Warum haben Sie speziell dieses Werk ausgewählt?
Gabriela Rothenfluh: Es war «Liebe auf den ersten Blick». Als ich zum ersten Mal die Kunstsammlung besuchte, um für mein Büro und die Gänge in unseren Büros Bilder auszusuchen, dachte ich mir: «Mal schauen – vielleicht haben sie eine passende Plastik da.» Und da standen sie gleich beim Eingang: meine zwei Hähne! Die Plastik gefällt mir, weil man nicht auf den ersten Blick erkennt, was dargestellt wird – zumindest, wenn man den Titel nicht kennt. Obwohl es ein Kampf ist, wirkt die Plastik auf mich grazil und leicht. Besonders freut es mich, dass die Plastik von der Zürcher Künstlerin Annemie Fontana (1925–2002) ist. Bisher kannte ich von ihr vor allem grosse Kunstwerke im öffentlichen Raum.
Welche Kunst haben Sie sich ursprünglich gewünscht, ausleihen zu können, und warum?
Da ich mir nicht die Mühe gemacht hatte, vorher den Online-Katalog zu durchforsten, ging ich völlig planlos in die Kunstsammlung und schätzte es sehr, dass ich vor Ort mit Vorsicht durch die Sammlung stöbern durfte.
Nachdem die Auswahl der Plastik innerhalb von Sekunden erledigt war, gelang es dann auch, die passenden Bilder für die verschiedenen Wände zu finden. Es war eine freudige Stunde und ich verliess die Kunstsammlung mit einem absoluten Glücksgefühl.
Was bedeutet Ihnen das ausgewählte Werk in Ihrem Arbeitsalltag?
Inzwischen ist aus der Liebe auf den ersten Blick schon fast eine Liebesbeziehung geworden. Als wir im letzten Sommer die Büros zügeln durften, wollte ich die Plastik eigentlich an die Sammlung zurückgeben und nach etwas Neuem Ausschau halten. Doch bereits nach kurzer Zeit vermisste ich die beiden Hähne. Sie zaubern mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht und manchmal ertappe ich mich, wie ich mit den beiden in Gedanken spreche oder sie beim Vorbeigehen kurz streife.
Welche Art von Kunst können Sie sich keinesfalls in Ihrem Büro respektive Arbeitsumfeld vorstellen?
Da ich in meinem Büro viele Gespräche führe – häufig mit schwierigem Inhalt und mit Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen –, fände ich düstere oder anzügliche Kunst an meinem Arbeitsplatz unangebracht.
Wie beeinflusst das ausgewählte Werk das Arbeitsklima?
Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen beim Eintreten in mein Büro kurz innehalten und die Kunstwerke an den Wänden und auf dem Möbel betrachten. Viele äussern ihre Begeisterung für die einzelnen Werke und vor allem für das Gesamtbild. Der Hahnenkampf erzeugt die meisten Gespräche und Diskussionen. Diese Momente erzeugen aus meiner Sicht eine Art von Pause, Durchatmen oder Entspannung.
Künstlerin: Annemie Fontana (1925–2002)
Werk: «Hahnenkampf», um 1956, grünlich-braun patinierter Bronzeguss auf Marmorsockel, Plastik 48 x 32 x 52 cm. Das Werk befindet sich seit 1960 in der Kunstsammlung der Stadt Zürich
Werk an der Wand: Markus Weggenmann (*1953), «Ohne Titel 2003/2», 2003, Farbsiebdruck auf Papier, Blatt 35 x 70 cm. Das Werk befindet sich seit 2007 in der Kunstsammlung der Stadt Zürich.
Foto: Daniel Kunz