Das schulinterne Pullout-Programm (POP) unterstützt begabte und kreative Schüler*innen durch klassenübergreifende Lerngemeinschaften, individuelle Projekte, flexible Lernangebote und Kooperationen. Akzeleration, schnelleres Lernen, kann mit dem POP kombiniert werden.
Beschleunigung umfasst Massnahmen wie das Überspringen von Klassen, der Besuch einzelner Fächer in einer höheren Klasse oder das schnellere Durchlaufen des Lehrplans. Solche Entscheidungen setzen die Zustimmung der Schüler*innen, der Eltern und der Schulleitung voraus.
Begabte Schüler*innen denken häufig nicht nur schneller, sondern auch anders. Ein blosses Überspringen von Klassen reicht deshalb meist nicht aus. Sinnvoll ist vielmehr eine Kombination mit schulischem und ausserschulischem Enrichment, also mit gezielten zusätzlichen Förderangeboten. Dadurch können begabte Schüler*innen ihre Schulzeit sowohl in ihrer Begabungsdomäne als auch in anderen Bildungsbereichen effektiv und sinnvoll nutzen.
Curdin Riedi ist Sekundarlehrperson Phil II, sprich für Mathe und Naturwissenschaften. An der Schule Lavater ist er seit drei Jahren tätig. Insgesamt arbeitet er seit mehr als 15 Jahren als Klassenlehrer. Im Rahmen von BBF unterrichtet er eine Gruppe in Akzeleration Mathematik.
Wie sieht dein Alltag in der BBF-Akzeleration in Mathematik aus?
Im Moment ist es so, dass im Rahmen der BBF 3 Schüler aus der zweiten Sek bei mir im Wahlfach Geometrie der dritten Sek mitarbeiten. Im letzten Schuljahr waren 2 Schüler aus der ersten Sek in den normalen Mathelektion von meiner Klasse mit dabei.
Was ist deine Motivation Lehrperson für BBF zu sein?
Ich möchte bei der BBF mithelfen, weil ich oft denke, dass Schüler*innen im Mathematik- oder Naturwissenschafts-Unterricht im normalen Unterricht gebremst werden. Viele könnten schneller lernen und weiter gehen. Ich finde es gut, dass der Fokus vermehrt nicht nur auf die Unterstützung von schwächeren Schüler*innen gelegt wird. Starke Schüler*innen werden mit BBF-Angeboten abgeholt und erhalten so neue Möglichkeiten.
Woran erkennst du, dass Schüler*innen von dieser Förderung profitieren?
Ich erkenne bei Schüler*innen vor allem an der Freude, der Mitarbeit und der Motivation, die sie bei mir im Unterricht zeigen, dass sie von der BBF profitieren. Was gerade in der Mathematik nicht selbstverständlich ist. Diese Freude und Motivation sind tatsächlich auch das A und O. Mit den Schüler*innen habe ich jeweils die Abmachung, dass sie jederzeit auf mich zukommen können und mir sagen können, was sie brauchen oder was sie sich wünschen.
Was ist dir in der Begleitung der Schüler*innen besonders wichtig?
In der Begleitung der Schüler*innen ist mir vor allem wichtig, dass ich immer wieder nachfrage, ob es für sie passt oder sie Unterstützung brauchen – sie also gut begleite. Ich versuche auch, sie nicht anders zu behandeln als den Rest der Klasse. Ich ermuntere sie generell, dass sie auf mich zukommen.
Welche Bedingungen unterstützen deine Arbeit in der BBF?
Wichtig für das Gelingen meiner Arbeit im Rahmen der BBF ist eine gute Zusammenarbeit mit den Fachleuten. Sie kümmern sich um die Organisation und die Papiere im Hintergrund. Dazu gehören auch Gespräche, die ich nicht selbst führen muss. Dadurch kann ich mich ausschliesslich auf den Unterricht mit den Schüler*innen konzentrieren.
Was sind die Herausforderungen in deinem Job?
Herausforderungen im BBF-Setting «Akzeleration» ist die Integration der zusätzlichen Schüler*innen in der jahrgangsälteren Klasse oder Gruppe. Bisher lief diese Integration sehr unproblematisch ab. Die älteren Schüler*innen haben sehr gut reagiert, was mich sehr gefreut hat. Die Klasse hat das genau beobachtet, dass Schüler*innen einer tieferen Klasse in ihrem Unterricht dabei sind.
Und was war dein bisheriges Highlight in der BBF?
Meine Highlights mit den Schüler*innen in der BBF sind ihre Rückmeldungen. Sie formulieren, dass sie Freude haben, gerne kommen und weiterhin teilnehmen möchten. Das zeigt für mich, dass das Angebot etwas bringt.
