Die Berufsfeuerwehr (BF) rückt heute von den Wachen Süd und Flughafen (mit Interimswache Neunbrunnen) aus. Künftig verteilen sich die Berufsfeuerwehrleute und die Einsatzmittel zusätzlich auf die Wache Nord mit zentraler Einsatzlogistik (ZEL) sowie die Wachen West und Ost. Das Ausbildungskonzept wird deshalb schrittweise an das Mehrwachensystem angepasst.
Christian Wullschleger arbeitet seit 2009 bei SRZ und ist seit 2025 Leiter der Dienstgruppe (DG) 6 bei der BF am Standort Wache Flughafen. Er engagiert sich als Teilprojektleiter des Teilprojekts «Ausbildung» im OPK FWZS der Standortstrategie und gibt im Interview Einblick ins Grobkonzept.
Christian, was ist mit «Grobkonzept» gemeint?
Grob heisst nicht unpräzise, sondern noch nicht abschliessend. Wir haben im Grobkonzept bewusst noch nicht alle Aspekte bis ins letzte Detail geklärt (unter anderem Kurswesen, Kaderausbildung, Qualitätskontrolle). Wir erarbeiteten ein Konzept, das vorerst auf drei Wachen ausgerichtet ist und auf die weiteren Wachen (Endzustand Standortstrategie) adaptiert werden kann.
Welche Ziele verfolgt ihr mit dem neuen Ausbildungskonzept?
Mit diesem Konzept verfolgen wir vier Ziele:
- Die Ausbildung soll alle Mitarbeitenden gleichermassen fördern und fordern.
- Die Ausbildung soll die Mitarbeitenden bestmöglich auf ihre Einsätze vorbereiten.
- Wir wollen voneinander lernen.
- Wir bieten den Mitarbeitenden zeitgemässe Werkzeuge und Möglichkeiten für die Ausbildung.
Um diese Ziele zu erreichen, kombinieren wir Methoden wie theoretischen Unterricht, E-Learnings als Vorbereitung für die Praxis und Virtual Reality. Gleichzeitig gilt: Feuerwehrleute sind Handwerker*innen, deshalb setzen wir weiterhin auf möglichst viel Praxis.
Das Ausbildungskonzept soll das Voneinanderlernen ermöglichen. Wie funktioniert das, wenn die Teams halbjährlich rotieren?
Genau darin liegt die Herausforderung – und gleichzeitig die Chance. Seit 2021 wechselt ein Teil der Berufsfeuerwehrleute halbjährlich den Standort. Mit der Rotation stellen wir sicher, dass der grössere Teil der Mitarbeitenden das Wissen als Generalist*in behält. Mit dem neuen Ausbildungskonzept nehmen wir gleichzeitig bewusst in Kauf, dass sich die fest zugeteilten Mitarbeitenden spezialisieren. Durch dieses Zusammenspiel von Rotation und Spezialisierung bleibt das Voneinanderlernen möglich.
Im Betrieb mit drei Wachen wird ein Grossteil der Spezialeinsatzmittel in der Wache Süd stationiert sein und nur ein geringer Teil an Einsatzmitteln in der Wache Nord. Deshalb wird die Ausbildung in der Wache Süd am meisten Zeit beanspruchen. Im Konzept schlagen wir daher vor, die Rotation ab Juni 2029 (Inbetriebnahme Wache Nord durch BF) in zwei Blöcken zu machen. Zwei Dienstgruppen (DG) arbeiten aufgrund der Komplexität während eines Jahres im Süden, während je eine DG im Norden und eine DG am Flughafen im Wechsel von einem halben Jahr arbeiten. Nach einem Jahr wechseln die DG der Wachen Nord und Flughafen zusammen in den Süden, während die DG aus dem Süden für je ein halbes Jahr am Flughafen und in der Wache Nord arbeiten. Die Wachen West und Ost werden später ins Konzept eingebunden.
