«Wir wollten mit dem Gerät ins Internet – gerade auch während des Einsatzes», erzählt Daniel Haas, Abteilungsleiter Kunden Sanität und betont, wie hilfreich beispielsweise Online-Karten oder ein Medikamenten-Nachschlagewerk sein können. Was nach einem simplen Wunsch klingt, wurde zum Startschuss für ein Projekt, das zeigt, wie Digitalisierung konkret und nutzbringend umgesetzt werden kann. Mit SIBAP-Front steht den Einsatzkräften von Sanität und Berufsfeuerwehr nun ein robustes, vielseitiges und intuitiv bedienbares Tablet als Arbeitsmittel zur Verfügung – und das in Rekordzeit.
SIBAP steht für «Standardisierter Informatik-Büroarbeitsplatz » und ist ein Produkt von Organisation und Informatik Zürich (OIZ). Es handelt sich um ein Inventar- und Asset-Datenpflegetool, das die Hard- und Software aller städtischen Mitarbeitenden verwaltet. Dadurch ist der sichere Zugang zu den städtischen Netzwerken sichergestellt und gleichzeitig die zentrale Verwaltung der Geräte gewährleistet.
Bis vor Kurzem war das sogenannte Ambulance Pad der Sanität ein reines Dokumentationswerkzeug: ein Windows-Tablet, das ausschliesslich zur Erfassung von Einsatzrapporten genutzt wurde. Aufgrund von daten- und sicherheitstechnischen Überlegungen war im ursprünglichen Projekt aus dem Jahr 2019 der Zugriff auf das Internet oder die Bereitstellung von weiteren Funktionen nicht vorgesehen. Doch die Anforderungen im Einsatzalltag sind gestiegen und verlangten nach einer zeitgemässen Lösung.
Mit SIBAP-Front wurden diese Anforderungen aufgenommen und die Möglichkeit einer sinnvollen und kostengünstigen Nutzungserweiterung der bestehenden Hardware realisiert. Das neue System bietet Zugang zum städtischen Netzwerk, sowie zu Webanwendungen, Fachapplikationen und Microsoft 365. Damit wird das Tablet zum mobilen Büroarbeitsplatz für verschiedene Aufgaben – von der Einsatzdokumentation über die Lagerhaltung bis zur Dokumentenbibliothek mit Einsatzplänen von Spezialgebäuden wie dem Hauptbahnhof oder dem Flughafen Zürich.
Die Vision war dabei klar: eine standardisierte SIBAP-Plattform für alle Frontbereiche von SRZ – Sanität, Feuerwehr, Zivilschutz und Einsatzführung. Die Umsetzung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten aus den Frontbereichen, der SRZ ICT sowie der OIZ, und das mit beeindruckender Geschwindigkeit: Aufgrund der schon vorhandenen Hardware im Bereich Sanität konnte bereits ein halbes Jahr nach dem Startschuss die erste Testphase durchgeführt werden.
Für die Sanität bedeutet das konkret: total 70 Geräte. Davon sind 38 auf den verschiedenen Einsatzfahrzeugen von Rettungsdienst, Verlegungsdienst und den präklinischen Fachspezialist*innen im täglichen Gebrauch. Die Tablets ermöglichen nebst der mobilen, digitalen Erfassung von Einsatzdaten, dass Dokumentationen zu Sicherheitskontrollen an Fahrzeugen erfasst, Nachweise bei der Lagerhaltung von Betäubungsmitteln erstellt und die Beurteilungen von Studierenden erfolgen können.
Für die Berufsfeuerwehr ist das Gerät ein wertvoller digitaler Begleiter. Mit wenigen Klicks erhalten die Einsatzkräfte Zugriff auf einsatzrelevante Informationen, Checklisten oder Objektpläne sowie externe Anwendungen wie die Gefahrgutdatenbank Hazmat. Zudem ist es mit dem Gerät nun möglich, von der ersten Minute an im Einsatz ein elektronisches Einsatzjournal zu führen. Die integrierte Kamera erlaubt die schnelle Erfassung und Übermittlung von Bildern, etwa zur Visualisierung von Schadenlagen. Dank 5G-Verbindung, hoher Bildschirmkontraste und robuster Bauweise ist das Gerät rund um die Uhr einsatzbereit.
Ein zentrales Anliegen war die Zuverlässigkeit im Einsatz. Deshalb wurde auf eine standardisierte Betriebsumgebung gesetzt. Dazu gehören Geräte mit PIN-Sperre, Zugriff über Mobile-VPN, Integration in die OIZ-Umgebung und automatisierte Gerätekonfigurationen. Erzwungene Software-Updates während eines Einsatzes wurden ausgeschlossen. Die Betriebsorganisation – von der Bestellung über Störungen bis zur Reparatur – liegt in den Händen der OIZ.
Der Erfolg von SIBAP-Front zeigt, was möglich ist, wenn die richtigen Menschen zusammenkommen: Nutzende, die ihre Anforderungen klar formulieren. Projektleitende, die vernetzt und lösungsorientiert arbeiten. Und technische Spezialist*innen, die auch ungewöhnliche Anforderungen umsetzen können. Als das Projektteam eine Einladung der OIZ erhielt für eine Präsentation am «Digital Forum», einer städtischen IT-Fachtagung im Volkshaus, war schnell klar: Wir präsentieren gemeinsam und berichten auch aus Sicht der Nutzenden. Die Präsentation fand grossen Anklang und war zweimal sehr gut besucht. In der Pause stahlen die Blaulichtfahrzeuge den SIBAP-Front-Geräten zwar ein wenig die Show, jedoch war der Link zu den Tablets rasch hergestellt, um die Vorteile eines Geräts aufzuzeigen, das ins Internet kann.
SIBAP-Front ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Digitalisierung konkret, pragmatisch und nutzendenorientiert umgesetzt werden kann. Die Vorteile liegen auf der Hand:
An einem Ort
Alle relevanten Daten sind jederzeit und aktuell griffbereit. Eine Auswahl der relevantesten Websites und Dokumente wird auf der Sharepoint-Seite «Ambulance Pad Kiosk» resp. «Einsatzinformationen Berufsfeuerwehr» bereitgestellt.
Effizient
Physisch vorhandene Papierdokumente können ersetzt, Dokumentationen von unterwegs erstellt und Nachschlagewerke aufgerufen werden.
Flexibel und zukunftsfähig
Ein Gerät für viele Aufgaben – vom Einsatzjournal bis zur GIS-Karte. Mitarbeitende haben zudem die Möglichkeit, ihre M365-Applikationen aufzurufen.
Sicher
Durch die Einbindung in die städtische IT-Infrastruktur werden die Vorgaben zur städtischen IT-Security eingehalten. Im Updateprozess werden dabei regelmässig auch kleinere Wartungen durchgeführt (Griffwechsel, Monitorfolie wechseln, Reinigung usw.), was die Ausfälle im operativen Einsatzbetrieb erheblich minimiert.