Besonders berührend sind die Momente im Unterricht: Wenn ein Kind, das sich bisher wenig zugetraut hat, plötzlich etwas versteht oder einen Durchbruch erlebt. Solche Erfolgserlebnisse wirken oft ansteckend – auch auf die anderen Schüler*innen. Sie sehen: «Wenn das möglich ist, dann schaffe ich das vielleicht auch.»
Gibt es einen Punkt, den du gerne noch sagen möchtest?
BBF ist in dieser Form neu und noch nicht im ganzen Team verankert. Manche finden es noch ein wenig fremd, wenn Schüler*innen nicht in der eigenen Klasse, sondern in der BBF woanders im Unterricht sind. Das liegt daran, dass BBF in dieser Form noch am Anfang steht. Es braucht Zeit.
Das Interview führte Maya Frischherz.
Das schulinterne POP fördert Schüler*innen mit ausserordentlichem Potenzial und Kreativität durch klassenübergreifendes Lernen in festen Lerngruppen. Die Fachperson BBF gestaltet die Förderung nach didaktischen Elementen und ermöglicht individuelle Projekte sowie Kooperationen mit externen Institutionen. Die Teilnahme erfordert Motivation und ein Commitment von Schüler*innen und Eltern.
Lorraine Lambert unterrichtet Mathematik am Gymnasium. An der Schule Lavater unterrichtet sie 2 Lektionen pro Woche eine kleine Gruppe in der Begabtenförderung Mathematik.
Wie sieht dein Alltag mit BBF-Mathematik an der Schule Lavater aus?
Mein Alltag in den beiden BBF-Mathematiklektionen ist deutlich freier als im Gymnasium. Ich kann die Themen selbst wählen und genau dort ansetzen, wo sie den regulären Unterricht sinnvoll ergänzen. So haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Mathematik von einer anderen Seite kennenzulernen und sich vertieft mit spannenden Fragestellungen auseinanderzusetzen.
Welche Schüler*innen profitieren von diesem Angebot?
Es sind motivierte Schüler*innen, die sich in der Mathematik weiterentwickeln möchten, die Spass an Mathe haben und die auch Potenzial zeigen.
Was ist deine persönliche Motivation Fachperson für BBF zu sein?
Meine persönliche Motivation ist, dass ich die Freude an der Mathematik weiterschenken kann – mit Schülern*innen zu arbeiten, die bereits Freude haben und bereit sind, neue Konzepte aufzunehmen, neue Problemstellungen zu bearbeiten oder eine Challenge anzunehmen.
Wie begleitest du zum Beispiel unterschiedliche Lerntempi bei den Schüler*innen?
Da wir in einer kleinen Gruppe arbeiten, kann ich gut auf die unterschiedlichen Lerntempi eingehen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten oft selbstständig und in ihrem eigenen Rhythmus. Gleichzeitig profitieren sie in gemeinsamen Diskussionen voneinander, weil sie unterschiedliche Lösungswege und Denkansätze einbringen. So kann ich die Lektionen individuell gestalten und jede und jeden gezielt begleiten.
Was sind wichtige Rahmenbedingungen und Faktoren, damit Mathematik in BBF gelingen kann?
Ein guter Austausch zwischen den Lehrpersonen ist wichtig. Ich bin zum Beispiel regelmässig mit der Mathematiklehrperson in Kontakt. Sie gibt mir auch Rückmeldungen zum Fortschritt der Schüler*innen, ich kann so gut ergänzen oder mich dem aktuellen Thema anpassen.
Kannst du ein Highlight aus deinem Unterricht herauspicken?
In diesem Semester waren das unsere beiden Exkursionen. Wir besuchten Google und erhielten Einblicke in die Rolle der Mathematik in der Softwareentwicklung. Ausserdem waren wir in der Sukkulenten-Sammlung. Solche Erlebnisse machen Mathematik greifbar und zeigen den Schülerinnen und Schülern, wie vielfältig sie im Alltag und in der Berufswelt vorkommt. Gerade diese Schönheit und Anwendbarkeit der Mathematik kommt im regulären Unterricht manchmal zu kurz.
Das Interview führte Maya Frischherz.
Yaniv: Hobbys sind Fussball, Kickboxen und Sport allgemein.
Matteo: Hobbys sind Rudern, Basketball und Sport allgemein.
Cesare: Hobbys sind Rugby und Mathe.
Es macht sehr Spass und gibt immer spannende Themen.
Mein Wunsch wäre, dass viele andere Kinder auch die Möglichkeit hätten, Mathe BBF zu machen. Ich finde das wirklich sehr hilfreich.
Ich habe ein Projekt gehabt mit 3-D-Modellierung - also mit einem 3-D-Drucker. Das hat mir sehr gefallen. Ich konnte Dinge auf dem Computer konstruieren und im Anschluss diese Datei in ein Programm laden und schliesslich das Objekt ausdrucken. Und dann hatte ich eine kleine Form, welche ich selber gezeichnet hatte.