In den einzelnen Wachen werden künftig weniger Berufsfeuerwehrleute arbeiten. Inwiefern verändern sich die Prioritäten im Dienstbetrieb?
Bisher waren die Prioritäten im Dienstbetrieb klar geregelt. An erster Stelle standen die Einsätze, danach die Ausbildung und zuletzt die Ressortarbeit. Künftig braucht es mit kleineren Personalbeständen im Schichtbetrieb und stark variierendem Einsatzvolumen mehr Flexibilität. Einsätze haben weiterhin Vorrang. Ausbildung und Ressortarbeit sind nicht mehr starr hierarchisch geordnet, sondern richten sich nach dem Dienstbetrieb.
Wie setzt sich künftig ein Jahresausbildungsprogramm in der Praxis zusammen?
Das Jahresprogramm und die Mehrjahresplanung bestehen aus unterschiedlichen Trainingslektionen. Sie unterscheiden sich in drei Punkten: Sie finden innerhalb der Schicht oder in Form eines Ausbildungstags statt, sind je nach Material an einen Standort gebunden oder auf allen Wachen möglich und werden je nach Thema durch einen oder mehrere Ausbildner*innen, im Selbststudium oder extern vermittelt. Um eine breite Ausbildung verteilt auf das ganze Jahr zu ermöglichen, werden die Lektionen anhand der Spezialmittel auf die Wachen verteilt.
Wie macht ihr das konkret?
Wir unterscheiden bei den Ausbildungsformaten zwischen Grundlagen und Training. Die Grundlagen werden grösstenteils im Rahmen des Berufsfeuerwehrlehrgangs (BFL) vermittelt. Dennoch wird es spezifische Themen geben, die im Dienstbetrieb als Grundlagen vermittelt und bei Bedarf in den Tagesbetrieb integriert werden. In der Wache Süd zählt zum Beispiel die Grundausbildung für die Spezialmittel wie Universallösch-, Pionier- und Chemiewehrfahrzeug dazu, in der Wache Nord die Grundausbildung für das Wechselladefahrzeug (WLF) und am Flughafen die Aviatik-Grundausbildung.
Mit Training sind Ausbildungssequenzen zur Erhaltung der Fachkompetenz gemeint. Die Trainings bauen auf dem im BFL Erlernten und den Grundlagen auf. Die Trainings werden periodisch wiederholt. Dazu zählen unter anderem Fahrtrainings mit den Spezialfahrzeugen sowie das Üben mit Fahrzeugen, Gerätschaften oder Material.
Dazu kommen die Ausbildungstage. Was versteht ihr darunter?
Wir planen Ausbildungstage für die Kaderangehörigen und für die Mannschaft. Bei den Kaderausbildungstagen unterscheiden wir nach den Funktionen Einsatzleiter* in Berufsfeuerwehr, Zugführer*in und Gruppenführer*in. Auf Stufe Mannschaft finden derzeit ein bis zwei Ausbildungstage statt. Diese werden künftig nicht mehr ausreichen, da die zeitlichen Abstände zwischen den Arbeiten und Aufgaben auf den drei Wachen zu gross sind. Künftig sind es vier Ausbildungstage, die in engem Zusammenhang mit dem Rotationsrhythmus stehen und die Mitarbeitenden bestmöglich auf das Einsatzspektrum auf der nächsten Wache vorbereiten.
Wie integriert ihr die Ausbildung der Angehörigen der Milizfeuerwehr in das Konzept?
Ein eigenes Teilprojekt «MF & ZS» widmet sich der Ausbildung der Milizangehörigen. In diesem Rahmen werden der Leistungsauftrag der Miliz definiert und daraus Einsatzkonzepte abgeleitet. Im Detailkonzept Ausbildungskonzept Feuerwehr, das nun auf das Grobkonzept folgen wird, klären wir, wo sich Synergien bei der Ausbildung der Berufs- und Milizkräfte nutzen lassen.