Die Individualisierung des Lehrplans ermöglicht eine vertiefte Arbeit in Begabungsdomänen und neuen Interessengebieten. Dabei können Schüler*innen sowohl im Unterricht als auch ausserhalb daran arbeiten. Die Bereicherung wird individuell mit Schüler*innen und Eltern abgestimmt und fliesst ins Entwicklungs- oder Talentportfolio ein, während die Grundkompetenzen gemäss Lehrplan 21 gewährleistet bleiben.
Am Anfang stand eine Idee: eine Rakete bauen. Nicht als Modell aus dem Bastelgeschäft, sondern selbst entwickelt und flugfähig. Matan, Colin und Lino aus der zweiten Sek A machten sich auf die Suche nach Unterstützung – und fanden sie bei der Akademischen Raumfahrtinitiative Schweiz (ARIS). Seither arbeiten die drei Schüler im Rahmen eines BBF-Enrichment-Projekts gemeinsam mit den Expertinnen und Experten an ihrer eigenen Modellrakete.
Wir haben beschlossen, dass wir eine Modellrakete bauen möchten. Dann haben wir externe Hilfe gesucht und können so unser Ziel besser verfolgen.
In meiner Rolle war der Fokus auf Nosecone und noch etwas Programmieren. Lennard und ich hatten zuerst im CAD-Programm Onshape Nosecone 3-D-modelliert. Als nächstes hatten wir für die Elektronik einen Code zu schreiben, welchen er uns zur Verfügung stellte.
Das Highlight wird in zwei Monaten der Raketenstart sein. Das wird sehr spannend werden.
Unterstützung bekommen Matan, Colin und Lino von drei Maschinenbau-Studenten der ETH Zürich: Florian, Lennard und Thomas. Sie alle engagieren sich bei ARIS, der Akademischen Raumfahrtinitiative Schweiz.
ARIS ist ein Verein, in dem Studierende an komplexen Raumfahrtsystemen arbeiten und ihr Wissen praktisch anwenden. Genau darum passt die Zusammenarbeit so gut zum BBF-Enrichment-Projekt: Hier wie dort geht es darum Herausforderungen anzupacken und an konkreten Aufgaben zu wachsen.
Die Anfrage der drei Schüler erreichte ARIS im September 2025. Sie wollten wissen, ob der Verein sie beim Bau einer Rakete unterstützen würde. Für Florian Paulweber, einen der drei Mentoren, war schnell klar: Dieses Vorhaben passt. Seither begleiten er, Lennard und Thomas die Jugendlichen auf dem Weg von der Idee zur flugfähigen Modellrakete – als Coaches, Sparringspartner und fachkundige Begleiter.
Was ist deine Rolle im Projekt?
Bei ARIS kümmere ich mich grösstenteils um die Elektronik und Firmware Development. Im Raketenprojekt habe ich darum die Verantwortung für «Keybooth». Dabei geht es darum, wie wir Daten erfassen und zum Laufen kriegen. Ebenso analysieren wir quasi im Nachhinein den Flug, um daraus zu lernen.
Was können die Schüler von dir lernen?
Prinzipiell lernen die Schülerinnen und Schüler von mir das Programmieren. Vor allem vermittle ich ihnen aber, wie Software und Elektronik zusammenkommt und welche Rolle dies beim Bau einer Rakete spielt. Ausserdem unterstütze ich sie bei der Entwicklung und Gestaltung ihres Designs.
Was denkst du, worin liegt der Gewinn, wenn Experten wie du den Unterricht in der Schule ergänzen?
Ich habe selbst an einem ähnlichen Projekt gearbeitet – allerdings ohne Expertinnen und Experten an unserer Seite. Deshalb sehe ich den Mehrwert heute ganz besonders: Die Schülerinnen und Schüler kommen nicht nur schneller voran, sondern verstehen auch viel besser, warum etwas funktioniert. Sie können auf Erfahrungen zurückgreifen, die wir damals erst mühsam selbst sammeln mussten.
Was war für dich ein Highlight?
