Heute ist die BBF an vielen Schulen der Stadt gelebte Praxis. Ein Blick zurück zeigt, wie dieses gemeinsame Projekt seinen Anfang nahm. Die Einführung des neuen Konzepts war von Beginn weg ein Gemeinschaftsprojekt: Initiiert vom Schulamt, getragen von Schulen, Behörden und der Politik – und ermöglicht durch einen breiten gesellschaftlichen Konsens.
Das widerspiegelt sich im deutlichen Abstimmungsergebnis des Zürcher Gemeinderats vom 30. November 2022 zur Einführung des neuen Konzepts BBF:
- 98 Ja-Stimmen
- 14 Nein-Stimmen
- keine Enthaltungen
Das Signal des Gemeinderats war klar: Die Stadt Zürich will Begabungen systematisch fördern. Zudem wurde die BBF mit dem Beschluss der Zürcher Schulpflege vom 4. Juli 2023 im neuen Reglement BBF rechtlich verankert. Seither läuft die Einführung – in vier Etappen bis Ende Schuljahr 2026/27. Eine höchst anspruchsvolle Umsetzung, ist die Stadt Zürich doch mit 126 Schulen die grösste Schulgemeinde der Schweiz.
Mit der BBF entsteht mehr als ein Förderangebot. Es ist ein Zusammenspiel unterschiedlichster Akteur*innen: Schulleitungen, die die Qualität ihrer Schule sichern und weiterentwickeln. Lehrpersonen, die sich weiterbilden und neue Rollen einnehmen. Fachpersonen für Begabungs- und Begabtenförderung, die ihre Expertise in die Schulen tragen. Behörden, die Rahmenbedingungen für eine gelingende Umsetzung der BBF schaffen. Und zentral: Kinder und Jugendliche, die ihr Lernen selbstständig gestalten und reflektieren, ihre eigenen Stärken erkennen und sich zunehmend kompetent und selbstwirksam erfahren.
Die Zürcher Schulpflege, mit ihren sieben Kreisschulbehörden, gestaltet die Entwicklung ebenso mit wie das Schulamt der Stadt Zürich mit seiner Fachstelle für Begabungs- und Begabtenförderung. Auf Ebene der Schulen bringen sich Schulteams, Elternräte und weitere Gremien ein. Gleichzeitig werden Lehrpersonen in grosser Zahl qualifiziert – mit CAS- und MAS-Programmen an Institutionen wie den Pädagogischen Hochschulen Zürich, Nordwestschweiz, Luzern, Bern und der Hochschule für Heilpädagogik Zürich. So entsteht ein Netzwerk, das Begabungsförderung gemeinsam trägt und weiterentwickelt.
Die Wurzeln der BBF in der Stadt Zürich reichen weit zurück: Bereits 2004 lancierte die Stadt Zürich mit dem Programm «Universikum» ein pionierhaftes Modell zur Förderung von Begabungen – ein damals innovativer Ansatz – der heute den Anforderungen einer wandelnden Pädagogik und Gesellschaft nicht mehr gerecht wird. Die Ansprüche an die Schule sind seitdem gestiegen. Es geht nicht mehr nur um punktuelle Fördermassnahmen, sondern um eine durchgängige, systematische und integrative Begabungsförderung über alle Stufen der Volksschule hinweg.
Deshalb erhielt 2015 das Schulamt den Auftrag, ein neues, zeitgemässes Konzept zu entwickeln. 2018 wurde dieses Konzept erstmals genehmigt – und mit der politischen Zustimmung im Jahr 2022 begann schliesslich die Umsetzung.
Ziel ist es, dass Schüler*innen ihr Lernen selbstständig gestalten und reflektieren, ihre eigenen Stärken erkennen und sich zunehmend kompetent und selbstwirksam erfahren – im Unterricht und in passenden Förderangeboten.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Fachpersonen für Begabungs- und Begabtenförderung (BBF). Sie unterstützen die Lehrpersonen bei der Gestaltung von differenzierenden Unterrichtsangeboten, um den Lernenden individuelle Lernwege zu ermöglichen und sie zielgerichtet zu begleiten und dabei besondere Begabungen oder Potenziale früh zu erkennen.
Für Schüler*innen mit ausgeprägten Interessen und Fähigkeiten steht die Begabtenförderung zur Verfügung - etwa schulinterne Pull-Out-Programme oder Forschungszentren auf Schulkreisebene. Dort bearbeiten sie eigenständig Themen und Forschungsfragen und erhalten Begleitung durch Fachpersonen BBF, Lehrpersonen Forschungszentrum und Expert*innen. In gewissen Situationen können nach einem Bewerbungsverfahren für ausgewiesene Exzellenz sogar Mentorate eingerichtet werden.
Das neue Konzept folgt dabei einem zentralen Grundsatz: Begabungen zeigen sich in einem passenden, förderlichen Umfeld. Deshalb wird die Förderung im Unterricht auf die individuelle Entwicklung abgestimmt.
Begabungsförderung ist mehr als eine pädagogische Aufgabe. Denn die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen prägt nicht nur ihren eigenen Lebensweg, sondern auch die Zukunft der Stadt Zürich.
Wenn Begabungen früh erkannt und gefördert werden, entstehen Chancen: für die einzelnen Schüler*innen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt. Deshalb engagieren sich in der Stadt Zürich nicht nur Schulen, sondern auch Behörden und die Politik in der BBF. Sie schaffen die Voraussetzungen, damit Förderung systematisch und langfristig umgesetzt werden kann.