Warum haben Sie speziell dieses Werk ausgewählt?
Mich hat die ruhige und doch bewegte Präsenz des Werks «Holzzeichen» sofort angesprochen. Es erinnert mich an einen Menschen, der in einem bewegten Umfeld steht und dennoch Ruhe ausstrahlt – standhaft, aber nicht starr. Die Einfachheit der Form und die Reduktion in der Ausführung geben eine Klarheit, die gleichzeitig aber viel Raum für Interpretation lässt. Jede*r kann sich seine eigenen Gedanken machen.
Bei den beiden Drucken faszinierte mich der schon fast meditative Charakter, gerade wenn beide Bilder zusammen sind. Die Drehkreise werden erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Dabei eröffnen die kreisenden, sich überlagernden Allee-Bilder neue Blickwinkel, was gerade in meinem Berufsalltag wichtig ist: Perspektivenwechsel ermöglichen, einen zweiten Blick darauf werfen. Die drei Werke ergaben für mich eine sehr passende Einheit, schon fast wieder ein Werk für sich mit einer guten Balance zwischen Struktur und Offenheit.
Was für Kunst haben Sie sich ursprünglich gewünscht, ausleihen zu können, und warum?
Ich wollte ein Werk, das mich direkt anspricht – visuell und intuitiv. Es sollte zum Denken anregen, eine gewisse Präsenz und Energie mitbringen und mir und meinen Besucher*innen auch ermöglichen, zwischendurch innezuhalten – also ein Blickfang, der anregt und trotzdem nicht dominiert. Ich bin froh, dass die Werke von Ruedi Bechtler genau das leisten – auf eine klare, reduzierte, aber sehr bestimmte Weise.
Was bedeutet Ihnen das ausgewählte Werk in Ihrem Arbeitsalltag?
Die Werke sind für mich eine tägliche Einladung, den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Die Drehkreise bringen eine gewisse Dynamik und erinnern daran, dass Prozesse nicht immer linear verlaufen und verschiedene Perspektiven möglich sind und möglich sein sollen. Dies öffnet gedanklich neue Wege. «Holzzeichen» hingegen stellt für mich den Menschen in den Mittelpunkt – ein fast körperlich spürbares Gegenüber, das präsent ist, ohne zu dominieren. Beide Aspekte – die Menschen und der stete Perspektivenwechsel – sind für mich zentrale Elemente meines Arbeitsalltags.
Welche Art von Kunst können Sie sich keinesfalls in Ihrem Büro respektive Arbeitsumfeld vorstellen?
Zu grelle, überladene oder provokante Werke würden für mich nicht passen – sie wären mir zu laut und zu aufdringlich im Arbeitskontext. Kunst soll herausfordern, aber es kommt auch auf den Kontext an. Mir ist wichtig, dass sich meine Besucher*innen im Büro wohlfühlen. Die Kunst in meinem Büro soll daher einladend sein, durchaus zum (Nach-)Denken anregen, aber nicht abschrecken.
Wie beeinflusst das ausgewählte Werk das Arbeitsklima?
Mir persönlich bringen die Werke immer wieder einen Moment des Innehaltens. Sie schaffen eine angenehme Atmosphäre. Gerade die monochromen Farben und die Wiederholungen der runden Formen haben etwas Ruhiges, Meditatives. Es hilft mir, kurz aus dem Getriebenen des Arbeitsalltags auszusteigen, den Blick zu sammeln und neu auszurichten. Auch Kolleg*innen haben mich schon viel auf die Werke angesprochen, sie lösen trotz ihrer ruhigen Art etwas aus. Diese Qualität schätze ich sehr – auch weil sie leise ist, aber wirkungsvoll.
Künstler: Ruedi Bechtler (*1942)
Werke: «Holzzeichen (dunkelblau)», 2. Hälfte 1980er-Jahre, Acryl auf Sperrholz, 85 x 105 x 2.5 cm, und «Drehkreis (Baumallee)», 2008–2014, zwei Laserdrucke auf Papier, je 60 x 90 cm
Die Werke befinden sich seit 2024 in der Kunstsammlung der Stadt Zürich.
Foto: Esther Mathis