Egal, ob eine Begabung im Klassenunterricht, im POP oder im Forschungszentrum gefördert wird, folgende Komponenten werden auf allen Ebenen angewendet:
- Straffung (Compacting): Schüler*innen, die Kompetenzen im Lehrplan bereits beherrschen, überspringen diese. Die gewonnene Zeit schafft Raum für Bereicherung. Der Lernstand kann über den Lehrplan hinausgehen.
- Bereicherung (Enrichment): Statt mehr Aufgaben zu machen, wird der Lerninhalt angereichert und vertieft. Die Schüler*innen erleben neue Themen, Methoden und Fragestellungen – zum Beispiel durch Forschungsprojekte, kreative Aufgaben oder interdisziplinäre Themen. Die drei Typen Lernaktivitäten (siehe separater Abschnitt) werden zu diesem Bereich gezählt.
- Beschleunigung (Acceleration): In Einzelfällen wird der Lernweg beschleunigt – etwa durch die Arbeit an weiterführenden Kompetenzen und Kompetenzstufen oder den vorzeitigen Übertritt in eine höhere Klasse.
Diese drei Fördermassnahmen werden nicht als «Extras» eingeführt, sondern als normale Unterrichtsstrategien – denn SEM besagt:
Im Zentrum vom SEM stehen drei spezifische, miteinander verbundene didaktische Enrichment- oder Bereicherungs-Elemente. Es handelt sich dabei um drei Arten von Lernaktivitäten – Typ I-, Typ II- und Typ III-Aktivitäten.
Typ I-Aktivitäten: Begegnungen – Die Inspiration
In den Typ I-Aktivitäten geht es darum, Neugier zu wecken, Horizonte zu erweitern, Türen zu öffnen, um mögliche Interessen und Talenten zu entdecken. Dies kann anhand von Begegnungen, Impulsen, Entdeckungen, Anreizen, Interessen, «Schnupperaktivitäten» geschehen.
Ein Beispiel:
- Eine Lehrperson zeigt einen kurzen Film über eine junge Astronautin.
- Ein Kind präsentiert seine Leidenschaft für Insekten.
- Ein Künstler kommt in die Schule und zeigt, wie er mit recycelten Materialien Skulpturen baut.
Typ II-Aktivitäten: Fertigkeiten – Die Werkzeuge
Bei Typ II-Aktivitäten geht es darum «das Lernen zu lernen».
Ein Kind mag zwar ein grosses Interesse an Robotik haben – aber wie baut man einen Roboter? Wie schreibt man eine Forscherfrage? Wie recherchiert man seriös? Wie arbeitet man in einer Gruppe? Wie präsentiert man seine Idee? Wie reflektiert man seine Fortschritte?
Typ II-Aktivitäten vermitteln Methoden und Fähigkeiten, die Kinder benötigen, um ihre Projekte selbstständig zu planen und umzusetzen. Sie wirken wie Brücken zwischen anfänglichem Interesse und der konkreten Umsetzung.
Typ III-Aktivitäten: Projekte – Die Leistung
Typ III-Aktivitäten sind das Herzstück vom SEM: Eigenständige, persönlich bedeutungsvolle Projekte.
Hier wenden die Kinder das Gelernte an. Sie arbeiten allein oder in kleinen Gruppen an einem Projekt, das sie wirklich interessiert.
Ein Projekt kann sein:
- Eine Programmiersprache lernen, um einen Roboter zu steuern
- Ein Kochbuch für Kinder schreiben
- Einen Film über den Klimawandel drehen
- Ein Modell für einen Loft bauen
- Eigene Teemischung mit Heilpflanzen herstellen
Eine Typ III-Aktivität ist der Moment, in dem sich das individuelle Begabungspotenzial eines Kindes als bedeutsame Leistung äussert.
Ein zentrales Werkzeug des SEM ist das Portfolio – ein persönliches Sammelbuch von Originalarbeiten, die unter aktiver Beteiligung der Schüler*innen zu Stande gekommen ist und Wesentliches über ihr Wissen und ihre Kompetenzen sowie ihre Lernprozesse aussagt.
Es enthält zum Beispiel:
- Arbeiten – vom ersten Entwurf bis zum fertigen Produkt,
- Selbstreflexionen – was hat das Kind gelernt? Was war schwierig? Was hat es überrascht?
- Ziele – was möchte es als Nächstes erreichen?
- Feedback – von Lehrpersonen, Eltern, Mitschüler*innen.
Ein Portfolio kann als Geschichtenbuch verstanden werden. Nämlich als Geschichte des persönlichen Lernweges, mit allen Umwegen, Lernfortschritten, Irrtümern und Entwicklungen. Es unterstützt Kinder dabei, ihren Lernweg zu reflektieren, sich selbst besser zu verstehen, Stärken zu erkennen, aus Fehlern zu lernen, Erfolge zu würdigen und zukünftige Projekte bewusst zu planen. Gleichzeitig gibt es Lehrpersonen Einblicke, um die Förderung gezielt und individuell zu gestalten.
Voraussetzung für eine Förderung in der BBF ist das Erkennen von Talenten und Begabungen. Ein Werkzeug, das für die Erkennung eingesetzt wird, ist der Einschätzungsbogen (siehe auch Dimension Organisation).
Quellen:
BBF Konzept
Stadt Zürich, Schulamt, Bereich Pädagogik, Fachstelle Begabungs- und Begabtenförderung. «Konzept Begabungs- und Begabtenförderung in der Stadt Zürich». April 2018. Aktualisierte grafische Überarbeitung: Januar 2024.