Bei heissen Temperaturen sehnen sich die Menschen nach einer Abkühlung im Wasser. Was sich herrlich erfrischend anfühlt, bringt leider auch Gefahren mit sich. Im vergangenen Jahr musste die ELZ von SRZ insgesamt38-mal aufgrund von Notrufen zur Meldung «Person im Wasser» die entsprechenden Einsatzmittel disponieren. Die Komplexität solcher Einsätze stellt die involvierten Rettungsorganisationen dabei stets vor grosse Herausforderungen.
Stürzt jemand in ein Fliessgewässer und wird abgetrieben, gestalten sich die Lokalisierung und die Rettung oft komplex. Im Gegensatz zu anderen Rettungen – zum Beispiel an Land oder in stillen Gewässern – verändert sich der Einsatzort ständig. Das verlangt den Rettungskräften ab Beginn des Einsatzes sehr viel ab. Die benötigten Mittel und Personen müssen gezielt aufgeboten und innert kürzester Zeit eine Einsatztaktik festgelegt werden. Hinzu kommt, dass sich die Einsatzleitung an einem definierten Ort treffen muss, um den Einsatz von dort aus zu führen und sich bei neuen Informationen gegenseitig auf den aktuellen Wissensstand bringen zu können. Doch wo ist dieser Ort, wenn sich die Position der Hilfe suchenden Person zwischen dem abgesetzten Notruf und dem Eintreffen der Rettungskräfte unter Umständen um mehrere Hundert Meter verändert hat? Diese Unklarheit hat in der Vergangenheit manchmal dazu geführt, dass die Einsatzleiter*innen der Partnerorganisationen während des gesamten Einsatzes nie physisch zusammengefunden haben und somit keine Absprache durchführen konnten.
Um diese Problematik in den Griff zu bekommen, hat die Abteilung Einsatzplanung & Konzeption von SRZ ein neues Konzept ausgearbeitet. Dieses legt eine einheitliche Einsatztaktik für die Fliessgewässer im Dispositionsgebiet (alle der ELZ angeschlossenen Kantone: ZH, SH, SZ, ZG) fest. Das zentrale Element des Konzepts bildet eine Übersichtskarte für die grössten Flüsse im Kanton: die Eulach, die Glatt, den Hochrhein, die Limmat, die Reuss, die Sihl und die Töss. Nebst SRZ arbeiten auch andere Organisationen mit ähnlichen Konzepten, so z. B. die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG Mittelrheintal.
Jedes dieser Fliessgewässer wurde in mehrere Abschnitte unterteilt (rote Nummern). Die Länge eines Abschnitts ist von mehreren Faktoren (Flusslauf, Hindernisse, Fliessgeschwindigkeit, Interventionszeiten usw.) abhängig. Auf der Karte sind die relevanten Brücken markiert und entsprechend den Abschnitten nummeriert. Dies erlaubt es, im Einsatz eine einheitliche Sprache (Brückennummerierung) zu sprechen – und es erleichtert somit die Koordination. Die Länge der Abschnitte ist so festgelegt, dass eine treibende Person bis zur Ankunft der aufgebotenen Einsatzkräfte nicht am Standort der Sicherung (am Ende des Folgeabschnitts) vorbeigetrieben worden sein sollte. So können die Suche und Rettung durch die Einsatzleitung innerhalb des definierten Gebiets organisiert werden.
Geht bei der ELZ von SRZ ein Notruf bezüglich einer im Fluss treibenden Person ein, wird diejenige Stelle festgehalten, an der sie gesichtet wurde. Da sich die Position dieser Person aber nun stetig verändert, bietet die ELZ die Ortsfeuerwehr(en) auf. Die Feuerwehr verteilt sich im betroffenen und dem darauffolgenden Abschnitt auf den Brücken flussabwärts des Orts, an dem die Person gemeldet wurde. Pro Brücke positionieren sich mindestens zwei Angehörige der Feuerwehr (AdFW). Zusätzlich fährt ein RTW umgehend zum Ort der letzten Sichtung. Dank des Nächst-Best-Systems trifft in vielen Fällen innert weniger Minuten ein RTW ein, was eine frühzeitige Sichtung und eine lebensrettende Erstversorgung ermöglicht. Ein NEF fährt ebenfalls dorthin und setzt den*die Notärzt*in zur unmittelbaren Übernahme der medizinischen Versorgung ab. Auch die Luftrettung unterstützt bei der Suche. Die Einsatzleitung von Feuerwehr, Sanität und Polizei trifft sich währenddessen am Ufer oder Brückenkopf der nächsten Abschnittsgrenze (rote Nummern). So ist die Absprache zwischen den involvierten Disziplinen jederzeit gewährleistet.
Ausgerüstet mit Wurfsack und Schwimmweste beobachten die AdFW nun auf ihrer jeweiligen Brücke den Fluss und versuchen, die treibende Person zu sichten. Gelingt dies, erfolgt eine sofortige Meldung per Funk an die ELZ, von welcher Brücke aus die Person gesehen wurde, wie sie aussieht und auf welcher Flussseite sie treibt. Nun können die Einsatzkräfte mit der Rettung beginnen. Diese erfolgt durch speziell ausgebildete Wasserretter*innen oder – wenn möglich und sicher – vom Ufer aus mittels Wurfsäcken. Dazu beordert die Einsatzleitung die Wasserrettung und den Rettungsdienst mit Notärzt*in nach Sichtung der treibenden Person zu dem Ort, an dem die Rettung stattfinden wird. Bei der Rettung hat die eigene Sicherheit der Einsatzkräfte oberste Priorität. Die ELZ von SRZ übernimmt während des gesamten Einsatzes die zentrale Koordination aller beteiligten Kräfte.
Nebst umfassenden Absprachen mit den Partnerorganisationen organisierte SRZ Ende Mai eine Konzeptüberprüfungsübung mit allen involvierten Disziplinen. Dabei wurden Abläufe sowie Kommunikations- und Führungsstrukturen erfolgreich überprüft und verfeinert, um die neuen Prozesse pünktlich zum Beginn der Badesaison umsetzen zu können. Zur Information für die Einsatzkräfte steht seit Anfang Sommer ein Erklärvideo bereit, das die Abläufe im Detail aufzeigt. Für die Limmat wird das Konzept seit Anfang Juli angewendet.