Die Rolle der KSB-V ist dabei vielfältig. Sie koordinieren, beraten, begleiten Schulen und schaffen Verbindungen zwischen Schulamt, Behörden und Schulen. Martina Keller beschreibt ihre Aufgabe als «Bindeglied zwischen Schulamt und Schulen». Informationen sollen «in beide Richtungen fliessen».
Dabei geht es längst nicht nur um Organisation. Besonders wichtig sei die Vernetzung, sagt Elke Robinson: «Viele Ideen kommen von anderen Schulen.» Themen wie Minderheiten in der BBF, selbstorganisiertes Lernen oder konkrete Unterrichtsideen werden gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt.
Mit der stadtweiten Einführung verändert sich nun auch die Rolle der Schulkreise. Während anfangs der Aufbau im Vordergrund stand, geht es heute zunehmend um Weiterentwicklung und Qualitätssicherung. Schulen reichen Factsheets ein, Konzepte werden besprochen und kritisch reflektiert. «Teilweise muss man auch sagen: Das ist nicht BBF nach dem städtischen Konzept. Das müssen wir anpassen.»
Trotzdem erleben die Vertreterinnen dies weniger als Kontrolle, sondern vielmehr als gemeinsamen Entwicklungsprozess. «Die Gespräche mit den Schulen nehme ich mehr als Beratungen wahr», sagt Robinson. «Die Schulen sind sehr offen und wollen immer weiterlernen.»
Immer wieder sprechen die drei Vertreterinnen über das Begabungsverständnis hinter BBF. Dieses sei entscheidend für die Akzeptanz an den Schulen. «Jede Schüler*in hat eine Begabung», sagt Robinson. «Das ermöglicht viel.» Dadurch werde deutlich, dass nicht nur eine kleine Gruppe profitiert, sondern grundsätzlich alle Kinder.
Auch Martina Keller betont diesen Gedanken: «Alle Kinder haben Begabungen und Interessen.» Die Aufgabe der Fachpersonen BBF sei es, diese sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Das wirke weit über einzelne Förderangebote hinaus. «Dieses Individuelle kommt dann auch der ganzen Klasse zugute.»
Gerade im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 habe BBF viele Entwicklungen zusätzlich angestossen. Individualisierung sei zwar schon länger gefordert gewesen, sagt Brunnschweiler. «Aber BBF hat einen Drive gegeben, das nochmals anzuschieben.»
Besonders eindrücklich sprechen die drei Vertreterinnen über die Fachpersonen BBF. Sie werden als Motoren der Unterrichts- und Schulentwicklung beschrieben – engagiert, kreativ und hoch vernetzt.
«Dass es diese Fachpersonen gibt, ist Gold wert», sagt Robinson. Die Fachpersonen seien die «Crème de la Crème – so kreativ, so engagiert».
Auch Keller erlebt eine aussergewöhnliche Kultur des Teilens: «Sie teilen alles. Unterlagen, Konzepte – das nehme ich nirgends so extrem wahr wie in der BBF.» Oft brauche es gar nicht viel Steuerung. «Wir stellen die Plattform zur Verfügung – und dann läuft es.»
Wie stark die Fachpersonen ihre Schulen prägen, zeigt sich auch in Gesprächen vor Ort. Brunnschweiler beschreibt diese Besuche mit einem Lächeln: «Wenn man mit den Fachpersonen BBF spricht, fühlt es sich manchmal nicht wie Arbeiten an, sondern wie ein sehr angeregter Austausch während einer Weiterbildung – weil sie so vertieft und begeistert über ihren Arbeitsalltag berichten.»
Trotz aller positiven Entwicklungen sprechen die Vertreterinnen auch offen über Herausforderungen. Besonders die Sekundarschule sei anspruchsvoll. Jugendliche befänden sich in der Lehrstellensuche, Themen wie Motivation oder Heterogenität würden komplexer. Gerade wenn es Richtung Berufswahl geht, wollen manche Jugendliche nicht im Regelunterricht fehlen. Hier sind die Fachpersonen gefragt, die Eltern und Jugendliche aufklären und begleiten.
Manche Schulen mit tiefem sozialen Index berichten, dass die Pull-Out-Programme teilweise nur schwierig zu füllen seien. In diesem Fall ist es wichtig, an der «Identifikation» zu arbeiten, weil sich Begabungen manchmal hinter fehlenden Deutschkenntnissen oder sogar Vorurteilen verstecken. Dabei spielt wieder die Fachperson eine entscheidende Rolle, da sie beispielsweise Klassenscreenings durchführt und das Schulpersonal bei der Identifikation von Begabungen berät.
Gleichzeitig zeigen gerade diese Herausforderungen, weshalb die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten entscheidend bleibt: Schulen, Fachpersonen, Schulleitungen, Eltern, Schulamt und Behörden.
Was in den Gesprächen besonders spürbar wird: BBF wird nicht als isoliertes Projekt verstanden. Vielmehr ist über die letzten Jahre ein gemeinsames Netzwerk entstanden, das von Austausch, gegenseitigem Lernen und grossem Engagement lebt.
Oder wie Meret Brunnschweiler es formuliert: «Das Kickoff Anfang Jahr, bei dem sich die Schulen persönlich kennenlernen, ist essenziell. Danach geht man automatisch aufeinander zu.»
Vielleicht beschreibt genau das den Kern der Begabungs- und Begabtenförderung in der Stadt Zürich: dass viele Menschen gemeinsam daran arbeiten, Lernräume zu schaffen, in denen Kinder ihre Stärken entdecken und entwickeln können und manche über die Vorgaben des Lehrplans 21 hinauswachsen.