreimal im Jahr fährt, wenn die Sonne scheint. Natürlich gibt es auch Reaktionen, wenn sie mit ihrem Chevy durch die Strassen kurvt. «Diese sind durchwegs positiv, was mich freut. Aber um diese Reaktionen geht es mir nicht. Ich habe einfach Freude an meinem Auto. Ich fahre deshalb gern Überland, wo es wenig bis keinen Verkehr gibt. Zu fahren mit dem Wind im Haar, der Spiegelung des Himmels auf der Motorhaube und dem dezenten V8-Geräusch im Ohr, das liebe ich, und es entspannt mich total», lacht Stephanie. Was klingt wie ein Werbespot, meint sie genau so. Man spürt ihre Leidenschaft.
Bei Reparaturen packt sie gern selbst an und macht sich die Hände schmutzig. Manchmal tut sie das zusammen mit einem guten Bekannten, der eine Garage besitzt und sie anleiten kann. «Vertrauen ist wichtig! Ich lasse nicht alle am Fahrzeug herumhantieren. Das Schöne an diesen alten Autos ist, dass man auch spürt, hört oder riecht, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Es leuchtet nicht nur ein Lämpchen auf, und man fährt zur Fachperson, die das Auto wieder auf Vordermann bringt. Es ist diese greifbare Technik, die mich immer schon fasziniert hat», erklärt Stephanie. Sie bevorzugt aber klar das Fahren, nicht die stundenlange Arbeit in der Garage. Sie ist gern in der Schweiz unterwegs und besucht auch ab und zu US Car Meetings. Zum Beispiel das Hangar Rockin’ im Simmental, das Lakeside Meeting in der Innerschweiz, das Route 66 in Aarburg oder ihr Lieblingstreffen, das Graffiti Night Meeting in Regensdorf. Ein kleines und eher familiäres Treffen, bei dem sie zehn Jahre lang auch für den damaligen Veranstalter die Fotos geschossen hat. «Bei diesen Anlässen sind alle willkommen – auch ohne Auto. Man tauscht sich aus und gibt sich Tipps. In dieser Zeit sind viele tolle Freundschaften entstanden», schwärmt Stephanie. Manchmal unternimmt sie auch Roadtrips ins Ausland: 2019 beispielsweise nach Schweden. Da dort wildes Campen erlaubt ist, wurde das Auto kurzerhand zum Wohnmobil umfunktioniert. Dank der grosszügigen Platzverhältnisse war das Übernachten im Kofferraum mit heruntergeklappten Rücksitzen kein Problem.
Doch nicht nur der Klang unter der Motorhaube bringt Stephanie ins Schwärmen, auch ein klassisches Konzert kann Hühnerhaut bei ihr auslösen. Bevor sie zu SRZ kam, arbeitete sie im Kongresshaus und war an der Quelle, wenn es um Konzerte und Veranstaltungen ging. Zudem hat sie selbst sieben Jahre lang Klavier gespielt. Orchester mit vielen Streichinstrumenten mag sie am liebsten. Die «Moldau» von Smetana und Vivaldis Klassiker «Vier Jahreszeiten» tauchen regelmässig in ihrer Playlist auf.
Apropos Jahreszeiten: In Sommer und Herbst ist Stephanie oft in den Bündner Bergen anzutreffen, wo sie sehr gern mit ihrem Partner wandern geht. Dabei entspannt sie sich, geniesst die Ruhe in der Natur und tankt neue Energie. Ausgeglichenheit und gute Laune sind für eine Mitarbeiterin am Empfang unerlässlich. In dieser Funktion ist sie die Visitenkarte des Hauses. Dieser Verantwortung ist sich Stephanie bewusst. Die gute Zusammenarbeit im Team und die Tatsache, dass man mit den unterschiedlichsten Personen und Themen im Haus zu tun hat und helfen kann, gefällt ihr und erfüllt sie. Dass sie dabei für eine Organisation arbeitet, die einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der Bevölkerung leistet, ist für sie eine zusätzliche Motivation.
Wie vielseitig Stephanies Interessen sind, zeigt ihr nächstes Hobby. Hier geht es laut zu und her. Denn einmal pro Woche ist Stephanie im Wehntaler Schiessverein anzutreffen. Das Schützenhaus steht unweit des Elternhauses – es ist wohl kein Zufall, dass die Geräuschkulisse ihr Interesse am Schiesssport beeinflusst hat. Am Knabenschiessen kam Stephanie das erste Mal selbst mit dem Schiesssport in Berührung. Heute wohnt sie zwar in Rümlang, kehrt aber gern zu ihren Wurzeln ins Wehntal zurück. Das Schiessen mit der Pistole ist ihre Paradedisziplin. Gelegentlich bestreitet sie Wettkämpfe – doch der soziale Aspekt steht im Vordergrund. Aber Stephanie wäre nicht Stephanie, wenn sie sich neben dem Schiessen nicht auch im Verein engagieren würde. Im Schiessverein ist sie auch als Schützenmeisterin tätig. In dieser Funktion trägt sie selbst keine Waffe, ist aber für die Eröffnung, die Vorbereitung, die Sicherheit während des Schiessens sowie das Abschliessen des Schiessstands zuständig. Zudem amtet sie seit 2018 als Aktuarin im Bezirksschützenverband Dielsdorf. Stephanie engagiert sich gern ehrenamtlich, wenn sie von der Sache begeistert ist. Beim Schützensport ist das definitiv der Fall. Auch auf persönlicher Ebene kann sie dem Schiesstraining nur Positives abgewinnen. «Es ist ein gutes Training, denn ein erfolgreicher Schuss erfordert viel Konzentration, einen klaren Fokus und eingespielte Abläufe. Es ist wichtig, in der Konzentrationsphase ruhig zu sein und richtig zu atmen – und zwar immer wieder aufs Neue. Nur weil man einmal eine Zehn geschossen hat, ist dies keine Garantie, dass der nächste Schuss wieder eine Zehn wird. Diese Tugenden helfen mir auch im Beruf», erklärt sie. Seit sieben Jahren arbeitet sie bei SRZ und ist jeden Tag mit viel Herzblut bei der Sache.