Ein besonderes Highlight war unser Besuch in der ARIS-Werkstatt in Dübendorf. Dort haben wir begonnen, die Rakete zusammenzubauen, die Finnen (flügelartige Stabilisatoren am Heck einer Rakete) eingeklebt und die Motorhalterung fertiggestellt. Endlich konnten wir das, was wir geplant und entwickelt hatten, in die Praxis umsetzen. Das hat mir grossen Spass gemacht – und ich glaube, den Jungs auch.
Was wünschst du dir?
Ich hoffe natürlich auf einen guten, erfolgreichen Start.
Das Interview führte Maya Frischherz.
Was ist deine Aufgabe im ARIS Raketenprojekt?
Bei ARIS kümmere ich mich um die «Propulsion», also um den Antrieb. Das hat vor ein paar Jahren mit Solidraketen angefangen – Raketen, die ähnlich gebaut sind wie jene in diesem Projekt. Später habe ich mich auf Flüssigkeitsantriebe, sogenannte «By Liquids» spezialisiert und daran gearbeitet, wie der Treibstoff sicher und zuverlässig zum Motor gelangt. Aktuell arbeite ich an etwas ganz Neuem.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Schülern?
Das Projekt begann damit, dass die drei Schüler auf ARIS zukamen und uns fragten, ob wir sie als Coaches begleiten würden. Sie präsentierten ihre Idee in einem Pitch und zeigten dabei bereits ein erstaunlich gutes Verständnis für ihr Vorhaben. Sie hatten sich Gedanken über die technische Umsetzung, den Umfang des Projekts und sogar über das Budget gemacht.
Gemeinsam haben wir das Konzept weiterentwickelt und entschieden, was realistisch umsetzbar ist. Dabei war uns wichtig, dass die Schüler möglichst viel selbst übernehmen. Wir begleiten sie fachlich, stellen kritische Fragen und unterstützen sie, wo nötig – die Entscheidungen und die Umsetzung sollen aber möglichst bei ihnen liegen.
Was hast du von den Schülern lernen können?
Beeindruckt hat mich vor allem ihr Mut. Sie sind von sich aus auf uns zugegangen, haben ihre Idee überzeugend präsentiert und um Unterstützung gebeten. Das erfordert Selbstvertrauen – und davon kann ich mir durchaus eine Scheibe abschneiden.
Was wünschst du dir für den weiteren Verlauf des Projekts?
Natürlich wünsche ich mir, dass wir die Rakete erfolgreich starten können. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Schüler im weiteren Verlauf noch mehr Raum erhalten, eigene Entscheidungen zu treffen und auch Fehler machen zu dürfen. Denn genau darin steckt oft das grösste Lernpotenzial.
Das Interview führte Maya Frischherz.
Was bringst du als Experte mit ins Projekt ein?
Ich arbeite bei Aris hauptsächlich im «Structures-Bereich». Ich unterstütze die Schüler dabei, eine Rakete so zu entwickeln, dass sie den Belastungen beim Start standhält. Gleichzeitig begleite ich sie dabei, ihre Entwürfe Schritt für Schritt in ein funktionierendes Bauteil umzusetzen.
Was können die Schüler von dir lernen?
Das ist eine gute Frage. Ich zeige ihnen, wie aus einer Idee ein konkretes Bauteil entsteht. Dazu gehört, ein Modell am Computer (CAD) zu entwerfen und dieses anschliessend so umzusetzen, dass daraus eine echte, funktionierende Rakete wird. Genau dieser Weg – von der digitalen Konstruktion zur Realität – ist ein zentraler Teil meiner Arbeit.
Gibt es Dinge, womit dich die Schüler auch überrascht haben?
Ja, auf jeden Fall. Mich hat beeindruckt, wie schnell sie komplexe technische Zusammenhänge verstanden haben. Obwohl sie noch jung sind, brachten sie bereits ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen mit und konnten sich 3D-Konstruktionen sehr gut vorstellen. Dadurch konnten wir von Anfang an auf Augenhöhe über das Modell diskutieren und unsere Ideen gemeinsam weiterentwickeln.
Das Interview führte Maya Frischherz.