Warum haben Sie speziell dieses Werk ausgewählt?
Daniel Müller: Seit meiner Kindheit begeistern mich Geometrie und Konstruktion. Zudem mag ich Zahlenreihen, logische Folgen und Rubiks Cube (ein berühmtes Drehpuzzle). All dies entdecke ich in den Werken der Zürcher Konkreten, einer künstlerischen Bewegung, der neben Max Bill, Camille Graeser und Verena Loewensberg auch Paul Richard Lohse angehört. Um ihre Werke zu bewundern und weitere konstruktive Künstler*innen kennenzulernen, gehe ich regelmässig in das Museum Haus Konstruktiv in Zürich.
Als sich mir beim Durchstöbern des Online-Katalogs der städtischen Kunstsammlung die «Vier Kreuzgruppen verbunden 1956/1966/3» von Richard Paul Lohse präsentierte, sprach mich das kräftige Bild direkt an. Für mich war schnell klar, dass ich mich mit dem Werk sehr wohl fühlen werde.
Welche Kunst haben Sie sich ursprünglich gewünscht, ausleihen zu können, und warum?
Als ich von meinem Vorgesetzten, der ebenfalls ein Bild aus der städtischen Sammlung in seinem Büro «ausstellt», den Hinweis bekam, ich könne mir auch ein Werk ausleihen, machte ich mir noch keine Vorstellung, welch grossartige und umfangreiche Kunstsammlung die Stadt Zürich besitzt. Ich öffnete ahnungslos den Online-Katalog auf der Suche nach einem beruhigenden Landschaftsbild des Zürichsees oder einem Bild mit Blick über das Limmatquai mit typischen Turmsilhouetten der verschiedenen Kirchen.
Umso überraschter war ich dann aber, als neben Gemälden aller Epochen und Stilrichtungen auch Skulpturen und Installationen verfügbar waren. So wich der ursprüngliche Gedanke an ein Landschaftsbild bald der Vorstellung, in der Sammlung ein Werk von Max Bill zu entdecken. Leider waren seine Werke bereits alle ausgeliehen und zieren Räume anderer Kunstbegeisterter.
Was bedeutet Ihnen das ausgewählte Werk in Ihrem Arbeitsalltag?
Es ist eine grosse Ehre, von einem bewunderten Künstler ein originales Werk im Büro aufhängen zu dürfen, welches ich mir privat nicht leisten könnte. In unserer sonst eher monotonen Büroumgebung ermöglicht das Werk eine gewisse Personalisierung des Raumes und löst mit seiner Stahlkraft jedes Mal ein Wohlgefühl aus, wenn ich an meinen Arbeitsplatz zurückkehre.
Welche Art von Kunst können Sie sich keinesfalls in Ihrem Büro respektive Arbeitsumfeld vorstellen?
Es ist weniger die Stilrichtung als vielmehr das Motiv, welches mir nicht gefallen würde. Ich mag beispielsweise in der Regel keine Porträts und auch Tierbilder sprechen mich nicht an. Ganz schlimm finde ich Symbole wie Herzen oder Regenbogen, da sie für meinen Geschmack einfach zu kitschig sind.
Wie beeinflusst das ausgewählte Werk das Arbeitsklima?
Das ist schwierig zu sagen. Ich arbeite in einem Grossraumbüro mit sieben Arbeitsplätzen. Meine Kolleg*innen hatten in den letzten Jahren offenbar nicht das Bedürfnis nach Bildern und Wandschmuck. Da, wo jetzt der Lohse zu sehen ist, hing vorher ein Whiteboard mit funktionalen Diagrammen und Listen zu operativen Themen, befestigt mit bunten Magneten. Das von mir gewählte «Wunschbild» gefiel nicht allen, störte aber auch niemanden. Somit beeinflusst es dann wohl auch hauptsächlich mein persönliches Arbeitsklima und strahlt in den Raum – gerade so wie ich selbst.
Künstler: Richard Paul Lohse (1902–1988)
Werk: «Vier Kreuzgruppen verbunden 1956/1966/3», 1956/1966, Öl auf Leinwand, 100 x 100 x 2 cm
Das Werk befindet sich seit 1967 in der Kunstsammlung der Stadt Zürich.
Foto: Daniel Kunz