Herr Hauri, wie gelingt es einer Stadt, Alterspolitik wirkungsvoll zu gestalten?
Indem wir die Menschen mitreden lassen, die es betrifft. Die Altersstrategie 2035 wurde in einem breiten Mitwirkungsprozess entwickelt – mit Fachleuten, Organisationen und älteren Menschen selbst. Dieses Miteinander hat nicht nur die Qualität, sondern auch die Akzeptanz der Strategie entscheidend geprägt. Heute pflegen wir den Austausch mit internen und externen Partnern an der jährlichen Altersstrategie-Konferenz oder in der Begleitgruppe Altersstrategie.
Was bedeutet es konkret, wenn Sie sagen, die Stadt Zürich verfolge ein «nutzendenzentriertes Vorgehen»?
Das heisst, wir entwickeln Angebote konsequent entlang der Bedürfnisse der älteren Menschen. Dafür haben wir eine Toolbox für Projektleitende geschaffen, die Projektleitenden Methoden und Werkzeuge an die Hand gibt, um ihre Zielgruppen direkt einzubeziehen. Für die Verwaltung ist das ein Kulturwandel, weg vom Denken «für» hin zum Arbeiten «mit» den Menschen. Dieses Prinzip muss von oben gefördert werden, auch indem wir Zeit und Ressourcen dafür bereitstellen.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Unsere Verwaltungsstrukturen sind oft auf Planungssicherheit ausgelegt – das steht manchmal im Widerspruch zu einem agilen, lernenden Vorgehen. Wir müssen den Mut haben, Neues auszuprobieren, auch wenn mal etwas nicht gelingt. Zudem braucht es genügend Ressourcen, gerade bei privaten Partnerorganisationen, die wichtige Arbeit leisten, aber oft am Limit sind.
Welche Rolle spielt die Politik?
Eine ganz zentrale. Wir müssen Fehlanreize aufzeigen und korrigieren – etwa in der Betreuung, wo die Finanzierung lange Zeit einseitig war. Mit den neuen Finanzhilfen BZZL und BeaüP ermöglichen wir, dass Menschen mit kleinem Budget länger zu Hause leben können. Wichtig ist auch die Netzwerkarbeit: mit anderen Städten, Verbänden, auf kantonaler und nationaler Ebene.
Wie würden Sie die Alterspolitik der Stadt Zürich charakterisieren?
Sie ist offen, vielfältig und dynamisch. Wir gehen von einem diversen Altersbild aus, denn Senior*innen sind keine homogene Gruppe. Unsere Aufgabe ist es, Voraussetzungen zu schaffen, damit Menschen ihr Alter selbstbestimmt gestalten können. Die Altersstrategie 2035 ist kein starres Programm, sondern ein lebendiger Rahmen, den wir laufend weiterentwickeln. Dazu gehört, zuzuhören – «mit den Ohren auf der Strasse» zu bleiben.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass der Bund und die Kantone gute Rahmenbedingungen schaffen – etwa bei der Pflege- und Betreuungsfinanzierung – und erfolgreiche kommunale Projekte stärker unterstützen. Weiterhin unverzichtbar bleibt die Unterstützung durch die verwaltungsexternen Partner. Denn wirklich Gutes entsteht nur gemeinsam – mit Verwaltung, Fachorganisationen und engagierten Menschen aus der Bevölkerung.