Das Schiff hat den Hafen verlassen. Petra Zumbach wählt diese Metapher ganz bewusst. Die Schule Dachslern-Feldblumen in Zürich Altstetten sei unterwegs, sagt sie – noch nicht auf hoher See, aber klar auf Kurs. Begabungs- und Begabtenförderung (BBF) wird hier nicht einfach eingeführt. Sie wird aufgebaut, erprobt, gemeinsam getragen.
«Als Schulleiterin habe ich die Aufgabe, BBF zu verankern und zu begleiten», sagt Zumbach. Sie steht in Beziehung durch Gespräche mit der Fachperson BBF, Absprachen im Team, Kontakte mit Eltern. Immer wieder geht es um einzelne Kinder: Wer braucht was? Wer zeigt wo besondere Stärken? Und wer braucht vielleicht einen anderen Zugang beim Lernen, um diese überhaupt sichtbar zu machen?
Denn BBF bedeutet für Petra Zumbach vor allem eines: den Blick weiten. Nicht nur auf die Leistungsstarken, sondern auf alle. Kinder sollen früh erfahren, was ihnen liegt, was sie interessiert. Begabungen zeigen sich nicht nur in Mathematik oder Sprache, sondern ebenso im kreativen, sozialen oder praktischen Bereich. Dieses Verständnis prägt die Arbeit der Schule.
Im Alltag wird das konkret. Lehrpersonen beobachten gezielt, tauschen sich aus, nutzen Instrumente, um Stärken sichtbar zu machen. Es wird gemeinsam hingeschaut: Wo liegt das Potenzial eines Kindes? Und wie kann es sich entfalten?
Doch Beobachten allein reicht nicht. Es braucht Lerngelegenheiten. Projektarbeit ist eine davon. Kinder wählen eigene Themen, arbeiten vertieft daran, gehen ihren Fragen nach. Ergänzt wird dies durch spezifische Förderangebote, die Schritt für Schritt aufgebaut werden. Die Schule entwickelt Strukturen – und gleichzeitig verändert sich der Unterricht selbst.
Zurück zum Schiff. Noch sind nicht alle Abläufe eingespielt, noch ist nicht jede Rolle geschärft. Aber die Crew formiert sich. Lehrpersonen verstehen sich zunehmend als Lernbegleitende, die Orientierung geben und gleichzeitig Freiraum schaffen. BBF wird so nicht zu einem Zusatz, sondern zu einer Frage der Haltung.